1) Der Fund im hinteren Schrank
Am Montagmorgen suchte Waschbär eigentlich nur eine große Schüssel.
Dafür öffnete er den Küchenschrank ganz unten, schob zwei Auflaufformen beiseite und entdeckte dahinter ein schweres Gerät mit Glaskanne, Deckel und mehreren Knöpfen.
Er zog es vorsichtig heraus.
„Ich habe eine Maschine gefunden.“
Kroko sah von seinem Kaffee auf. „Mixer.“
„Einen sehr großen Mixer.“
„Ja.“
„Warum steht der versteckt?“
Kroko zuckte mit den Schultern. „Braucht Platz.“
Waschbär wischte etwas Staub vom Gehäuse. „Er sieht aus, als könnte er Obst in Wetter verwandeln.“
Der Hai kam hinzu und prüfte Kabel, Stecker und Kanne.
„Vor Benutzung gründlich reinigen.“
Stinkerle sah kurz unter das Gerät. „Technisch sieht er gut aus.“
Uschi öffnete den Kühlschrank. Dort standen noch Beeren, Pfirsiche, Joghurt, Melone und einige andere Reste vom leichten Sonntag.
„Dann machen wir Smoothies“, sagte sie.
Waschbär legte beide Pfoten auf die Mixerkanne.
„Heute wird gemischt.“
2) Erst reinigen, dann mixen
Bevor irgendetwas in die Kanne durfte, wurde der Mixer zerlegt.
Der Deckel kam ins Spülbecken. Die Kanne wurde gründlich ausgespült. Stinkerle prüfte die Dichtung und das Messer. Der Hai las die Beschriftung auf der Unterseite.
„Maximale Füllmenge beachten.“
„Natürlich“, sagte Waschbär.
„Nicht während des Betriebs öffnen.“
„Natürlich.“
„Keine Löffel in die laufende Kanne.“
Waschbär sah ihn an. „Das hätte ich nicht gemacht.“
Alle sahen ihn an.
„Wahrscheinlich nicht.“
Kroko trocknete die Kanne ab und stellte den Mixer auf einen freien, stabilen Platz.
Uschi legte die Zutaten auf den Tisch:
Erdbeeren und Heidelbeeren.
Pfirsiche und Aprikosen.
Wassermelone.
Bananen.
Naturjoghurt.
Haferflocken.
Minze.
Basilikum.
Zitrone.
Etwas Honig.
Das Känguru kam herein und betrachtete die Auswahl.
„Ein demokratischer Obstprozess.“
„Nicht alles kommt zusammen hinein“, sagte Lara.
Waschbär hielt inne. „Warum nicht?“
3) Die erste Mischung
Für den ersten Smoothie einigten sich alle auf etwas Einfaches.
Banane, Erdbeeren, Heidelbeeren, ein wenig Joghurt und etwas kaltes Wasser.
Der Hai wog die Zutaten ab.
„Eine Banane. Zweihundert Gramm Beeren. Hundertfünfzig Gramm Joghurt.“
Waschbär legte noch drei Heidelbeeren dazu.
Der Hai sah hin.
„Für die Farbe.“
„Die Farbe wird sich durch drei Beeren kaum messbar verändern.“
„Dann für die Persönlichkeit.“
Lara setzte den Deckel auf. Kroko hielt die Kanne kurz fest.
„Jetzt.“
Waschbär drückte den Knopf.
Der Mixer sprang mit einem tiefen Brummen an. Die Früchte wurden nach unten gezogen, wirbelten durch die Kanne und verwandelten sich innerhalb weniger Sekunden in eine dicke violette Masse.
Waschbär beugte sich begeistert vor.
„Obststurm.“
„Nicht so nah“, sagte der Hai.
Als der Mixer stoppte, war es plötzlich sehr still.
Uschi füllte den Smoothie in kleine Gläser. Jeder bekam zunächst nur etwas zum Probieren.
Odin nahm einen Schluck.
„Gut.“
Der weiße Tiger probierte ebenfalls. „Sehr gut.“
Kroko nickte. „Kann man trinken.“
Für einen Smoothie war das beinahe eine Auszeichnung.
4) Lara macht einen Sommersmoothie
Als Nächstes wollte Lara eine hellere, frischere Mischung ausprobieren.
Pfirsich, Aprikose, etwas Wassermelone, Zitronensaft und ein paar Minzblätter.
„Kein Joghurt?“, fragte Uschi.
„Diesmal nicht. Eher leicht.“
Der Hai prüfte die Wassermelone. „Dann wird die Konsistenz flüssiger.“
„Das ist gewollt.“
Der Mixer brummte erneut. Diesmal entstand ein leuchtend orange-rosafarbener Smoothie, der deutlich dünner war als der erste.
Lara roch daran und gab noch ein kleines Blatt Minze dazu.
„Jetzt.“
Das Känguru probierte als Erstes.
„Schmeckt nach einem mediterranen Reformprojekt.“
„Was soll das bedeuten?“, fragte Kroko.
„Fruchtig, aber strukturiert.“
„Dann sag das.“
Uschi mochte ihn besonders. „Sehr frisch.“
Waschbär hielt das Glas gegen das Licht. „Er sieht aus wie Sonnenuntergang zum Trinken.“
Lara lächelte. „Das darfst du so sagen.“
Der Hai notierte die Mischung auf seinem Tablet.
„Pfirsich, Aprikose, Melone, Zitrone, Minze.“
„Du legst eine Smoothie-Datenbank an?“, fragte das Känguru.
