1) Ein ruhiger Gartenmorgen
Der Sonntag begann freundlich.
Es war warm, aber nicht drückend heiß. Über dem Garten lag weiches Licht, und die neue Beregnungsanlage hatte am frühen Morgen bereits eine kurze Runde gedreht.
Uschi ging mit einem kleinen Korb, Handschuhen und Gartenschere hinaus.
Bei den Tomaten prüfte sie die Früchte. Einige waren inzwischen deutlich größer geworden. Noch grün, aber kräftig und gesund.
„Bald“, sagte sie leise.
Dann band sie einen neuen Trieb an, entfernte ein paar trockene Blätter und lockerte vorsichtig die Erde.
Im Kräutergarten schnitt sie Basilikum, Petersilie und etwas Schnittlauch. Die Minze musste erneut daran erinnert werden, dass sie nicht den gesamten Garten übernehmen durfte.
Lara kam mit zwei Gläsern Wasser dazu.
„Alles gut?“
„Sehr. Die Tomaten brauchen noch etwas Zeit.“
Das Känguru lag in der Hängematte.
„Reife ist die Weigerung, sich vom Kalender drängen zu lassen.“
Uschi nickte.
„Oder die Tomaten sind einfach noch grün.“
2) Ein ungewohnt lautes Mähschaf
Plötzlich kam vom anderen Ende des Gartens ein seltsames Geräusch.
Nicht das ruhige Summen des Mähschafs.
Auch nicht sein gewohntes:
„Alles gut.“
Diesmal klang es eher wie:
„Nicht gut! Nicht gut!“
Uschi stellte den Korb ab und ging sofort hinüber.
Das Mähschaf stand schräg auf dem Rasen. Eines seiner Räder hatte sich an einem Versenkregner verkeilt. Der Regner war zwar fast bündig im Boden, doch das Mähschaf war ungünstig darübergefahren und saß nun fest.
„Oh, du armes Ding.“
„Nicht gut“, brummte es.
„Ich sehe es.“
Uschi schaltete es vorsichtig aus, hob es ein kleines Stück an und schob es vom Regner herunter.
Das Mähschaf stand wieder gerade.
Es sagte zunächst nichts.
Dann:
„Fast gut.“
Uschi strich ihm beruhigend über das Gehäuse.
„Du bist nicht kaputt.“
Das Mähschaf bewegte sich probeweise einen halben Meter.
„Funktioniert.“
„Sehr gut.“
Aber es blieb auffällig dicht bei Uschi stehen.
3) Stinkerle prüft den Draht
Stinkerle kam mit Werkzeug, Messgerät und einigen kleinen Haken dazu.
„Wo ist es passiert?“
Uschi zeigte auf die Stelle.
Der Begrenzungsdraht führte dort etwas zu nah am Regner vorbei. Dadurch war das Mähschaf genau über die ungünstigste Kante gelenkt worden.
„Der Verlauf muss weiter nach außen“, sagte Stinkerle.
Der Hai erschien mit seinem Plan.
„Im Plan beträgt der Abstand siebzehn Zentimeter.“
Stinkerle maß nach.
„Hier sind es elf.“
Der Hai wurde sofort unruhig.
„Dann wurde der Draht beim Zuschütten verschoben.“
„Korrigiere ich.“
Das Känguru rief aus der Hängematte:
„Das Mähschaf wurde Opfer einer Abweichung zwischen Planung und Realität!“
„Sechs Zentimeter“, sagte der Hai.
„Für das Mähschaf waren sie entscheidend.“
Das stimmte leider.
Stinkerle löste den Draht, setzte neue Haken und führte ihn in einem sanfteren Bogen um den Regner herum. Danach testete er die Stelle von mehreren Seiten.
„Jetzt kommt es nicht mehr dran.“
Das Mähschaf sah aus einiger Entfernung zu.
„Sicher?“
„Sicher.“
„Vielleicht.“
4) Lieber bei Raseline
Obwohl die Strecke nun frei war, wirkte das Mähschaf misstrauisch.
Es fuhr zwei Meter in Richtung des Regners.
Dann blieb es stehen.
Drehte um.
Und bewegte sich stattdessen zur Grundstücksgrenze, wo Raseline auf der Nachbarwiese ihre Bahnen zog.
„Du kannst wieder überall fahren“, sagte Uschi.
