1) Noch ein heißer Sonntag
Der Sonntag begann ohne große Überraschung: Es war heiß.
Nicht ganz so gefährlich wie der Tag zuvor, aber deutlich genug, dass der Hai schon beim ersten Blick auf die Wetterstation sagte: „Weiterhin erhöhte Belastung durch Temperatur und UV-Strahlung.“
Das Känguru saß unter Odins Sonnensegel, ein kühles Tuch über den Schultern, und sagte: „Ich erkenne die Lage an.“
Alle drehten sich zu ihm um.
„Was?“, fragte es. „Man darf aus historischen Sonnenereignissen lernen.“
Kroko brummte: „Sonnenereignis. Du bist mit Praline eingeschlafen.“
„Das war der Auslöser einer Bewusstseinsverschiebung.“
„Es war Schokolade.“
Uschi kam aus der Küche und stellte eine große Karaffe Wasser mit Minze und Zitronenscheiben auf den Tisch. „Heute machen wir es ruhig. Viel trinken, viel Schatten, später Pool.“
„Sehr sinnvoll“, sagte der Hai sofort.
„Sehr angenehm“, sagte Lara.
Odin saß unter seinem Sonnensegel, Sonnenbrille auf, und nickte nur. Das Segel spannte sich über der Terrasse wie eine stille Antwort auf alle Übertreibungen des Sommers.
2) Uschis Sommerwerk in der Küche
Während die anderen im Schatten blieben, machte sich Uschi in der Küche an den Obstsalat.
Sie holte Melone, Erdbeeren, Aprikosen, Pfirsiche, Trauben, Blaubeeren und ein paar Stücke Apfel, damit etwas Frische und Biss dabei war. Aus dem Kühlschrank kam ein kleiner Rest Orangensaft, dazu ein Spritzer Zitrone und ein paar fein geschnittene Minzblätter.
Lara kam dazu und lehnte sich an den Türrahmen. „Das sieht nach Rettung aus.“
„Das ist Rettung“, sagte Uschi. „Nur in einer Schüssel.“
Sie schnitt ruhig, sauber, ohne Hektik. Die Melone wurde in saftige Würfel geteilt, die Erdbeeren halbiert, die Aprikosen in weiche Spalten geschnitten. Der Duft füllte die Küche langsam mit Sommer, aber nicht mit schwerem Sommer – eher mit dem Versprechen, dass man Hitze essen kann, wenn genug Wasser im Obst steckt.
Waschbär schaute herein. „Darf ich helfen?“
Uschi sah seine Pfoten an.
„Ich kann sehr ordentlich Früchte betrachten.“
„Betrachten darfst du.“
Waschbär setzte sich an den Tisch und betrachtete die Obstschüssel mit großer Ernsthaftigkeit. „Die Melone wirkt heute optimistisch.“
„Gut“, sagte Uschi. „Dann kommt sie ganz nach oben.“
Der Hai erschien kurz in der Tür. „Wie viele Portionen?“
„Für alle.“
„Das ist keine Zahl.“
„Doch. Eine Flanellweg-Zahl.“
Der Hai dachte darüber nach und akzeptierte es ausnahmsweise.
3) Erfrischungsstation unter dem Sonnensegel
Gegen Mittag war die Terrasse vorbereitet.
Unter Odins Sonnensegel standen Getränke, Gläser, eine Schüssel mit Eis, ein Krug Zitronen-Minz-Wasser, eine zweite Karaffe mit Gurke und Basilikum, und Uschis große Obstsalatschüssel in einem kühlen Einsatz.
„Erfrischungsstation“, sagte der Hai anerkennend.
„Uschi-Station“, sagte Lara.
„Noch besser“, sagte Waschbär.
Das Känguru saß in sicherem Schatten und betrachtete die Obstschüssel. „Nach gestern erkenne ich fruchtbasierte Kühlung als gesellschaftlichen Fortschritt an.“
„Du erkennst heute ziemlich viel an“, sagte Kroko.
„Sonnenbrand macht diplomatisch.“
Odin hob minimal sein Glas. „Hilft.“
Kroko hatte diesmal nichts Großes gekocht. Es gab kalte Kleinigkeiten, Brot, etwas Käse, Gurkenscheiben und später vielleicht Reste vom Grillabend. Niemand wollte einen schweren Sonntagsbraten. Selbst Kroko nicht.
„Bei der Hitze gewinnt, was kalt ist“, brummte er.
Das Mähschaf stand im Terrassenhafen und brummte leise: „alles gut.“
Raseline antwortete von nebenan. Balu war heute nicht zu sehen, aber Waschbär behauptete, er könne „sicher irgendwo an Raseline denken“.
4) Alle werden versorgt
Uschi verteilte Schälchen mit Obstsalat. Jeder bekam genug, und trotzdem blieb noch etwas übrig, weil sie natürlich so geplant hatte, dass niemand nach drei Löffeln traurig in eine leere Schüssel schauen musste.
