Der Morgen danach
Es war still im Haus. Sehr still.
Kein lautes Helau!, keine Kamelle flogen durch die Luft, keine bunte Musik dröhnte aus den Lautsprechern.
Stattdessen saßen die Tiere verschlafen am Frühstückstisch.
Das Känguru stützte den Kopf auf die Pfoten. „Also… das war’s? Kein Fasching mehr?“
„Kein Fasching mehr“, bestätigte der Hai und nahm einen Schluck Tee.
Der Waschbär betrachtete müde ein letztes Bonbon, das auf dem Tisch lag. „Es fühlt sich so… leer an.“
„Ach was!“, rief Uschi. „Nach Fasching kommt doch immer was Neues.“
Mozart, der alte Bär, nickte langsam. „Ja, Aschermittwoch ist der Tag der Besinnung. Ein Zeichen dafür, dass alles seine Zeit hat. Fasching ist ausgelassen und laut, doch danach kommt eine Zeit der Ruhe.“
Das Känguru rümpfte die Nase. „Ruhe ist überbewertet.“
„Was nicht überbewertet ist“, meinte der Hai, „ist das Aufräumen. Denn schaut euch das hier mal an…“
Das große Aufräumen beginnt
Tatsächlich sah es aus, als wäre ein Tornado aus Luftschlangen und Konfetti durchs Haus gefegt.
Der Boden war übersät mit Bonbonpapier, leere Krapfenteller stapelten sich in der Küche, und irgendwo im Flur lag noch die umgekippte Kamelle-Kanone des Waschbären.
„Also gut“, seufzte Mozart. „Lasst uns das gemeinsam anpacken.“
Das Känguru gähnte. „Ich bin eher der kreative Leiter solcher Aktionen.“
„Du willst dich drücken!“, beschwerte sich der Waschbär.
„Papperlapapp! Ich motiviere euch einfach nur von hier aus!“
Der Hai schüttelte den Kopf. „Dann motivieren wir dich gleich dazu, den Besen zu schwingen.“
Also wurde aufgeräumt.
Uschi kümmerte sich um die Küche. Der Hai und der Waschbär sammelten Konfetti ein („Wieso ist das Zeug eigentlich überall?!“), und Mozart inspizierte die Bücherregale, um sicherzugehen, dass keine übrig gebliebene Kamelle sich in einer dunklen Ecke versteckt hatte.
Nur Kroko saß in der Ecke und schien nachzudenken.
Krokos neue Idee
Nach einer Weile fragte Uschi: „Kroko, alles in Ordnung? Du bist so still.“
Das Krokodil blickte auf. „Ich überlege… Es ist doch schade, dass nach Fasching einfach alles vorbei ist.“
„Ja, total!“, rief das Känguru.
„Aber vielleicht muss es das nicht sein“, fuhr Kroko fort. „Warum nicht eine kleine Tradition einführen? Ein Fest nach dem Fest!“
„Ein Nach-Fasching?!“, fragte der Waschbär begeistert.
„Nein, nein… etwas Ruhigeres. Ein Tag, an dem wir uns daran erinnern, was schön war – aber ohne das ganze laute Chaos. Ein… Krapfen-Retreat.“
Das Känguru schielte zur Küche. „Also, wenn es dabei noch einen letzten Krapfen gibt, bin ich dabei.“
„Und Tee“, fügte Mozart hinzu.
„Und etwas Nachdenklichkeit“, sagte Uschi. „Fasching ist vorbei, aber wir haben doch viel erlebt. Das kann man ruhig mal würdigen.“
Die Tiere sahen sich an.
Dann grinste der Hai. „Klingt eigentlich ganz gut.“
Das letzte Faschingsritual
Und so kam es, dass die Tiere sich am Abend noch einmal zusammensetzten.
Jeder durfte erzählen, was ihm am besten an Fasching gefallen hatte.
„Die Schnapspralinen!“, rief das Känguru.
„Das Buffet“, sagte Uschi.
„Unser chaotischer Rosenmontagsumzug!“, meinte der Waschbär.
„Dass wir gemeinsam so viel gelacht haben“, murmelte Mozart mit einem Lächeln.
Dann gab es tatsächlich den letzten Krapfen. Uschi schnitt ihn in kleine Stücke, damit jeder noch ein bisschen abbekam.
„Also gut“, sagte der Hai, „Fasching ist vorbei.“
Das Känguru seufzte. „Aber nächstes Jahr wird es NOCH BESSER!“
„Natürlich!“, rief Kroko.
Die Tiere prosteten sich mit Tee zu.
Aschermittwoch war gekommen – doch die Vorfreude auf das nächste Jahr hatte bereits begonnen.