28. Juni 2026 Sonnig Sommer 7 min

Uschis erste Zitrone und das Freibad im Flanellweg

Uschis erste Zitrone und das Freibad im Flanellweg

1) Die ersten Tomatenblüten

Der Sonntag begann warm und hell. Schon früh lag dieser besondere Sommerduft über dem Garten: warme Erde, Kräuter, Blüten und ein bisschen Poolwasser.

Uschi zog ihre leichten Gartenschuhe an und machte ihre übliche Runde.

Zuerst zu den Tomaten.

Sie beugte sich über die kräftigsten Pflanzen, strich vorsichtig ein Blatt zur Seite und blieb stehen.

„Lara“, rief sie.

Lara kam mit einer Tasse in der Pfote aus dem Haus. „Was ist?“

Uschi zeigte auf eine kleine gelbe Blüte.

Dann noch eine.

Und weiter hinten noch zwei.

„Die ersten Tomatenblüten“, sagte sie leise.

Lara lächelte sofort. „Endlich.“

Uschi sah die kleinen gelben Sterne an, als wären sie bereits fertige Tomaten. „Jetzt geht es richtig los.“

Der Hai kam ebenfalls näher und betrachtete die Pflanzen.

„Blütenansatz bestätigt.“

„Danke“, sagte Lara. „Wir waren uns fast nicht sicher.“

Der Hai ignorierte den Tonfall. „Bewässerung und Nährstoffversorgung scheinen zu passen.“

Uschi nickte zufrieden. „Dann lassen wir sie jetzt einfach machen.“


2) Minze und die erste Zitrone

Danach ging Uschi zum Kräuterbeet. Die Minze stand kräftig, frisch und beinahe ein wenig zu selbstbewusst zwischen den anderen Kräutern.

„Die kann heute etwas abgeben“, sagte Uschi.

Sie schnitt einige schöne Triebe ab und legte sie in einen kleinen Korb.

Dann blieb sie vor dem Zitronenbäumchen im Terrakottatopf stehen.

Eine der Zitronen war inzwischen deutlich heller geworden. Nicht mehr grün, nicht nur gelblich, sondern richtig sonnengelb.

Uschi nahm sie vorsichtig in die Pfote, drehte sie ganz leicht – und sie löste sich fast von selbst.

„Unsere erste Zitrone“, sagte sie.

Waschbär, der zufällig in der Nähe war, kam sofort näher. „Sie hat es geschafft.“

„Sie war nie in Gefahr“, sagte der Hai.

„Trotzdem hat sie es geschafft.“

Lara roch daran. „Die duftet wunderbar.“

Kroko kam aus der Küche. „Was machen wir damit?“

Uschi lächelte. „Etwas Frisches.“


3) Zitronen-Minz-Erfrischung

In der Küche presste Uschi die Zitrone aus. Es war natürlich keine riesige Menge Saft, aber genug, um etwas Besonderes daraus zu machen.

Dazu kamen kaltes Wasser, viele Eiswürfel, etwas Minze und ein kleiner Hauch Honig. Lara schnitt noch ein paar dünne Gurkenscheiben hinein.

„Sehr sommerlich“, sagte sie.

„Und nicht zu süß“, sagte Uschi.

Der Hai sah in die Karaffe. „Eine Zitrone für diese Menge ist aromatisch eher symbolisch.“

Uschi legte noch ein paar Stücke einer gekauften Zitrone dazu. „Jetzt ist es praktisch und symbolisch.“

„Akzeptabel.“

Waschbär probierte zuerst.

„Schmeckt wie ein Garten, der sich abgekühlt hat.“

Kroko nahm einen Schluck. „Gut.“

Das Känguru hob sein Glas. „Auf die erste Zitrone in gemeinschaftlicher Nutzung.“

„Du hast keinen Beitrag geleistet“, sagte der Hai.

„Ich trinke solidarisch.“

Uschi stellte die Karaffe unter Odins Sonnensegel. Dort sollte sie eigentlich den ganzen Nachmittag stehen.

Eigentlich.


4) Freibadstimmung im Garten

Am Pool war inzwischen mehr los als sonst.

Waschbär und Stinkerle hatten im Schuppen eine alte Kiste gefunden. Darin lagen aufblasbare Poolfiguren, die offenbar irgendwann einmal gekauft und dann vergessen worden waren.

Ein Ring in Form einer Wassermelone.
Ein kleiner Hai.
Zwei bunte Reifen.
Ein Flamingo.
Ein sehr großes Einhorn.
Und etwas, das vielleicht eine Palme sein sollte.

„Wir besitzen ein aufblasbares Ökosystem“, sagte Waschbär begeistert.

Stinkerle prüfte die Ventile. „Einige halten noch.“

Der Hai sah auf den aufblasbaren Hai und wirkte persönlich beleidigt. „Die Form ist anatomisch ungenau.“

„Aber freundlich“, sagte Lara.

