14. Juni 2026 Sonnig Frühling 8 min

Der Mädelstag, der zum Pooltag wurde

Der Mädelstag, der zum Pooltag wurde

1) Ein stiller Anfang am Pool

Der Sonntag begann warm, hell und weich. Genau so, dass Uschi schon beim Frühstück sagte: „Heute möchte ich an den Pool.“

Lara sah sie an und lächelte. „Ruhig?“

„Sehr ruhig.“

Also machten sie es sich schön. Zwei Handtücher, ein kleiner Tisch, kühle Getränke, Sonnencreme, ein leichter Schattenplatz unter dem inzwischen verbesserten Sonnenschirm – und die Box mit den restlichen französischen Leckereien von gestern.

Nicht mehr alles war da, natürlich. Waschbär hatte gestern sehr überzeugend argumentiert, warum ein halbes Zitronentörtchen „nicht einsam bleiben sollte“. Aber es gab noch Croissantstücke, ein kleines Tartelette, ein paar feine Patisserie-Reste und genug süße Krümel, um den Vormittag besonders wirken zu lassen.

Lara stellte zwei Teller hin. „Mädelstag.“

Uschi ließ die Füße ins Wasser gleiten und seufzte zufrieden. „Oh, das ist herrlich.“

Der Pool war kühl, aber nicht kalt. Genau richtig nach den warmen Tagen. Uschi bewegte die Füße langsam im Wasser, sah in den Garten und wirkte für einen Moment vollkommen angekommen.

„So darf das bleiben“, sagte sie.

Lara lehnte sich zurück. „Mindestens bis heute Nachmittag.“

Das war optimistisch.


2) Frankreich am Pool

Sie teilten sich ein Stückchen Patisserie, tranken Kaffee mit viel Milch und sprachen leise über Frau Biber, Paris, die Floristin Füchsin im Urlaub und darüber, wie schön es manchmal ist, wenn ein Tag kein Ziel hat.

Uschi hatte die Haare etwas hochgesteckt, damit sie später besser ins Wasser konnte. Lara saß mit Sonnenbrille im Schatten und sah aus, als hätte sie beschlossen, dass der Flanellweg heute ein kleines französisches Landhaus sein durfte.

„Eigentlich fehlt nur Musik“, sagte Lara.

„Aber leise“, sagte Uschi.

Lara stellte etwas Sanftes an. Keine große Chanson-Show, eher ein leichter, warmer Klang, der sich gut mit Wasser, Blättern und dem Summen des Gartens mischte.

Die Küchenkatzen lagen auf ihrer Sonnenloge und schauten zu ihnen herüber. Minimaler Positionswechsel: ein leichtes Drehen in Richtung Patisserie. Sie hatten offensichtlich verstanden, dass auf dem kleinen Tisch Dinge lagen, die von Bedeutung waren.

Uschi nahm noch einen Schluck und sagte: „Das ist genau der Sonntag, den ich gebraucht habe.“

Aus dem Haus hörte man in diesem Moment ein metallisches Klappern.

Lara schloss kurz die Augen. „Sag das nicht zu laut.“


3) Der erste Störfaktor hat Pfoten

Waschbär tauchte auf.

Nicht laut. Aber sichtbar interessiert.

„Oh“, sagte er. „Ihr habt einen Pooltag.“

„Einen ruhigen Pooltag“, sagte Lara.

„Ich kann ruhig sein“, sagte Waschbär.

Uschi sah ihn freundlich, aber prüfend an. „Kannst du?“

Waschbär setzte sich sehr vorsichtig auf den Rand eines Liegestuhls, verschränkte die Pfoten und sagte nichts.

Drei Sekunden lang.

Dann zeigte er auf das Wasser. „Darf man da rein?“

„Später vielleicht“, sagte Uschi.

„Was heißt später?“

„Nicht sofort.“

Waschbär nickte. „Ich verstehe. Das Wasser muss emotional vorbereitet werden.“

Lara lachte. „Genau.“

Dann kam Stinkerle mit einer kleinen Kiste aus dem Schuppen vorbei. Er wollte eigentlich nur etwas wegräumen, blieb aber stehen, als er Waschbär am Pool sah.