Lara nahm den ersten Bissen und schloss kurz die Augen. „Perfekt.“
„Sehr gutes Verhältnis von Süße, Säure und Wassergehalt“, sagte der Hai.
„Das ist ein sehr Hai-artiges Kompliment“, sagte Uschi.
„Es ist ernst gemeint.“
Kroko aß schweigend, nickte dann und sagte: „Gut. Kühlt.“
Waschbär hatte ein Stück Melone auf dem Löffel und betrachtete es wie ein kleines Kunstobjekt. „Das ist ein essbarer Pool.“
„Bitte nicht in den Pool werfen“, sagte der Hai sofort.
„Ich wollte es nur sagen.“
Das Känguru bekam eine extra Portion, weil Uschi fand, dass innere und äußere Kühlung nach gestern ratsam waren. Es nahm die Schale mit würdevoller Dankbarkeit.
„Ich bin nicht pflegebedürftig.“
„Nein“, sagte Uschi. „Nur warm.“
„Das ist akzeptabel formuliert.“
Die Küchenkatzen lagen im Schatten nahe der Terrassentür. Minimaler Positionswechsel: näher an Obst, dann wieder weg, als klar wurde, dass es kein Fleisch war.
5) Kein Bad, sondern Pool
Am späten Nachmittag geschah etwas, das im Flanellweg an einem Sonntag zunächst fast ungewöhnlich wirkte.
Uschi ging nicht ins Bad.
Sie stellte keine Kerzen auf, ließ kein Badewasser ein, verschwand nicht mit Duft und Ruhe hinter der Tür.
Stattdessen band sie die Haare hoch, nahm ein Handtuch und ging zum Pool.
Lara sah ihr nach und lächelte. „Heute also Pool statt Badewanne?“
„Heute ist die Badewanne draußen“, sagte Uschi.
Der Hai prüfte noch einmal die Wasserwerte, diesmal erstaunlich schnell. „Akzeptabel. Kühlung empfohlen.“
„Danke“, sagte Uschi.
Sie setzte sich zuerst an den Rand, ließ die Füße ins Wasser gleiten und atmete aus. Dann ging sie langsam hinein. Das Wasser war kühl, aber nach der Hitze des Tages genau richtig. Es nahm die Wärme von den Schultern, aus den Armen, aus dem ganzen Tag.
Uschi ließ sich treiben.
Nicht lange. Nicht dramatisch.
Einfach ruhig.
Das Känguru hob aus dem Schatten eine Pfote. „Ich würde auch hineingehen, aber ich respektiere heute die solare Nachsorge.“
„Bleib im Schatten“, sagte Kroko.
„Ich sagte doch: Ich respektiere.“
Odin saß unter dem Sonnensegel und nickte, als sei das der vernünftigste Satz des Tages.
6) Eine seltene Ruhe
Und dann passierte das Wunder: Niemand störte Uschi.
Waschbär blieb unter dem Sonnensegel und malte kleine Obststücke in sein Aquarellbuch. Stinkerle reparierte nichts, baute nichts und prüfte nur einmal aus der Entfernung, ob die Wasserrutsche noch sicher verstaut war. Tigerlein filmte nicht, sondern nahm nur leise Wassergeräusche auf, ohne nah heranzugehen.
Der Hai hatte seine Werte.
Kroko hatte kaltes Essen.
Das Känguru hatte Schatten und keine geschmolzene Praline.
Lara hatte ein Getränk und lächelte.
Odin hatte sein Sonnensegel.
Die Katzen hatten ihre Ruhe.
Alles war versorgt.
Uschi schwamm langsam eine kleine Runde, lehnte sich dann am Poolrand zurück und sah in den Garten. Die Sommerpflanzen standen kräftig, der Lavendel duftete warm, die Tomaten sahen gut aus, und unter dem Sonnensegel saßen die anderen wie eine kleine, friedliche Insel.
„So“, sagte Uschi leise.
Lara hörte es und fragte: „Gut?“
Uschi nickte. „Sehr.“
Niemand machte daraus ein Ereignis. Genau deshalb blieb es schön.
7) Mozarts Satz des Tages
Als der Abend kam, war der Obstsalat fast leer, die Karaffen waren nachgefüllt worden, und der Pool lag ruhig im goldenen Licht. Uschi saß noch immer mit den Füßen im Wasser, gekühlt und zufrieden.
Mozart, der den ganzen Tag im Schatten beobachtet hatte, klappte sein Notizbuch zu.
„An manchen Sonntagen
braucht Ruhe keine geschlossene Tür,
keinen Schaum
und kein warmes Bad.
Manchmal reicht eine Schüssel Obst,
ein Krug mit Minze,
ein Sonnensegel,
kühles Wasser
und ein Haus,
das endlich merkt:
Wer alle versorgt,
darf auch einmal
ungestört treiben.“