„Das macht sie nicht genauer.“

Bald wurde gepumpt, aufgeblasen, geprüft und zu Wasser gelassen. Tigerlein filmte natürlich alles. Waschbär saß auf dem Flamingo. Stinkerle testete den Wassermelonenring. Das Känguru beanspruchte das Einhorn, weil es „als einziges Transportmittel ausreichend ideologiefrei“ sei.

Kroko ging ebenfalls ins Wasser, was den Pool sofort voller machte.

Odin saß am Rand, Sonnenbrille auf, Füße im Wasser.

Die Küchenkatzen hatten sich weit zurückgezogen. Minimaler Positionswechsel: größtmögliche Distanz zum aufblasbaren Einhorn.


5) Zu warm, zu laut, zu viel

Zunächst fand Uschi die Stimmung noch schön.

Alle lachten. Das Wasser glitzerte. Der Flamingo drehte sich langsam im Kreis. Tigerlein rief etwas wegen einer guten Aufnahme. Der Hai versuchte, die Anzahl gleichzeitig im Pool befindlicher Objekte zu begrenzen.

Dann wurde es mehr.

Waschbär rutschte von der Wassermelone ins Wasser. Stinkerle spritzte zurück. Das Känguru rief vom Einhorn aus, es habe „die maritime Hoheit übernommen“. Kroko brummte, weil der Flamingo gegen ihn trieb. Tigerlein filmte. Der Hai diskutierte über sichere Abstände.

Uschi stand unter dem Sonnensegel, hielt ihr Glas mit Zitronen-Minz-Wasser und merkte: Es war ihr zu warm.

Zu laut.

Zu voll.

Lara sah sie an. „Alles okay?“

Uschi nickte. „Ja. Ich glaube, ich gehe rein.“

„Ins Haus?“

„Ins Bad.“

Lara lächelte. „Pool draußen, Bad drinnen.“

„Heute ja.“

Niemand bemerkte, wie Uschi mit einem Handtuch im Haus verschwand. Alle waren zu sehr mit dem Einhorn beschäftigt.


6) Ein kühles Bad in einem leeren Haus

Im Haus war es still.

Richtig still.

Keine Gespräche aus der Küche. Kein Werkzeug im Schuppen. Kein Kroko-Brummen. Kein Hai mit Messwerten. Kein Waschbär, der etwas „emotional richtig“ ausrichten wollte.

Nur gedämpftes Lachen von draußen.

Uschi zog die Vorhänge im Bad etwas zu und ließ kühles bis lauwarmes Wasser ein. Nicht warm wie sonst am Sonntag, sondern frisch und leicht. Sie gab ein wenig Minze ins Wasser und ein paar Tropfen von einem zitrischen Badezusatz.

Dann stieg sie hinein.

Die Kühle legte sich um Beine, Schultern und Rücken. Nicht eisig, sondern genau richtig.

Uschi lehnte den Kopf zurück.

Draußen hörte man entfernt einen lauten Platscher.

Dann das Känguru: „Das Einhorn wurde gerammt!“

Dann den Hai: „Nicht absichtlich seitlich belasten!“

Uschi lächelte.

Aber hier drinnen war es ruhig.

So ruhig wie selten.


7) Draußen Freibad, drinnen Frieden

Während draußen der Flanellweg zum kleinen Freibad geworden war, blieb Uschi im Bad.

Sie schloss die Augen.

Die erste Tomatenblüte.
Die geerntete Minze.
Die erste Zitrone.
Der Garten.
Das Wasser.
Und diese unerwartete Ruhe.

Niemand klopfte. Niemand brauchte etwas. Niemand fragte, wo die Handtücher waren oder ob noch Eis da sei.

Alles war draußen.

Sogar Kroko.

Als Uschi später wieder aus dem Bad kam, war es draußen bereits etwas ruhiger. Einige Poolfiguren lagen am Rand. Der Flamingo war halb entlüftet. Das Einhorn schwebte noch immer majestätisch, aber schief.

Lara sah Uschi an. „War es schön?“

Uschi nickte. „Sehr.“

„Ruhig?“

Uschi sah zum Pool.

Waschbär versuchte gerade, die Palme wieder aufzupumpen. Der Hai erklärte, dass sie vermutlich ein Leck habe. Das Känguru lag halb auf dem Einhorn und behauptete, es sei „nur eine taktische Pause“.

„Ungewöhnlich ruhig“, sagte Uschi.


8) Mozarts Satz des Tages

Am Abend stand die leere Karaffe auf dem Tisch. Die erste Zitrone war aufgebraucht, die Minze hatte alle gekühlt, und die Poolfiguren trockneten verteilt über Terrasse und Rasen.

Mozart sah erst zum Zitronenbäumchen, dann zum Pool und schließlich zum Badezimmerfenster.

„Manchmal wächst an einem kleinen Baum
die erste Zitrone,
und aus ihr wird genug Frische
für ein ganzes Haus.
Manchmal wird ein Pool
zum Freibad,
ein Flamingo zum Verkehrshindernis
und ein Einhorn zum politischen Fahrzeug.
Und manchmal ist der schönste Ort
nicht dort, wo alle lachen,
sondern im stillen Bad,
während draußen niemand merkt,
dass Ruhe gerade ganz allein
im Wasser liegt.“