„Du bist nicht im Wasser?“

„Noch nicht.“

„Warum?“

„Emotionale Vorbereitung.“

Stinkerle sah zu Uschi.

Uschi seufzte leise, aber lächelte. „Es war sehr schön ruhig.“

„War?“, fragte Lara.

„War“, sagte Uschi.


4) Der Hai entdeckt Abweichungen

Als Nächstes kam der Hai.

Er wollte nur „kurz“ die Wasserwerte prüfen. Kurz bedeutete beim Hai: Messset, Teststreifen, Tablet, Vergleichswerte und ein Gesicht, das im Zweifel bereits eine kleine Konferenz einberufen könnte.

Er kniete sich an den Poolrand, nahm eine Probe und wartete.

Dann runzelte er die Stirn.

„Hm.“

Uschi sah ihn an. „Hai.“

„Der pH-Wert ist leicht außerhalb des idealen Bereichs.“

„Leicht?“, fragte Lara.

„Leicht, aber messbar.“

Waschbär rückte näher. „Ist das gefährlich?“

„Nein“, sagte der Hai. „Aber nicht normgerecht.“

Das Känguru, das inzwischen aus Richtung Hängematte dazukam, rief: „Das Wasser widersetzt sich der Norm! Endlich!“

„Wasser hat keine politische Haltung“, sagte der Hai.

„Dann erklär mir den pH-Wert.“

„Chemie.“

„Aha. Die älteste Ausrede der Ordnung.“

Stinkerle beugte sich über den Teststreifen. „Sieht aber nicht schlimm aus.“

„Es ist nicht schlimm“, sagte der Hai. „Es ist nur nicht optimal.“

Uschi legte eine Pfote an die Stirn. „Ich wollte nur meine Füße ins Wasser halten.“

„Das kannst du weiterhin“, sagte der Hai. „Nach leichter Korrektur.“

„Natürlich“, murmelte Lara. „Mädelstag mit leichter Korrektur.“


5) Tigerlein hält alles fest

Tigerlein erschien mit Kamera und Mikrofon genau in dem Moment, als Waschbär versuchte, mit einem Fuß das Wasser „vorsichtig kennenzulernen“.

„Das ist gut“, sagte Tigerlein.

„Was ist gut?“, fragte Uschi.

„Die Stimmung. Erst ruhiger Pooltag, dann soziale Eskalation.“

„Bitte nenne es nicht Eskalation“, sagte der Hai.

„Dynamik?“

„Besser.“

Tigerlein nahm das Plätschern auf, Hais Messkommentare, Waschbärs vorsichtige Wasserkontaktaufnahme und das Känguru, das im Hintergrund erklärte, Poolwasser sei „ein temporäres Gemeingut unter blauem Himmel“.

Dann kam Kroko aus der Küche.

Und das war ungewöhnlich.

Kroko hatte am Morgen einen Schmortopf angesetzt. Etwas Tiefes, Langsames, Würziges, das mehrere Stunden vor sich hin schmoren musste. Normalerweise blieb Kroko dann in Küchennähe. Heute jedoch kam er entspannt zur Terrasse, wischte sich die Pfoten ab und sagte:

„Der Topf braucht mich gerade nicht.“

Alle sahen ihn an.

„Kroko hat frei“, sagte Waschbär ehrfürchtig.

„Kurz“, sagte Kroko.

„Willst du auch an den Pool?“, fragte Lara.

Kroko betrachtete das Wasser. „Vielleicht.“

Der Hai hob sofort die Teststreifen. „Vorher korrigiere ich—“

„Hai“, sagte Kroko. „Wenn ich reingehe, überlebt das Wasser.“

Der Hai sah schmerzhaft unentschlossen aus.


6) Die Ruhe gibt auf

Es begann mit Waschbär.

Natürlich.

