06. Juli 2026 Sonnig Sommer 6 min

Der Hai als Bademeister und die Pommes vom Pool

Der Hai als Bademeister und die Pommes vom Pool

1) Ein Sommertag ohne Hitzewarnung

Der Montag begann freundlich.

Die Wetterstation des Hais zeigte warme, aber angenehme Werte. Kein Rekord. Keine Unwetterwarnung. Keine drückende Schwüle.

Der Hai prüfte das Display zweimal.

„Temperatur im guten Bereich“, sagte er.

Kroko sah von seiner Kaffeetasse auf. „Einfach Sommer.“

„Angenehmer Sommer“, präzisierte der Hai.

Draußen glitzerte der Pool. Das Wasser war klar, die Filteranlage lief ruhig, und selbst der Wind fühlte sich genau richtig an.

Waschbär stand schon in Badehose am Rand. „Heute ist Freibadtag.“

„Wir haben einen Pool“, sagte Stinkerle.

„Heute ist er ein Freibad.“

Lara brachte Handtücher. Uschi stellte Wasser und Obst unter das Sonnensegel. Odin setzte sich mit Sonnenbrille auf einen schattigen Platz.

Das Känguru lag in der Hängematte und sagte: „Ein privates Freibad ist begrifflich widersprüchlich.“

„Willst du rein?“, fragte Kroko.

„Ja.“


2) Freibadatmosphäre muss hergestellt werden

Zunächst war es ein ganz normaler Pooltag.

Stinkerle schwamm ein paar Bahnen. Lara ließ sich im Wasser treiben. Uschi saß am Rand und kühlte die Füße. Waschbär nutzte den Wassermelonenring und erklärte ihn zum „offiziellen Freizeitfahrzeug“.

Dann sagte Tigerlein: „Irgendwie fehlt noch etwas.“

Waschbär sah sich um. „Durchsagen?“

„Nein.“

„Zu viele fremde Leute?“

„Bitte nicht“, sagte Uschi.

Kroko stand an der Terrassentür und dachte nach.

„Eis.“

Alle sahen zu ihm.

„Im Freibad gibt es Eis.“

Das überzeugte sofort.

Kroko ging zum Gefrierschrank und holte eine bunte Auswahl Tiefkühleis heraus: Wassereis, kleine Hörnchen, Sandwich-Eis und ein paar Stieleis-Sorten, die offenbar schon seit dem letzten Sommer auf ihren Einsatz gewartet hatten.

Waschbär hielt ein buntes Wassereis hoch. „Jetzt ist es offiziell.“

Der Hai betrachtete die Verpackungen. „Bitte nicht im Pool essen.“

„Warum?“, fragte das Känguru.

„Verpackungen, Tropfen, mögliche Verschmutzung.“

„Der Bademeister ist erwacht“, murmelte Kroko.


3) Der Hai übernimmt die Aufsicht

Zehn Minuten später erschien der Hai mit einer Trillerpfeife.

Niemand wusste, woher sie kam.

„Warum hast du eine Pfeife?“, fragte Lara.

„Für eindeutige Signale.“

„Welche Signale?“

Der Hai hielt sein Tablet hoch. Darauf stand:

Flanellweg-Poolregeln

  1. Nicht rennen.
  2. Nicht mit Eis ins Wasser.
  3. Keine Poolfiguren in der Schwimmbahn.
  4. Pausen nach dem Essen.
  5. Handtücher nicht auf Laufwegen ablegen.

Das Känguru setzte sich in der Hängematte auf. „Das ist institutionelle Übernahme.“

„Das ist Sicherheit.“

„Du hast aus einem Montag ein Regelwerk gemacht.“

Der Hai pfiff einmal kurz.

Alle zuckten zusammen.

„Was war das?“, fragte Uschi.

„Aufmerksamkeitssignal.“

„Mach das bitte nicht ständig“, sagte Kroko.

Der Hai steckte die Pfeife ein. „Nur bei Bedarf.“

Waschbär hob vorsichtig die Pfote. „Darf ich mit dem Wassermelonenring in den Nicht-Schwimmbereich?“

Der Hai dachte nach. „Ja.“

„Ich fühle mich verwaltet.“


4) Tiefkühleis am Beckenrand

Unter dem Sonnensegel wurde das Eis verteilt.

Uschi nahm ein Fruchteis. Lara ein kleines Hörnchen. Odin wählte schlicht Vanille. Kroko griff zu einem Sandwich-Eis und sagte, das sei „solide“.

Das Känguru nahm zwei.

Der Hai sah hin.

„Eins jetzt, eins später“, sagte das Känguru.

„Dann bleibt das zweite im Gefrierschrank.“

„Misstrauen ist keine gute Grundlage für Gemeinschaft.“

„Geschmolzenes Eis auch nicht.“

Waschbär hatte ein blaues Wassereis, das seine Zunge innerhalb weniger Minuten ebenfalls blau färbte.

