1) Das Festnetz klingelt
Am Dienstagvormittag saß der weiße Tiger im Büro.
Der Hai war irgendwo mit Listen beschäftigt.
Waschbär malte im Wohnzimmer.
Stinkerle arbeitete im Schuppen.
Dann klingelte das Festnetz.
Der weiße Tiger nahm ab.
„Flanellweg.“
„Hallo, hier ist der Dachs.“
„Hallo.“
„Ich hätte da eine kleine Frage.“
Der weiße Tiger lehnte sich zurück.
„Worum geht's?“
„Wegen der Sachen vom Flohmarkt.“
Kurze Pause.
„Die Lampe funktioniert grundsätzlich, aber der Schalter macht manchmal nichts. Und das kleine Möbelstück wackelt ein bisschen.“
„Stinkerle.“
„Genau an den hatte ich gedacht.“
„Ich geb's weiter.“
„Danke.“
Der weiße Tiger legte auf.
Dann rief er durchs Haus:
„Stinkerle!“
Waschbär hob sofort den Kopf.
2) Waschbär hört nur das Entscheidende
Stinkerle kam herein.
„Was ist?“
„Der Dachs braucht Hilfe. Lampe und kleines Möbelstück vom Flohmarkt.“
„Okay.“
Waschbär stand bereits neben ihm.
„Ich komme mit.“
Stinkerle sah ihn an.
„Warum?“
Waschbär dachte nach.
„Qualitätsnachkontrolle.“
„Nein.“
„Kundendienst.“
„Nein.“
„Sozialer Außendienst.“
Stinkerle seufzte.
Der weiße Tiger sagte:
„Nimm ihn mit.“
Stinkerle sah ihn an.
„Warum?“
Der weiße Tiger grinste.
„Dann ist er hier nicht gelangweilt.“
Waschbär strahlte.
„Beschlossen.“
3) Werkzeug für einen kleinen Einsatz
Stinkerle packte nur das Nötigste.
Schraubendreher.
Multimeter.
Kleine Zange.
Ersatzschalter.
Klemmen.
Holzleim.
Ein paar Schrauben.
Unterlegscheiben.
Filzgleiter.
Waschbär trug freiwillig die kleinere Tasche.
„Ich bin Assistent.“
„Du fasst nur an, was ich dir gebe.“
„Verstanden.“
„Und du machst keine Schränke auf.“
Waschbär sah ihn an.
„Das war bei Wolf.“
„Deshalb sage ich es.“
„Ich entwickle mich weiter.“
Stinkerle schwieg.
4) Beim Dachs
Der Dachs öffnete die Tür.
„Da seid ihr ja.“
Waschbär hob die Werkzeugtasche.
„Technischer Kundendienst.“
Stinkerle sagte:
„Ignorier ihn.“
Der Dachs lachte.
„Kommt rein.“
Die Lampe stand bereits auf einem Tisch.
Das kleine Möbelstück daneben.
Es war ein kleiner Beistelltisch mit Ablage.
„Die Lampe geht meistens“, sagte der Dachs. „Aber manchmal muss ich den Schalter zweimal drücken.“
Stinkerle nickte.
„Dann schauen wir zuerst da.“
Waschbär beugte sich sehr nah heran.
„Sie sieht verdächtig aus.“
„Sie sieht aus wie eine Lampe“, sagte der Dachs.
5) Der Schalter ist tatsächlich müde
Stinkerle zog den Stecker.
Dann öffnete er das kleine Schaltergehäuse.
„Da.“
Der Kontakt war sichtbar abgenutzt.
Nicht gefährlich akut.
Aber unzuverlässig.
„Kann man tauschen.“
Der Dachs nickte.
„Gut.“
Stinkerle hatte einen passenden Ersatz dabei.
Waschbär hielt die Schrauben.
Sehr ernst.
„Nicht verlieren.“
„Ich verliere nie Schrauben.“
Eine fiel herunter.
Alle sahen ihn an.
Waschbär hob sie sofort auf.
„Fast nie.“
Nach wenigen Minuten war der neue Schalter montiert.
Stecker rein.
Klick.
Licht.
Klick.
Aus.
Mehrmals.
Alles sauber.
„Gut“, sagte Stinkerle.
Der Dachs nickte zufrieden.
6) Das Möbelstück wackelt
Dann kam der kleine Tisch dran.
Stinkerle stellte ihn auf eine freie Fläche.
Drückte leicht.
Ein Bein gab ein wenig nach.
„Verbindung locker.“
Er drehte ihn um.
Eine alte Schraubverbindung hatte Spiel bekommen.
Zusätzlich war eine Verleimung nicht mehr besonders fest.
„Nichts Wildes.“
Waschbär kniete daneben.
„Strukturelles Problem.“
„Nein.“
„Lokales strukturelles Problem.“
„Wenn du möchtest.“
Stinkerle löste die Verbindung, reinigte sie, gab etwas Leim dazu und setzte alles neu.
Dann Schraube.
Unterlegscheibe.
Festziehen.
Nicht zu brutal.
„Jetzt trocknen lassen.“
Der Dachs rüttelte vorsichtig.
„Schon viel besser.“
„Morgen ganz belastbar.“
7) Waschbär entdeckt wieder Dinge
Während Stinkerle arbeitete, sah Waschbär sich um.
Natürlich.
Der Dachs hatte mehrere alte Sachen.
Ein kleines Radio.
Eine schwere Keramikvase.
Ein paar Bücher.
Eine Holzfigur.
Waschbär zeigte auf die Figur.
„Was ist das?“
„Keine Ahnung.“
„Woher?“
„Flohmarkt vor Jahren.“
Waschbär nickte begeistert.