„Offensichtlich.“
5) Waschbär darf experimentieren
Dann war Waschbär an der Reihe.
Er legte eine Banane in die Kanne. Dazu Melone, Heidelbeeren, Pfirsich, Joghurt, Minze und einen Löffel Haferflocken.
Stinkerle sah zu. „Das ist viel.“
„Es ist vielfältig.“
Der Hai hob die Pfote. „Die maximale Füllhöhe.“
Waschbär nahm ein Stück Melone wieder heraus.
„Jetzt?“
„Jetzt.“
Der Mixer begann zu arbeiten.
Zuerst war die Mischung gelblich. Dann kamen die Heidelbeeren dazu. Danach wirkte sie grau-violett. Schließlich entstand eine Farbe, für die niemand sofort einen Namen hatte.
Kroko sah in die Kanne. „Nicht schön.“
„Interessant“, sagte Waschbär.
Uschi probierte vorsichtig.
„Schmeckt besser, als es aussieht.“
Lara nahm ebenfalls einen Schluck. „Eigentlich sehr gut. Nur die Minze ist etwas viel.“
Der Hai probierte zuletzt. „Nährstoffreich. Konsistenz akzeptabel. Farbe ungünstig.“
Das Känguru hielt sein Glas hoch.
„Ein Getränk gegen den Zwang zur Ästhetik.“
Waschbär war zufrieden. „Genau.“
6) Kroko macht es schlicht
Kroko hatte sich bisher zurückgehalten.
Dann nahm er eine Banane, etwas Joghurt, einen Pfirsich und einen kleinen Löffel Honig.
„Mehr nicht?“, fragte Waschbär.
„Mehr braucht es nicht.“
Der Hai nickte. „Klare Zusammensetzung.“
Kroko mixte nur kurz. Das Ergebnis war cremig, hell und gleichmäßig.
Alle probierten.
Stinkerle nickte. „Sehr gut.“
Uschi ebenfalls. „Schön mild.“
Odin nahm einen zweiten Schluck.
Das war eindeutig.
Waschbär sah in sein eigenes grauviolettes Glas und dann zu Krokos hellem Smoothie.
„Schlichtheit ist manchmal unfair erfolgreich.“
„Zu viele Sachen machen nicht automatisch besser“, sagte Kroko.
Das Känguru setzte sich an den Tisch. „Das ist eine erstaunlich konservative Getränkethese.“
„Ist trotzdem wahr.“
7) Smoothies für den ganzen Flanellweg
Am Nachmittag stand der Mixer fast durchgehend bereit.
Uschi machte eine grüne Mischung aus Gurke, Apfel, etwas Salat, Zitrone und Minze. Der Hai fügte etwas Wasser hinzu und erklärte das Ergebnis für „besonders geeignet nach Gartenarbeit“.
Lara bereitete noch einmal den Pfirsich-Aprikosen-Smoothie zu.
Stinkerle bevorzugte Banane und Beeren.
Der weiße Tiger nahm Krokos schlichte Variante mit ins Büro.
Odin blieb ebenfalls bei Banane, Pfirsich und Joghurt.
Das Känguru wollte seinen Smoothie „sozial ausgewogen“ und nahm von drei verschiedenen Mischungen jeweils einen Rest. Das Ergebnis war wieder eine undefinierbare Farbe.
„Geschmacklich komplex“, sagte es.
„Du hast Reste zusammengeschüttet“, sagte der Hai.
„So entstehen viele Koalitionen.“
Die Küchenkatzen zeigten wenig Interesse an den Gläsern. Minimaler Positionswechsel: näher zum Joghurt, aber nur, solange er noch nicht mit Obst vermischt war.
Draußen war es angenehm sommerlich. Einige Tiere saßen später mit ihren Gläsern am Pool, andere blieben auf der Terrasse. Der Mixer stand in der Küche und wirkte nicht mehr vergessen.
8) Ein leichter Anfang der Woche
Am Abend wurde die letzte Kanne ausgespült.
Diesmal reinigte Kroko den Mixer sofort vollständig.
„Sauber sauber?“, fragte Waschbär.
Kroko sah ihn an.
„Sauber sauber.“
Uschi stellte einige geschnittene Früchte für den nächsten Morgen in den Kühlschrank. Lara schrieb ihre Lieblingskombination auf einen kleinen Zettel. Der Hai hatte ohnehin bereits sämtliche Mischungen gespeichert.
„Wir könnten öfter Smoothies machen“, sagte Stinkerle.
„Aber nicht jeden Tag alles zusammen“, sagte Lara.
Waschbär sah unschuldig aus. „Ich habe gelernt.“
„Was?“, fragte der Hai.
„Dass Farbe nicht alles ist.“
„Sehr gut.“
„Manchmal muss man Getränke im Schatten beurteilen.“
Der Hai schloss kurz die Augen.
Mozart saß am offenen Fenster, sah zu den bunten Gläsern und sagte:
„Manchmal wartet eine gute Idee
nur hinten in einem Schrank.
Man muss sie abstauben,
ein paar Früchte hineingeben
und mutig genug sein,
den richtigen Knopf zu drücken.
Nicht jede Mischung sieht schön aus,
nicht jede braucht zehn Zutaten.
Aber wenn alle probieren, teilen
und ein wenig dazulernen,
kann selbst ein gewöhnlicher Montag
nach Sommer schmecken.“