Tigerlein filmte kurz. „Das sieht sehr nach Freibad aus.“

„Ich sehe normal aus“, sagte Waschbär.

„Du siehst radioaktiv aus“, sagte Stinkerle.

Die Küchenkatzen lagen unter der Sonnenloge und betrachteten das Eis mit mäßigem Interesse. Minimaler Positionswechsel: näher an Vanille, weiter weg vom blauen Wassereis.

Der Hai achtete darauf, dass alle Verpackungen sofort in einen bereitgestellten Behälter kamen.

„Abfallmanagement funktioniert“, sagte er zufrieden.

„Bademeister Hai“, sagte Lara.

Der Hai schien den Titel nicht völlig abzulehnen.


5) Kroko macht Freibad-Pommes

Später am Nachmittag kam die nächste entscheidende Frage.

„Was gibt es im Freibad noch?“, fragte Waschbär.

Stinkerle antwortete sofort: „Pommes.“

Kroko stand auf.

„Ja.“

Er holte die Fritteuse hervor, stellte sie sicher auf und schnitt zusätzlich ein paar frische Kartoffeln, weil Tiefkühlpommes allein seiner Würde nicht ganz entsprachen.

„Es sollen Freibad-Pommes sein“, sagte Waschbär. „Nicht Gourmet.“

„Pommes sind Pommes“, brummte Kroko. „Aber gute Pommes.“

Bald zog der Duft über die Terrasse.

Der Hai kam dazu und sah auf die Uhr. „Nach dem Essen mindestens zwanzig Minuten Pause vor intensivem Schwimmen.“

Das Känguru hob eine Augenbraue. „Mythos.“

„Vorsichtsregel.“

„Bademeisterfolklore.“

Kroko reichte Papierschalen mit Pommes, Ketchup und etwas Mayo herum. Genau so, wie es sein sollte: heiß, salzig, knusprig und ein wenig zu viel.

Uschi nahm eine Pommes und lächelte. „Jetzt fühlt es sich wirklich wie Freibad an.“

Odin nickte. „Gute Pommes.“

Das war das höchste erreichbare Urteil.


6) Ruhezeit unter strenger Beobachtung

Nach dem Essen erklärte der Hai die offizielle Ruhezeit.

„Niemand springt sofort ins Wasser.“

Waschbär saß am Poolrand und ließ nur die Füße hinein.

„Das ist kein Schwimmen.“

„Akzeptiert“, sagte der Hai.

Das Känguru lag in der Hängematte und aß sein zweites Eis, das es irgendwie doch aus dem Gefrierschrank bekommen hatte.

„Woher hast du das?“, fragte der Hai.

„Vertrauensbasierte Logistik.“

Odin sah demonstrativ in eine andere Richtung.

Der Hai seufzte.

Nach einer Weile wurde die Pfeife erneut benutzt.

Ein kurzer Ton.

„Badefreigabe“, sagte der Hai.

Waschbär sprang sofort ins Wasser.

Stinkerle folgte kontrollierter. Lara glitt hinein. Kroko setzte sich mit den Füßen an den Rand. Uschi blieb unter dem Sonnensegel und genoss die angenehme Luft.

Das Känguru rief: „Der Staat hat das Baden wieder erlaubt!“

„Ich bin kein Staat“, sagte der Hai.

„Heute schon ein bisschen.“


7) Ein Abend wie nach dem Freibad

Gegen Abend wurde es ruhiger.

Die Handtücher hingen zum Trocknen. Die letzten Pommes waren verschwunden. Im Gefrierschrank lag nur noch wenig Eis. Der Pool glitzerte im milden Licht, und niemand hatte sich verletzt, obwohl der Hai das vermutlich auch seiner Aufsicht zuschrieb.

„Regeln wurden weitgehend eingehalten“, sagte er.

„Weitgehend?“, fragte Lara.

Der Hai sah zum Känguru.

Das Känguru hielt eine leere Eisverpackung hoch. „Beweis vernichtet.“

Kroko brummte belustigt.

Uschi setzte sich mit einem kühlen Getränk an den Poolrand. „Das war ein schöner Tag.“

„Fast wie Freibad“, sagte Waschbär.

„Nur ohne Gedränge“, sagte Stinkerle.

„Ohne fremde Handtücher auf unseren Plätzen“, ergänzte Lara.

„Und mit besseren Pommes“, sagte Kroko.

Der Hai setzte sich schließlich ebenfalls. Die Trillerpfeife lag neben ihm auf dem Tisch.

Mozart sah sie an und lächelte.

„Manchmal braucht ein Sommertag
nicht mehr als Wasser,
ein buntes Eis,
Pommes in einer Papierschale
und jemanden,
der Regeln ernster nimmt als alle anderen.
Dann wird aus einem Gartenpool
für ein paar Stunden ein Freibad –
nur freundlicher,
ruhiger
und mit einem Bademeister,
der am Ende selbst vergisst,
weiter aufzupassen.“