1) Frau Nüsslein steht vor der Tür
Am Mittwochvormittag klingelte es.
Waschbär öffnete.
Vor ihm stand Frau Nüsslein.
Mit einem großen Korb.
Und unter dem anderen Arm:
dem großen hölzernen Nussknacker vom Hofflohmarkt.
Waschbär strahlte.
„Der Nussknacker!“
Frau Nüsslein lächelte.
„Der arbeitet jetzt.“
Uschi kam dazu.
„Was hast du denn alles dabei?“
Frau Nüsslein stellte den Korb ab.
Darin lagen Walnüsse.
Viele Walnüsse.
Dazu eine ordentliche Menge Haselnüsse.
„Dieses Jahr gibt es reichlich.“
Waschbär nahm sofort eine Walnuss.
„Darf ich?“
„Natürlich.“
Dann sah er auf den Nussknacker.
„Mit dem?“
Frau Nüsslein grinste.
„Dafür habe ich ihn ja gekauft.“
2) Das erste Knacken
Der Nussknacker wurde auf den Küchentisch gestellt.
Er war groß, massiv und ein bisschen übertrieben.
Perfekt für Waschbär.
Frau Nüsslein legte die erste Walnuss hinein.
Drückte.
Knack.
Die Schale sprang sauber auf.
Waschbär riss die Augen auf.
„Oh.“
Noch eine.
Knack.
Dann eine Haselnuss.
Etwas vorsichtiger.
Knack.
Der Kern blieb ganz.
Der Hai kam herein.
„Sehr effizient.“
Frau Nüsslein nickte.
„Fünf Euro gut investiert.“
Waschbär sagte:
„Der kann bestimmt noch mehr.“
Der Hai sah ihn sofort an.
„Nein.“
3) Waschbär testet Grenzen
Waschbär hielt eine Kastanie hoch.
„Kastanie?“
„Nein“, sagte Uschi.
„Ist aber fast wie eine Nuss.“
Der Hai schüttelte den Kopf.
„Botanisch komplizierter, praktisch ungeeignet.“
Waschbär legte sie weg.
Dann kam ein kleiner Holzknopf.
„Und das?“
Stinkerle sah ihn an.
„Warum willst du einen Knopf knacken?“
„Nur wissen, ob es geht.“
„Nein.“
Dann nahm Waschbär einen alten Flaschendeckel.
„Nein“, sagte inzwischen die ganze Küche.
Waschbär seufzte.
„Sehr eingeschränktes Gerät.“
Frau Nüsslein lachte.
„Es reicht, wenn er Nüsse kann.“
4) Der Hai fordert Regeln
Der Hai stellte tatsächlich eine kleine Liste auf den Tisch.
Zulässige Knackobjekte:
- Walnüsse
- Haselnüsse
- eventuell Mandeln in Schale
Nicht zulässig:
- Kastanien
- Knöpfe
- Flaschendeckel
- Schrauben
- Deko
- „Experimentelles“
Waschbär zeigte auf das letzte Wort.
„Das ist gegen mich.“
„Das ist wegen dir.“
Stinkerle nickte.
„Völlig berechtigt.“
Frau Nüsslein sah die Liste an.
„Ihr nehmt das hier sehr ernst.“
Uschi lächelte.
„Der Hai nimmt alles ernst, sobald man es beschriften kann.“
Der Hai widersprach nicht.
5) Kroko entscheidet: Kuchen
Kroko stand inzwischen vor dem Korb.
Er nahm eine Walnuss.
Dann eine Haselnuss.
Probierte beide.
„Gut.“
Frau Nüsslein fragte:
„Was machst du daraus?“
Kroko dachte kurz nach.
„Kuchen.“
Waschbär jubelte.
„Welcher?“
„Nuss.“
„Das ist wenig spezifisch.“
Der Hai sah überrascht zu Waschbär.
„Ausnahmsweise stimme ich zu.“
Kroko brummte.
Dann wurde er genauer.
Ein saftiger Nusskuchen.
Mit gerösteten Walnüssen und Haselnüssen.
Etwas Honig.
Butter.
Ein wenig Zimt.
Und oben eine dünne Glasur.
Frau Nüsslein nickte zufrieden.
„Dann bleibe ich noch.“
6) Nüsse rösten
Stinkerle half beim Knacken.
Waschbär durfte ebenfalls.
Unter Aufsicht.
Der große Nussknacker arbeitete zuverlässig.
Knack.
Knack.
Knack.
Die Kerne kamen auf ein Blech.
Kroko röstete sie leicht.
Der Duft veränderte sofort die Küche.
Warm.
Nussig.
Fast schon weihnachtlich, obwohl es dafür noch viel zu früh war.
Lara kam dazu.
„Das riecht nach Herbst.“
Uschi nickte.
„Sehr.“
Waschbär nahm einen gerösteten Haselnusskern.
„Heiß.“
Stinkerle sah ihn an.
