1) Odin plant einen kühlen Transport
Der Samstag begann mit einem ungewöhnlich systematischen Geräusch aus Odins Einliegerwohnung: dem Öffnen und Schließen mehrerer Schubladen.
Kurz darauf erschien Odin auf der Terrasse. In einer Pfote trug er eine große Kühltasche, in der anderen zwei Kühlakkus.
Der Hai sah sofort hin.
„Wohin gehst du?“
„Zu Björn.“
„Mit Kühltasche?“
„Ja.“
„Für Brot braucht man keine aktive Kühlung.“
Odin legte die Akkus in die Tasche. „Nicht nur Brot.“
Mehr erklärte er nicht.
Waschbär kam näher und betrachtete die Tasche. „Das sieht aus wie eine geheime Sommermission.“
„Einkaufen“, sagte Odin.
„Mit thermischer Infrastruktur“, ergänzte der Hai anerkennend.
Uschi lächelte. „Bringst du etwas Schönes mit?“
Odin schloss den Reißverschluss. „Ja.“
Dann setzte er seine Sonnenbrille auf und ging.
Das Känguru sah ihm aus der Hängematte nach. „Ein Tiger mit Kühltasche und dunkler Brille. Das ist entweder Urlaub oder organisierte Beschaffung.“
„Bei Odin ist das dasselbe“, sagte Kroko.
2) Die Sommertorte bei Björn
Bei Björn dem Bäcker-Biber war an diesem Morgen viel los. In der Auslage lagen Brot, Brötchen, Croissants, italienische Kleingebäcke und mehrere sommerliche Kuchen mit Früchten.
Björn sah Odin durch die Tür kommen und lachte.
„Da ist er ja. Und heute sogar vorbereitet.“
Odin stellte die Kühltasche ab. „Für die Torte.“
Frau Biber kam aus der Backstube und trug eine runde Torte auf einer Platte. Sie war hell, leicht und mit Beeren, Pfirsichspalten und kleinen Tupfen Creme dekoriert. Dazwischen glänzte ein dünner Fruchtspiegel, und am Rand lagen ein paar Blätter Minze.
„Unsere Sommertorte“, sagte sie. „Leichter Biskuit, Joghurtcreme, Beeren und Pfirsich. Nicht zu schwer bei der Hitze.“
Odin sah sie an und nickte. „Sehr gut.“
„Für das ganze Wochenende?“, fragte Björn.
„Wenn sie so lange hält.“
Björn lachte. „Im Flanellweg? Keine Chance.“
Die Torte wurde vorsichtig in einen stabilen Karton gesetzt. Odin legte einen Kühlakku unten in die Tasche, stellte den Karton darauf und schob den zweiten seitlich daneben.
Björn sah anerkennend zu. „Du meinst es ernst.“
„Torte muss sicher ankommen.“
„Das ist der vernünftigste Satz, den heute jemand gesagt hat“, meinte Frau Biber.
Odin blieb natürlich noch ein wenig und hörte sich von Björn an, welche neuen Brotsorten er für die nächste Woche plante. Doch diesmal sah er irgendwann auf die Kühltasche und sagte selbst: „Ich muss weiter.“
Björn wirkte fast enttäuscht. „Schon?“
„Eis.“
3) Die Eisdiele der Pinguine
Die kleine Eisdiele der Pinguine lag nicht weit vom Marktplatz entfernt. Vor dem Fenster standen ein paar Tische unter gestreiften Schirmen, und über der Tür hing das hellblaue Schild, das die Tiere bereits vom Wochenmarkt kannten:
Gelato artigianale
Hinter der Theke stand derselbe Pinguin wie am Dienstag. Er erkannte Odin sofort.
„Der Herr mit der Sonnenbrille. Heute ohne die ganze Gruppe?“
„Heute Transport.“
Odin öffnete die Kühltasche ein Stück.
Der Pinguin verstand sofort. „Sehr professionell.“
In der Auslage lagen Pistazie, Zitrone, Stracciatella, Erdbeere, Schokolade, Fior di latte, Pfirsich und eine neue Sorte mit Himbeere und Basilikum.
Odin sah lange auf die Behälter.
„Mehrere Sorten“, sagte er.
„Wie viele Tiere?“
Odin nannte die Zahl.
Der Pinguin überlegte. „Dann brauchen Sie eine große Box. Vielleicht zwei.“
Odin wählte Pistazie, Stracciatella, Zitrone und Erdbeere. Nach kurzem Nachdenken kam noch Fior di latte dazu.
„Waschbär würde vermutlich Himbeere-Basilikum nehmen“, sagte der Pinguin.
Odin sah auf die Sorte.
„Kleine Portion.“
Der Pinguin lächelte. „Ich wusste, dass Sie ihn dabeihaben wollen.“
Die Eisbehälter wurden gut verschlossen und direkt neben die Torte in die Kühltasche gepackt. Der Pinguin legte noch eine isolierende Lage dazwischen.
„So hält es den Weg.“
Odin schloss die Tasche sorgfältig. „Gut.“
Dann machte er sich zurück auf den Weg, nun mit einer Last, die schwerer, aber deutlich erfreulicher war.