Das Mähschaf brummte nur:
„Hier gut.“
Raseline näherte sich auf ihrer Seite des Rasens.
„Alles gut?“
„Beregner.“
Raseline blieb kurz stehen.
„Unangenehm.“
„Ja.“
Von da an fuhr das Mähschaf seine Bahnen bevorzugt am Rand entlang, möglichst in Sichtweite von Raseline.
Waschbär kam hinzu und beobachtete beide.
„Es braucht heute Gesellschaft.“
Uschi nickte.
„Und ein bisschen Vertrauen.“
Der Hai wollte erklären, dass der Draht nun technisch korrekt lag, aber Lara legte ihm sanft eine Pfote auf den Arm.
„Lass es einfach eine Weile dort fahren.“
Der Hai sah zum Mähschaf.
Dann zum Plan.
„Gut.“
5) Ruhe auf dem Wasser
Am Nachmittag wurde es wärmer.
Uschi und Lara hatten ihre Gartenarbeit beendet, die Kräuter hereingebracht und die Werkzeuge weggeräumt.
„Jetzt Pool“, sagte Lara.
Uschi lächelte.
„Unbedingt.“
Beide duschten sich kurz unter der Gartendusche ab und gingen langsam ins Wasser.
Lara nahm einen großen Schwimmring. Uschi legte sich auf eine flache Luftmatratze.
Bald trieben sie nebeneinander über den Pool.
Die Sonne war mild, das Wasser angenehm, und durch die leichte Brise bewegten sie sich ganz langsam von einer Seite zur anderen.
„Heute nichts mehr machen“, sagte Uschi.
„Nur treiben.“
„Genau.“
Waschbär und Stinkerle saßen am Rand. Sie waren ausnahmsweise still.
Das Känguru lag weiterhin in der Hängematte und sagte:
„Treiben ist die ehrlichste Form der Fortbewegung.“
Niemand widersprach.
6) Ein leichter Abend
Am Abend stellte Kroko einen großen, leichten Tisch zusammen.
Es gab:
frische Tomaten,
Gurken,
Paprika,
Radieschen,
Kräuterquark,
Brot,
Pfirsiche,
Beeren,
Trauben
und gekühlte Wassermelone.
Uschi schnitt die Kräuter aus dem Garten darüber. Lara bereitete ein leichtes Dressing mit Zitrone und etwas Honig zu.
„Heute kein großer Topf“, sagte Kroko.
„Sehr angenehm“, sagte der weiße Tiger.
Odin nahm viel Gurke und Brot.
Das Känguru betrachtete die Schüsseln.
„Eine Mahlzeit ohne Rauch, Fritteuse oder Schmorzeit.“
„Nennt man Gemüse“, sagte Kroko.
Die Küchenkatzen lagen unter dem Tisch.
Minimaler Positionswechsel: vorsichtige Annäherung an Kräuterquark, danach strategischer Rückzug zur Brotseite.
7) Alles wieder gut
Später fuhr das Mähschaf langsam in Richtung Terrassenhafen.
Es hatte den problematischen Bereich den ganzen Tag gemieden, war aber ansonsten ruhig geblieben.
Raseline stand auf der Nachbarwiese.
„Morgen wieder?“, fragte sie.
„Vielleicht.“
Uschi ging noch einmal zu ihm.
„Stinkerle hat alles korrigiert.“
Das Mähschaf sah in Richtung des Regners.
„Morgen testen.“
„Das ist vernünftig.“
Es fuhr in den Terrassenhafen.
„Jetzt alles gut.“
Uschi lächelte.
Am Pool lag der Abend still. Die letzten Obststücke wurden geteilt, und über dem Garten wurde das Licht weich.
Mozart sah zum Mähschaf, zum Regner und zu den beiden Frauen, die noch immer mit den Füßen im Wasser saßen.
„Auch kleine Dinge können erschrecken,
wenn man an ihnen hängen bleibt.
Dann hilft es nicht immer,
sofort wieder denselben Weg zu nehmen.
Manchmal braucht es erst eine ruhige Pfote,
einen korrigierten Draht
und jemanden in der Nähe,
der die Erfahrung versteht.
Vertrauen kehrt selten auf Knopfdruck zurück.
Aber es kommt wieder –
Bahn für Bahn,
vielleicht schon morgen.“