Ein Sonntag, ganz für sich
Uschi hatte die ganze Woche über gewirkt – leise, effizient, liebevoll.
Tee gekocht. Limo serviert. Blüten geschnitten. Flip-Flops verteilt. Gespräche geführt.
Aber jetzt war Sonntag.
Ihr Tag.
Sie hatte es angekündigt.
Dezent, aber mit Nachdruck.
„Heute ist Me-Time. Bitte keine Fragen zu Gießplänen, keine Diskussionen über Ofenhitzegrade, keine Anekdoten aus der Hängematte – außer vielleicht die ganz kurzen.“
Und tatsächlich:
Am Nachmittag lag sie in ihrem fliederfarbenen Badeanzug auf der Poolliege.
Gesichtsmaske. Lavendelfußbad. Funkelnder Nagellack.
Eine sanfte Brise spielte mit dem Handtuch.
Elise summte respektvoll am Rand.
Das Mähschaf mähte heute in Zeitlupe.
Nur das Känguru hing wie immer in seiner Hängematte und kommentierte ab und zu in rätselhaften Halbsätzen:
„Das wahre Spa ist das Nicht-Tun…“
„Körperpflege ist ein revolutionärer Akt.“
„Ich mach’ das aus Prinzip.“
Uschi nickte nur – in ihrer Mitte. Alles war gut.
Der Abend naht
Am frühen Abend trocknete Uschi sich ab, zog ihren Lieblingsmorgenmantel an, streifte sich die flauschigsten Hausschuhe über und ging erwartungsvoll ins Wohnzimmer.
Es war Zeit für ihre Sendung: „Sanfte Riesen – Tierpflegerinnen in Afrika“.
Eine halbe Stunde liebevolle Szenen mit Giraffen, Elefanten, Zebrababys und Menschen, die mit ruhiger Stimme Dinge sagten wie:
„…und dann haben wir dem kleinen Nashorn eine Gurke angeboten, die es ganz vorsichtig beschnuppert hat…“
Uschi liebte es.
Es war wie Lavendeltee fürs Herz.
Doch das Wohnzimmer war… nicht leer
Mozart saß da.
Mit Odin.
Der Hai.
Waschbärli.
Sogar Kroko hatte sich dazugesetzt.
Auf dem Bildschirm: Ein Dokumentarfilm über Vulkanausbrüche.
Laut.
Dramatisch.
Mit donnernder Musik und Sätzen wie:
„Und dann spie der Gigant aus Feuer und Gestein seine uralte Wut in den Himmel.“
„Entschuldigung…“, begann Uschi zart.
„Gleich kommt die Superzeitlupe vom pyroklastischen Strom!“, rief Waschbärli begeistert.
„Ich wollte eigentlich…“
Mozart drehte sich um. „Deine Sendung mit den Giraffen, nicht wahr?“
Uschi nickte.
„Gib uns zehn Minuten. Dann gehören dir Sofa und Sender.“
Ein stiller Kompromiss
Sie wollte nichts fordern.
Aber ein bisschen enttäuscht war sie schon.
Sie setzte sich an den Rand.
Wartete.
Atmete.
Dann kam das Känguru ins Wohnzimmer.
„Ich finde, der Sonntag gehört denen, die sonst leise sind“, sagte es.
Und drückte auf Mute.
„Hey!“, rief Waschbärli.
„Sie hat die ganze Woche für euch gekocht, gebracht, versorgt und zugehört.
Jetzt ist Uschi-Zeit.“
Der Hai nickte. „Das ist argumentativ kaum zu widerlegen.“
Der perfekte Abschluss
Fünf Minuten später lag Uschi in der Mitte des Sofas.
Eine warme Decke.
Ein Glas Zitronenmelissentee.
Die Fernbedienung in der Hand.
Und auf dem Bildschirm:
„Die kleine Elefantendame Luma bekommt ihre Ohren massiert.“
Tigerlein machte sogar leise Notizen für eine Podcast-Sonderfolge:
„Über Fürsorge – wenn niemand zuschaut.“
Mozart lächelte.
Odin nickte.
Das Känguru zwinkerte.
Und Uschi atmete aus.
Sanft.
Dankbar.
Zufrieden.
Denn manchmal braucht es nicht viel.
Nur ein Sofa, ein Bildschirm, und eine Elefantendame mit großen Ohren.