„Sehr gut.“
Der Dachs sah ihn an.
„Warum ist das gut?“
„Weil nicht alles eine Erklärung braucht.“
Stinkerle sah kurz hoch.
„Das sagt der Richtige.“
Waschbär ignorierte ihn.
8) Der Dachs ist sehr zufrieden
Nach einer guten Stunde war alles erledigt.
Die Lampe schaltete zuverlässig.
Der Tisch stand deutlich stabiler.
Stinkerle prüfte noch einmal.
„Passt.“
Der Dachs stellte die Lampe wieder an ihren Platz.
Klick.
Licht.
„Perfekt.“
Dann stellte er vorsichtig eine kleine Schale auf den Tisch.
Nichts wackelte.
„Sehr gut.“
Er sah zu beiden.
„Danke.“
Stinkerle winkte ab.
„War schnell gemacht.“
„Trotzdem.“
Der Dachs verschwand kurz in einem Nebenraum.
Waschbär flüsterte:
„Vielleicht gibt es Kuchen.“
Stinkerle sagte:
„Er muss uns gar nichts geben.“
Dann kam der Dachs zurück.
Mit zwei großen Schoko-Osterhasen.
9) Osterhasen im September
Stinkerle sah die Hasen an.
Dann den Dachs.
Dann wieder die Hasen.
„Äh.“
Der Dachs grinste.
„Die sind von Ostern übrig.“
Waschbär nahm einen entgegen.
„Riesig.“
„Ich esse die nicht mehr.“
Stinkerle bekam den zweiten.
„Sind die noch gut?“
„Ja. Ungeöffnet. Trocken gelagert. Mindesthaltbarkeit noch lang genug.“
Waschbär hielt seinen Hasen hoch.
„September-Osterhase.“
Der Dachs lachte.
„Genau.“
Stinkerle schüttelte den Kopf.
„Das ist wirklich eine ungewöhnliche Bezahlung.“
„Dann vergesst ihr mich nicht.“
„Das hätten wir auch so nicht.“
10) Rückweg durchs Dorf
Draußen war es mild.
Ein typischer Septembertag.
Waschbär trug den Schoko-Osterhasen wie eine Trophäe.
„Ich finde, Kundendienst lohnt sich.“
„Es war keine Bezahlung.“
„Dankeschön.“
„Ja.“
„Mit Schokolade.“
„Ja.“
Waschbär nickte.
„Noch besser.“
Auf dem Weg kamen sie bei Björns Bäckerei vorbei.
Waschbär blieb stehen.
„Nur kurz?“
Stinkerle sah ihn an.
„Nein.“
„Ein kleines Teilchen?“
„Wir haben zwei Osterhasen.“
„Die sind für später.“
Stinkerle musste lachen.
11) Zuhause sorgt das Geschenk für Irritation
Als sie zurückkamen, saß der Hai am Tisch.
Er sah die beiden großen Schoko-Osterhasen.
„Warum?“
Stinkerle stellte einen ab.
„Dachs.“
„Warum hat der Dachs im September Osterhasen?“
„Übrig.“
„Warum gibt er sie euch?“
„Dankeschön.“
Der Hai dachte nach.
„Für Reparatur.“
„Genau.“
Waschbär stellte seinen Hasen daneben.
„Kundentreuebonus.“
„Nein.“
Der weiße Tiger kam aus dem Büro.
Sah die Hasen.
„Was hat der Dachs gemacht?“
„Nichts“, sagte Stinkerle. „Das ist das Dankeschön.“
Der weiße Tiger nickte langsam.
„Ungewöhnlich überzeugend.“
12) Kroko plant sofort weiter
Kroko kam aus der Küche.
Er sah die Schokolade.
Dann die beiden.
„Vollmilch?“
Waschbär nickte.
„Ja.“
Kroko nahm einen Hasen in die Hand.
„Kann man verwenden.“
Waschbär zog ihn sofort zurück.
„Meiner bleibt ganz.“
„Warum?“
„Er ist jetzt Dekoration.“
Stinkerle sah seinen Hasen an.
„Meiner darf irgendwann geschmolzen werden.“
Kroko nickte zufrieden.
„Gut.“
Der Hai sagte:
„Dann haben wir jetzt also saisonfremde Schokoladenvorräte.“
Das Känguru kam vorbei.
„Ein klassisches Beispiel für Überproduktion.“
Waschbär hielt seinen Hasen fest.
„Nein. Ein klassisches Beispiel für Glück.“
13) Ein kleiner Ausflug mit großem Ende
Am Abend stand einer der Osterhasen tatsächlich noch unversehrt im Wohnzimmer.
Mitten im September.
Neben Kastanien.
Unter einem frühen Herbststrauß.
Es sah vollkommen falsch aus.
Und dadurch irgendwie richtig.
Stinkerle war zufrieden mit der Reparatur.
Der Dachs ebenfalls.
Waschbär mit seinem Geschenk sowieso.
Mozart sah den Schoko-Osterhasen lange an und schrieb:
„Manchmal führt ein kleiner Reparaturauftrag
zu einem Nachmittag im Dorf.Eine Lampe bekommt einen neuen Schalter,
ein Tisch wieder festen Stand
und ein neugieriger Waschbär
eine weitere Gelegenheit, sich umzusehen.Als Dank gibt es dann nicht Geld,
nicht Kuchen
und nicht einmal Herbstgebäck,
sondern zwei Osterhasen im September.Vielleicht ist das Leben gerade deshalb unterhaltsam:
weil nicht jedes Dankeschön
zur Jahreszeit passen muss.“