Stille Momente unter Freundinnen
„Du hast die gute Teekanne genommen“, bemerkte Lara lächelnd, als Uschi ihr die feine Porzellan-Kanne mit dem goldenen Rand hinstellte.
„Na klar“, sagte Uschi. „Heute ist Mittwoch. Und Mittwoche sind zum Genießen da.“
Lara lächelte. Ihre Stimme war noch leiser als sonst, fast wie ein Hauch im Raum.
„Weißt du, manchmal… fühlt es sich an, als würden alle reden, aber keiner zuhören.“
Uschi reichte ihr eine kleine, warme Tasse.
„Dann ist das hier dein richtiger Ort.“
Gedanken aus dem Radio
Während die beiden Tee tranken, lief im Hintergrund eine Radioreportage über Gartenfeste in Südfrankreich. Die Stimmen klangen wie durch einen Sommerfilter.
„Ich hab sowas früher öfter gemacht“, sagte Lara. „Live-Reportagen. Ich vermisse es manchmal. Dieses Gefühl, Teil einer Welt zu sein, die gerade entsteht.“
Uschi sah sie sanft an.
„Du bist Teil unserer Welt. Und die ist wunderbar – weil du da bist.“
Lara wurde ein bisschen rot.
„Das hast du schön gesagt.“
Ein Ausflug in die Erinnerung
Später holte Uschi ein altes Fotoalbum hervor. Nicht das große, schwere mit den Familienbildern – sondern das kleine, mit Stickern drauf, das nur sie und Mozart kannten.
„Willst du was sehen, was mich früher glücklich gemacht hat?“, fragte sie.
Lara nickte.
Darin waren Fotos von kleinen Blumenarrangements, selbst gemachten Flip-Flops, Urlaubsschnappschüsse mit Croissants und Seidenkleidern, und einem Bild von Uschi, wie sie mitten in einem Lavendelfeld stand – allein, aber strahlend.
„Du warst… so frei“, flüsterte Lara.
„Ich bin es immer noch. Nur… heute eben in rosa Hausschuhen.“
Ein Lied, das bleibt
„Darf ich dir was vorspielen?“, fragte Lara später und legte eine alte Kassette ein.
Ein Chanson, französisch, mit warmer Stimme, lief durch den Raum. Die Melodie war leicht, aber bittersüß. Beide saßen einfach da und hörten. Keine Worte. Nur Musik.
Als das Lied zu Ende war, blieb es einen Moment ganz still. Dann sagte Uschi:
„Das klingt wie ein Sonntag, den man nie vergisst.“
„Oder wie ein Mittwoch“, ergänzte Lara.
Der Duft von Apfelkuchen
Zum Abschluss des Tages buk Uschi einen kleinen Apfelkuchen – nur für sie zwei.
„Er ist nicht perfekt“, sagte sie.
„Aber von Herzen.“
Lara schnupperte.
„Er duftet wie Zuhause. Und das ist doch Perfektion, oder?“
Sie aßen, plauderten noch leise, während draußen die Vögel sangen und das Radio irgendwann nur noch Hintergrundrauschen war. Kein anderer war da – kein Hai mit Listen, kein Waschbär mit Farbe. Nur zwei Freundinnen. Ein Mittwoch, still und voller Seele.
Am Ende sagte Lara:
„Manchmal… ist ein Nachmittag mit dir mehr wert als ein ganzer Tag auf Sendung.“
Und Uschi? Die lächelte einfach. Und legte ein Lavendelblättchen auf den Tisch.