18. September 2026 Sonnig Herbst 7 min

Uschis Herbstgarten-Tag

Uschis Herbstgarten-Tag

1) Ein ruhiger Freitagmorgen

Der Freitag begann mild.

Nicht warm wie im August.

Aber freundlich.

Die Sonne stand flacher, der Garten war nach Regen und Nebel der vergangenen Tage noch sattgrün, und auf dem Rasen lagen erste einzelne Blätter.

Uschi trat mit einem Korb auf die Terrasse.

Darin lagen Gartenschere, Handschuhe, Schnur und kleine Papiertüten.

Lara kam hinterher.

„Großer Gartentag?“

„Ein bisschen.“

Lara sah in den Korb.

„Das ist bei dir nie nur ein bisschen.“

Uschi lächelte.

„Wir schauen einfach, wie weit wir kommen.“

Waschbär saß auf der Terrassenstufe.

„Kann ich helfen?“

Uschi sah ihn an.

„Dir ist langweilig.“

„Sehr.“

„Dann ja.“

Waschbär sprang auf.

„Ich bin Gartenpersonal.“


2) Die Stauden werden zurückgenommen

Sie begannen an den Stauden.

Nicht alles sollte schon weg.

Einige Samenstände blieben stehen.

Für Insekten.

Für Vögel.

Und einfach, weil sie im Herbst schön aussahen.

Uschi schnitt nur dort zurück, wo Pflanzen bereits deutlich braun geworden waren.

„Nicht alles ordentlich machen“, sagte sie.

Waschbär hielt inne.

„Das klingt nicht nach Hai.“

„Der Garten ist kein Lagerraum.“

Lara nickte.

„Ein bisschen Unordnung gehört dazu.“

Der Hai hörte das zufällig vom Fenster aus.

„Definierte Unordnung.“

Uschi sah zum Haus.

„Nein.“

Waschbär grinste.

„Wilde Ordnung.“

Das gefiel ihm besser.


3) Waschbär schneidet fast zu viel

Uschi gab Waschbär eine kleine Gartenschere.

„Nur die trockenen Stängel hier.“

„Verstanden.“

Er schnitt einen.

Dann noch einen.

Dann betrachtete er einen dritten.

„Der sieht halb trocken aus.“

„Dann bleibt er.“

„Warum?“

„Weil halb trocken nicht trocken ist.“

Waschbär nickte ernst.

Dann zeigte er auf eine noch grüne Pflanze.

„Und die?“

„Auf keinen Fall.“

„Ich frage ja nur.“

Lara lachte.

„Gut, dass du fragst.“

Waschbär arbeitete danach deutlich langsamer.

Das war ein Erfolg.


4) Kräuter für Küche und Winter

Danach kamen die Kräuter dran.

Petersilie.

Thymian.

Rosmarin.

Salbei.

Minze.

Ein wenig Schnittlauch.

Uschi schnitt nur so viel, wie sinnvoll war.

Ein Teil für die Küche.

Ein Teil zum Trocknen.

Ein Teil blieb stehen.

Kroko erschien fast sofort.

„Rosmarin?“

Uschi hielt ihm ein Bündel hin.

„Frisch.“

Kroko nahm es.

„Gut.“

Dann sah er auf den Thymian.

„Davon auch.“

Lara grinste.

„Du hast heute offenbar genaue Pläne.“

„Abendessen.“

Mehr sagte er nicht.

Waschbär schnupperte an Salbei.

„Der riecht nach Herbst.“

Uschi nickte.

„Ja.“


5) Kleine Sträuße aus dem, was noch da ist

Im Garten blühten noch genug Dinge, um ein paar kleine Sträuße zu binden.

Späte Astern.

Ein paar Dahlien.

Gräser.

Letzte Sonnenblumen.

Hagebuttenzweige.

Lara hielt einige Stiele zusammen.

„Das ist eigentlich schöner als ein perfekter Sommerstrauß.“

Uschi sah hin.

„Weil er schon ein bisschen Herbst drin hat.“

Sie banden drei kleinere Sträuße.

Einen für den Esstisch.

Einen fürs Wohnzimmer.

Einen stellte Uschi in den Flur.

Waschbär wollte einen vierten machen.

Er bestand fast vollständig aus Gräsern und einem einzelnen gelben Blatt.

„Minimalistisch“, sagte er.

Lara betrachtete ihn.

„Sehr.“

„Kommt in mein Zimmer.“


6) Das Zitronenbäumchen

Dann kam Uschis Zitronenbäumchen dran.

Es stand noch immer im großen Terrakottatopf.

Die Blätter sahen gut aus.

Ein paar Früchte waren klein, aber deutlich zu erkennen.

Uschi prüfte die Erde.

Dann die Unterseite der Blätter.

„Noch alles gut.“

Lara half, den Topf etwas näher an die geschützte Hauswand zu rücken.

Waschbär stemmte ebenfalls mit.

„Schwer.“

„Deshalb zusammen“, sagte Uschi.

Der Hai kam vorbei.

„Wann kommt es rein?“

„Noch nicht.“

„Bei welcher Nachttemperatur?“

Uschi dachte kurz nach.

„Wenn es wirklich kühler wird.“

Der Hai sah unzufrieden aus.