Er setzte sich an den Poolrand, bewegte die Füße im Wasser, machte ein sehr übertriebenes „Oh!“, dann spritzte er versehentlich Stinkerle an. Stinkerle spritzte zurück. Waschbär lachte. Tigerlein hielt drauf. Lara versuchte, ihr Tartelette zu retten. Uschi hob ihre Tasse rechtzeitig hoch.

„Das war nicht geplant“, sagte Waschbär.

„Nichts bei dir ist geplant“, sagte Stinkerle.

„Das ist mein Beitrag zur Lebendigkeit.“

Dann setzte sich Stinkerle ebenfalls an den Rand. Kroko zog nach einigem Zögern die Füße ins Wasser und brummte, weil es offenbar doch angenehm war. Das Känguru blieb zunächst am Rand stehen und erklärte, es werde „nicht dem Gruppendruck eines Wasserbeckens nachgeben“. Fünf Minuten später saß es mit den Füßen im Pool und sah sehr zufrieden aus.

Der Hai korrigierte die Wasserwerte, wartete, prüfte erneut und sagte schließlich: „Akzeptabel.“

„Dürfen wir jetzt offiziell Spaß haben?“, fragte Waschbär.

Der Hai dachte kurz nach. „Ja.“

„Historischer Moment!“, rief das Känguru.

Uschi sah Lara an. Beide mussten lachen.

„Unser ruhiger Mädelstag ist verloren“, sagte Lara.

Uschi lehnte sich zurück, ließ die Füße tiefer ins Wasser gleiten und sah in die Runde: Waschbär und Stinkerle am Planschen, Kroko ausnahmsweise nicht in der Küche, der Hai mit Messset, Tigerlein filmend, das Känguru halb philosophisch, halb nass, Odin im Schatten mit Kaffee, Mozart unter dem Apfelbaum.

„Vielleicht nicht verloren“, sagte Uschi. „Nur erweitert.“


7) Am Ende doch ein schöner Pooltag

Am Nachmittag wurde aus dem geplanten ruhigen Mädelstag ein richtiger Flanellweg-Pooltag. Nicht chaotisch-chaotisch, aber lebendig. Die französischen Leckereien wurden gerecht verteilt, auch wenn Waschbär der Meinung war, dass „gerecht“ bei Patisserie sehr flexibel interpretiert werden müsse.

Die Küchenkatzen beobachteten alles von ihrer Sonnenloge aus. Minimaler Positionswechsel: weiter weg von Spritzwasser, näher an Kuchenkrümel. Sehr kluge Entscheidung.

Der Schmortopf in der Küche schmorte weiter vor sich hin und füllte langsam das Haus mit Duft. Kroko ging ab und zu hinein, rührte einmal, nickte und kam wieder zurück, als wäre er heute tatsächlich halb frei.

Uschi und Lara blieben am Pool. Nicht mehr allein, nicht mehr still, aber zufrieden. Lara sagte irgendwann: „Eigentlich ist es auch schön, wenn alle dazukommen.“

Uschi nickte. „Ja. Solange mir niemand mein letztes Croissantstück klaut.“

Waschbär hielt mitten in der Bewegung inne.

„Waschbär.“

„Ich wollte nur prüfen, ob es noch knusprig ist.“

„Nein.“

„Verstanden.“

Gegen Abend wurde es ruhiger. Die Tiere trockneten ab, der Hai stellte zufrieden fest, dass die Werte wieder im Bereich waren, Tigerlein hatte genug Material für eine Folge, und Kroko verschwand schließlich wieder in die Küche, weil der Schmortopf nun doch wieder seine Aufmerksamkeit verlangte.

Mozart sah vom Apfelbaum zum Pool und sagte:

„Manchmal plant man Ruhe
und bekommt Leben.
Erst zwei Tassen Kaffee,
ein Stück Patisserie
und kühles Wasser an den Füßen –
dann kommen die anderen,
mit Messstreifen, Kamera, Spritzwasser
und Hunger.
Doch wenn am Ende alle lachen
und niemand wirklich gehen will,
war die Ruhe nicht zerstört.
Sie hat nur Gesellschaft bekommen.“