02. Januar 2026 Schnee Neujahr 6 min

Der Freitag und die Pläne, die nach Tee duften

Der Freitag und die Pläne, die nach Tee duften

1) Ein Freitag mit neuer Energie

Der Schnee draußen war immer noch da, aber er wirkte heute weniger wie Weihnachten und mehr wie Winter. Im Wohnzimmer knisterte der Kamin, und der Weihnachtsbaum leuchtete noch, allerdings schon ein bisschen so, als wüsste er, dass seine Hauptsaison vorbei ist. Er machte das aber mit Würde.

Uschi stellte Tee auf den Tisch, wie immer. Kroko brummte in der Küche, weil Kroko am liebsten brummt, wenn er zufrieden ist. Elise zog eine Runde, als würde sie prüfen, ob das neue Jahr auch wirklich sauber angefangen hatte. Die Küchenkatzen lagen wie zwei ruhige Klammern vor dem Kamin, schnurrten synchron und rückten ab und zu ein Kissen so zurecht, dass niemand sagen konnte, hier wäre irgendwas schief.

„Heute“, sagte Waschbär und klatschte einmal in die Pfoten, „ist Plan-Tag.“
Der Hai hob sofort den Kopf. „Plan-Tag ist nicht im Kalender eingetragen.“
„Dann tragen wir ihn jetzt ein“, sagte Waschbär frech.
Der Hai zog sein Tablet heran. „In welcher Kategorie?“
„Kategorie: Freude“, sagte Waschbär.
Der Hai zögerte. „…ich habe keine Kategorie ‚Freude‘.“
Uschi grinste. „Dann wird’s Zeit.“


2) Große Wünsche, kleine Listen

Sie setzten sich zusammen, wie sie es oft taten: nicht als Sitzung, eher als warme Runde. Trotzdem lag in der Luft dieses typische Januar-Gefühl – wie ein frisches Blatt Papier, das noch nicht weiß, ob es eine Zeichnung oder eine Tabelle wird.

Stinkerle begann sofort: „Dieses Jahr brauchen wir ein ordentliches Regal für den Werkraum. Und eine bessere Beleuchtung. Und vielleicht…“ Er hielt kurz inne, als müsste er prüfen, ob die Idee gefährlich ist. „…einen kleinen mobilen Werkbankwagen.“
Der Hai nickte. „Werkbankwagen ist sinnvoll.“
Waschbär strahlte. „Und ich will eine Ausstellung! Irgendwo im Haus. Vielleicht in der Lounge. Oder im Flur. Oder—“
„Nicht im Flur“, sagte der Hai sofort.
„Warum nicht?“
„Fluchtwege.“

Uschi sagte leise: „Ich hätte gern mehr Tage, an denen wir einfach… ruhig sind. Nicht immer nur Projekte. Auch mal ein Sonntag mitten in der Woche.“
Kroko brummte zustimmend. „Und mehr Essenstage. Also… gute Essen. Nicht nur Reste.“
„Reste sind auch Essen“, sagte der Hai.
„Reste sind Erinnerung“, sagte Mozart vom Kamin aus, und alle nickten, weil Mozart immer recht hat, wenn er so klingt.

Tigerlein hob sein Mikrofon wie eine kleine Fahne. „Ich will den Advents-Podcast weiterführen. Vielleicht nicht jeden Tag, aber… Jahreszeiten-Podcast. Kamin, Regen, Garten, Feld.“
Lara aus der Küche sagte: „Und mehr Musik dazu. Wir können Themen machen. Januar-Jazz.“
„Revolutionäre Lieder“, warf das Känguru ein.
„Nicht jeden Tag“, sagte Lara sehr freundlich. „Aber manchmal.“

Odin saß still dabei, hörte zu, und man merkte: Er sortierte das nicht in Listen, sondern in Richtung.


3) Der Hai im Paradies der Paragraphen

Während die anderen träumten, tat der Hai das, was er am liebsten tut, wenn die Welt groß wird: Er holte sie zurück in eine Form, die man anfassen kann.

Er hatte bereits am Morgen Nachrichten gelesen – nicht nur Wetter, sondern „Jahreswechsel-Zeug“. Er legte das Tablet auf den Tisch, räusperte sich und sagte mit einer feierlichen Ernsthaftigkeit, die man sonst nur bei Kaminabnahmen kennt:

„Es gibt Änderungen.“

Das Känguru richtete sich auf. „Änderungen sind politisch.“
„Änderungen sind administrativ“, korrigierte der Hai. „Zum Beispiel: neue gesetzliche Regelungen. Anpassungen. Freibeträge.“
Waschbär sah ihn an, als hätte der Hai gerade gesagt, dass Schnee aus Papier besteht. „Freibeträge?“
„Das ist Geld, das…“ Der Hai suchte nach einer einfachen Formulierung, man sah ihm an, dass das schwer war. „…das nicht so stark angefasst wird.“
Kroko nickte. „Aha. Weniger wegnehmen. Gut.“
„Es ist komplexer“, sagte der Hai sofort. „Aber im Prinzip: ja.“

Der weiße Tiger aus dem Büro war auch im Wohnzimmer, unauffällig im Sessel. Bei dem Wort „Freibeträge“ hob er minimal den Blick – so minimal, dass man es nur merkte, wenn man ihn schon kannte.