„Das ist kein Schwellenwert.“

„Für Pflanzen schon.“


7) Vorbereitung auf kühlere Nächte

Einige empfindlichere Töpfe wanderten ebenfalls näher ans Haus.

Nicht ins Winterquartier.

Noch lange nicht.

Aber geschützter.

Uschi kontrollierte Untersetzer und Abflusslöcher.

Lara entfernte altes Laub.

Waschbär bekam die Aufgabe, kleine Töpfe zu tragen.

Er nahm das sehr ernst.

„Wo hin?“

„Neben die Wand.“

„Welcher Abstand?“

„Einfach ordentlich.“

Waschbär sah zum Hai.

„Keine Zentimeter?“

Uschi lachte.

„Keine Zentimeter.“

Der Hai schüttelte den Kopf und ging weiter.


8) Kroko erntet fürs Abendessen

Währenddessen stand Kroko im Gemüsebereich.

Er hatte einen Korb.

Tomaten gab es immer noch.

Weniger als im Hochsommer, aber noch genug.

Ein paar Paprika.

Eine kleine Zucchini.

Karotten.

Kräuter.

Kroko prüfte alles einzeln.

Waschbär kam vorbei.

„Was gibt es?“

„Gemüse.“

„Welches Gericht?“

„Später.“

„Mit Fleisch?“

Kroko sah ihn an.

„Vielleicht.“

Waschbär nickte.

„Geheimküche.“

Kroko brummte.

Das konnte man als Zustimmung werten.


9) Ein Garten verändert sich

Am Nachmittag machten Uschi und Lara eine Pause.

Sie saßen auf der Terrasse.

Tee.

Ein paar Kekse.

Vor ihnen lag der Garten.

Er sah nicht mehr aus wie im Juli.

Weniger üppig.

Etwas ruhiger.

Mehr Grünbraun.

Mehr Struktur.

Mehr einzelne Blätter auf dem Rasen.

Lara sagte:

„Ich mag diese Phase.“

„Ich auch.“

„Man merkt, dass alles langsamer wird.“

Uschi nickte.

„Aber es ist noch nicht vorbei.“

Im Hintergrund fuhr das Mähschaf langsam eine Bahn.

Deutlich weniger beschäftigt als noch im August.

„Genau.“


10) Waschbär findet neue Aufgaben

Waschbär hatte inzwischen wieder Langeweile.

Also sammelte er Blätter.

Dann sortierte er sie nach Farben.

Gelb.

Braun.

Rotbraun.

„Ich mache eine Herbstpalette.“

Lara sah hin.

„Die ist schön.“

Das motivierte ihn.

Er legte daraus einen langen Farbübergang auf die Terrassenkante.

Der Hai kam vorbei.

„Das wird weggeweht.“

„Dann ist es temporäre Kunst.“

Das Känguru, das in der Hängematte lag, sagte:

„Vergänglichkeit ist ein zentrales Element jeder—“

„Nein“, sagte der Hai.

Waschbär grinste.


11) Kroko macht aus dem Garten Abendessen

Am Abend roch die Küche nach geröstetem Gemüse, Kräutern und Butter.

Kroko hatte aus der Ernte eine große Ofenpfanne gemacht.

Kartoffeln.

Karotten.

Paprika.

Zucchini.

Tomaten.

Knoblauch.

Rosmarin und Thymian.

Dazu gab es kleine gebratene Fleischstücke und eine Kräutersauce.

Uschi sah auf den Teller.

„Fast alles von heute.“

Kroko nickte.

„Fast.“

Lara probierte.

„Sehr gut.“

Der weiße Tiger sagte:

„Sehr überzeugend.“

Waschbär hob eine Karotte.

„Die kenne ich.“

„Warum?“, fragte Stinkerle.

„Ich bin heute daran vorbeigelaufen.“


12) Ein Gartenabend im September

Nach dem Essen saßen einige noch draußen.

Mit Jacken.

Uschi hatte den spätsommerlichen Strauß auf den Tisch gestellt.

Der Wind war ruhig.

Das Zitronenbäumchen stand jetzt näher am Haus.

Die Kräuter waren teilweise gebündelt und zum Trocknen aufgehängt.

Die empfindlicheren Töpfe standen geschützt.

Der Garten wirkte vorbereitet.

Nicht auf Winter.

Aber auf das, was als Nächstes kommen würde.

Waschbär betrachtete seine Herbstpalette.

Einige Blätter waren bereits weggeweht.

„War temporär.“

Mozart nickte.

Dann schrieb er:

„Ein Garten verabschiedet den Sommer nicht an einem einzigen Tag.
Er tut es Stück für Stück.

Ein trockener Stängel wird abgeschnitten,
Kräuter kommen ins Haus,
ein Zitronenbaum rückt näher an die Wand
und aus den letzten Blüten entsteht noch einmal ein Strauß.

Kroko findet Abendessen zwischen Beeten,
Waschbär findet Kunst zwischen Blättern
und Uschi findet genau den richtigen Zeitpunkt,
noch nichts ganz zu beenden
und trotzdem schon ein wenig vorzusorgen.

Vielleicht ist September deshalb so schön:
Der Garten sagt noch nicht Lebewohl.
Er zieht nur langsam eine Jacke an.“