„Natürlich.“
„Jetzt weiß ich es.“
7) Frau Nüsslein erzählt vom Garten
Während Kroko den Teig vorbereitete, setzte sich Frau Nüsslein mit Uschi und Lara an den Tisch.
Sie erzählte, dass die Nussbäume dieses Jahr trotz des trockenen Sommers erstaunlich gut getragen hatten.
„Die alten kommen besser klar als manches andere.“
Uschi nickte.
„Unsere Stauden haben zwischendurch wirklich gelitten.“
„Ja.“
Frau Nüsslein erzählte auch, dass sie am Morgen schon zweimal den großen Nussknacker benutzt hatte.
„Der steht jetzt direkt in der Küche.“
Waschbär hörte das.
„Als festes Gerät?“
„Genau.“
Der Hai wirkte zufrieden.
Sein Flohmarkt hatte nachhaltigen Nutzen geschaffen.
8) Der Kuchen kommt in den Ofen
Kroko arbeitete ruhig.
Butter und Zucker.
Eier.
Gemahlene Nüsse.
Ein wenig Mehl.
Geröstete Stücke für Textur.
Honig.
Zimt.
Ein Hauch Vanille.
Der Teig kam in eine Form.
Oben noch ein paar grob gehackte Walnüsse.
Dann in den Ofen.
Waschbär setzte sich davor.
„Ich beobachte.“
Kroko sah ihn an.
„Warum?“
„Qualitätssicherung.“
Der Hai sagte:
„Das ist eigentlich meine Aufgabe.“
Waschbär grinste.
„Geteilt.“
9) Ein weiterer Knackversuch
Während der Kuchen backte, fand Waschbär eine besonders harte kleine Nuss.
„Die schafft er.“
Frau Nüsslein setzte sie ein.
Knack.
„Siehst du.“
Waschbär war begeistert.
Dann nahm er einen kleinen Kieselstein aus seiner Hosentasche.
„Und—“
Stinkerle nahm ihn ihm aus der Pfote.
„Nein.“
„Nur einmal.“
„Nein.“
„Wissenschaft.“
„Nein.“
Der Hai zeigte wortlos auf seine Liste.
Waschbär sah sie an.
„Das Schild ist gegen Fortschritt.“
Das Känguru, das gerade hereinkam, nickte.
„Regulierung hemmt Innovation.“
Der Hai sagte:
„Nicht bei Kieselsteinen im Nussknacker.“
10) Der erste Anschnitt
Am Nachmittag kam der Kuchen aus dem Ofen.
Goldbraun.
Saftig.
Oben knusprige Nussstücke.
Kroko gab später noch eine dünne Honigglasur darüber.
Dann wurde angeschnitten.
Frau Nüsslein bekam das erste Stück.
Sie probierte.
Schwieg kurz.
„Sehr gut.“
Kroko nickte zufrieden.
Uschi mochte die Walnüsse.
Lara besonders die gerösteten Haselnüsse.
Der weiße Tiger kam aus dem Büro.
Probierte.
„Sehr überzeugend.“
Waschbär nahm ein großes Stück.
„Der Nussknacker hat mitgekocht.“
Frau Nüsslein lachte.
„Kann man so sagen.“
11) Ein Korb geht, Kuchen bleibt
Als Frau Nüsslein am späten Nachmittag wieder ging, war der Korb deutlich leerer.
Ein Teil der Nüsse blieb am Flanellweg.
„Für euch.“
Uschi bedankte sich.
Frau Nüsslein nahm den großen Nussknacker wieder unter den Arm.
Waschbär sah ihm fast ein bisschen sehnsüchtig nach.
„Wir brauchen auch so einen.“
Der Hai sagte:
„Nein.“
„Aber praktisch.“
„Wir haben bisher auch Nüsse geöffnet.“
„Nicht so schön.“
Das war schwer zu widerlegen.
12) Ein sehr nussiger Abend
Am Abend stand der restliche Kuchen auf dem Tisch.
Daneben eine Schale mit geknackten Nüssen.
Kroko hatte schon Ideen für den Rest.
Salat mit Walnüssen.
Vielleicht Brot.
Vielleicht etwas Süßes.
Waschbär hatte inzwischen aus zwei Nussschalen kleine Boote gebaut.
Der Hai hatte seine Liste mit den zulässigen Knackobjekten weggeräumt.
Vorsichtshalber nicht zu weit.
Mozart schrieb:
„Manchmal bringt ein Flohmarkt Dinge weiter,
als man erwartet.Ein großer Nussknacker zieht zwei Häuser weiter,
kommt Wochen später mit einem Korb voller Nüsse zurück
und hilft plötzlich dabei,
einen ganzen Nachmittag nach Herbst duften zu lassen.Dann werden Walnüsse geknackt,
Haselnüsse geröstet,
Kuchen gebacken
und ein Waschbär daran gehindert,
Steine als Küchenexperiment zu verwenden.Vielleicht ist das der schönste Kreislauf alter Dinge:
Sie verschwinden nicht.
Sie kehren irgendwann zurück –
mit neuen Geschichten
und etwas Kuchen.“