„Und“, fuhr der Hai fort, „Fristen. Änderungen bei… Dingen.“
„Bei welchen Dingen?“ fragte Uschi, die zugleich neugierig und ein bisschen amüsiert war.
„Bei Dingen“, sagte der Hai ernst. „Das ist Absicht. Ich arbeite mich durch.“

Stinkerle grinste. „Der Hai liest Gesetze wie andere Kochbücher.“
„Gesetze sind Rezepte“, sagte der Hai. „Nur mit weniger Butter.“

Das Känguru klatschte begeistert. „Satire! Das ist Satire!“
„Das war unbeabsichtigt“, sagte der Hai streng, aber er wirkte gleichzeitig zufrieden, als hätte er ungewollt etwas gelernt.


4) Pläne treffen Rahmenbedingungen: Wie man ein Jahr baut

Odin setzte seine Tasse ab. „Das ist gut“, sagte er ruhig. „Wir brauchen beides. Die Wünsche und die Rahmenbedingungen.“
„Rahmenbedingungen sind das Fundament“, sagte der Hai sofort.
„Und Wünsche sind das Haus“, ergänzte Uschi.
Waschbär strahlte. „Und Kunst ist das Fenster, durch das man rausguckt.“
„Und Essen ist die Küche“, brummte Kroko.
„Und Politik ist…“, begann das Känguru.
„…die Diskussion am Tisch“, sagte Mozart sanft und beendete es so, dass niemand widersprechen konnte.

Sie lachten, und man merkte: Das war gerade kein „Planen“ wie in einer Firma. Das war Planen wie in einer Familie: als gemeinsames Bild, in dem jeder einen Teil malt.

Der Hai begann, eine Liste zu schreiben – aber diesmal nicht nur Zahlen und Fristen. Er schrieb:

  • Werkraum besser
  • Lounge schön
  • Mehr Ruhe-Tage
  • Jahreszeiten-Podcast
  • Gute Essenstage
  • Gesetzes-Update checken

Waschbär beugte sich vor. „Du hast ‚Freude‘ vergessen.“
Der Hai schaute auf die Liste. Dann schrieb er – mit spürbarem innerem Widerstand gegen Unpräzision – ganz unten ein Wort:
„Freude.“

Die Küchenkatzen schnurrten, als würden sie das offiziell bestätigen.


5) Ein kleiner Ausblick: nicht zu viel, aber genug

Am späten Nachmittag schob sich ein blasses Winterlicht durchs Fenster, und draußen war die Welt wieder sehr still. Die Tiere saßen noch immer zusammen, jetzt ohne große Worte. Pläne waren ausgesprochen. Das genügte. Man musste sie nicht sofort umsetzen – das war vielleicht die wichtigste Lektion aus den letzten Wochen: Auch ein Haus braucht Pausen.

Kroko machte noch Kaffee. Uschi holte ein paar Stücke Obst. Stinkerle zeichnete im Kopf schon Werkbankwagen-Pläne, Waschbär kritzelte nebenbei Sterne und ein kleines Feuerwerk, Tigerlein nahm ein paar Sekunden „Kaminfreitag“ auf, Lara spielte Musik dazu.

Der Hai scrollte weiter durch seine Jahreswechsel-Infos, nickte ab und zu sehr ernst und murmelte: „Aha. Aha. Interessant.“
Das Känguru beugte sich über seine Schulter. „Und? Wird alles besser?“
Der Hai dachte kurz nach. „Es wird… anders.“
„Das ist realistisch“, sagte Odin.
„Und wir sind bereit“, sagte Uschi.


6) Mozarts Satz des Tages

Mozart sah in die Runde, in die Tassen, in die kleine Liste auf dem Tisch – und sagte, als würde er dem neuen Jahr die Hand geben:

„Ein neues Jahr beginnt nicht mit Tempo,

sondern mit Richtung.

Träume geben ihm Licht,

Regeln geben ihm Halt.

Und wenn beides am selben Tisch sitzt,

dann wird aus einem Kalender

ein Zuhause.“