4) Am Pool wartet niemand geduldig
Im Flanellweg war inzwischen der Pooltag eröffnet worden.
Uschi und Lara saßen mit den Füßen im Wasser. Der Hai hatte die Wasserwerte geprüft und einen kleinen Schattenplan erstellt. Waschbär und Stinkerle nutzten die selbstgebaute Wasserrutsche, allerdings nur einzeln, wie ausdrücklich festgelegt.
Kroko hatte kalte Getränke bereitgestellt und behauptete, heute nichts Großes kochen zu wollen.
„Vielleicht später ein bisschen grillen“, sagte er.
Das Känguru lag in der Hängematte, diesmal vollständig im Schatten. Die Erinnerung an den Sonnenbrand wirkte offenbar nachhaltiger als alle Warnungen des Hais.
„Wann kommt Odin?“, fragte Waschbär.
„Er ist einkaufen“, sagte Uschi.
„Aber was?“
„Eine Überraschung.“
„Ich mag Überraschungen, wenn sie essbar sind.“
Der Hai sah auf die Uhr. „Bei direktem Rückweg müsste er bald eintreffen.“
Das Känguru hob eine Pfote. „Vielleicht hat Björn ihn wieder in ein Gespräch verwickelt.“
„Dann schmilzt alles“, sagte Kroko.
Der Hai wurde sofort unruhig. „Was soll schmelzen?“
In diesem Moment ging die Gartentür auf.
Odin kam herein, Sonnenbrille auf, Kühltasche in der Pfote.
Waschbär sprang aus dem Pool. „Die Sommermission ist zurück!“
„Erst abtrocknen“, sagte der Hai.
5) Torte und Eis im Schatten
Odin stellte die Kühltasche unter das Sonnensegel. Alle versammelten sich darum, als wäre darin ein Schatz.
„Langsam“, sagte Odin.
Zuerst holte er den Tortenkarton heraus.
Uschi öffnete ihn vorsichtig. „Oh, wie schön.“
Die Beeren glänzten, die Pfirsichspalten lagen ordentlich auf der hellen Creme, und trotz des warmen Weges war nichts verrutscht.
Lara beugte sich näher. „Das sieht wunderbar leicht aus.“
„Von Frau Biber“, sagte Odin.
Kroko nickte anerkennend. „Gute Arbeit.“
Dann kamen die Eisboxen.
Pistazie.
Stracciatella.
Zitrone.
Erdbeere.
Fior di latte.
Und die kleine Portion Himbeere-Basilikum.
Waschbär hielt sich die Pfoten ans Gesicht. „Du hast an meine experimentelle Seite gedacht.“
„Der Pinguin“, sagte Odin.
„Aber du hast zugestimmt.“
Odin antwortete nicht. Das war Zustimmung genug.
Der Hai kontrollierte kurz die Konsistenz. „Transport erfolgreich. Nur minimale Erweichung.“
„Kühltasche“, sagte Odin.
„Sehr gute Entscheidung.“
Das Känguru kam aus der Hängematte näher. „Ich möchte festhalten, dass gemeinschaftlicher Eisbesitz ein positives gesellschaftliches Modell darstellt.“
„Du bekommst eine Kugel“, sagte Kroko.
„Zwei wären gesellschaftlicher.“
6) Der süße Nachmittag am Pool
Unter dem Sonnensegel wurde der Tisch gedeckt. Die Torte kam zunächst in den Kühlschrank zurück, damit das Eis nicht gleichzeitig mit ihr gegessen werden musste. Doch die Tiere hielten diese Trennung nur ungefähr zwanzig Minuten lang durch.
Zuerst gab es Eis.
Uschi nahm Zitrone und Erdbeere. Lara Pistazie und Fior di latte. Kroko blieb bei Stracciatella, probierte aber auch Pistazie. Der Hai wählte exakt gleich große Portionen von Zitrone und Fior di latte, „um die Unterschiede neutral beurteilen zu können“.
Waschbär nahm natürlich Himbeere-Basilikum.
Er probierte.
Alle sahen ihn an.
„Es schmeckt“, sagte er langsam, „wie eine Himbeere, die einen Kräutergarten besucht hat.“
„Gut oder schlecht?“, fragte Stinkerle.
Waschbär nahm noch einen Löffel. „Interessant gut.“
Odin saß ruhig mit einer kleinen Portion Pistazie im Schatten. Seine Sonnenbrille lag neben ihm auf dem Tisch, damit er das Eis vermutlich genauer sehen konnte. Niemand kommentierte das.
Später schnitt Uschi die Sommertorte an. Die Creme war kühl, fruchtig und tatsächlich nicht zu schwer. Beeren, Pfirsich und der leichte Biskuit passten perfekt zum heißen Nachmittag.
Der weiße Tiger kam aus dem Büro, angelockt von der ungewöhnlich großen Stille beim Essen. Er bekam ein Stück Torte und etwas Stracciatella.
„Ausgezeichnet“, sagte er.
Odin nickte zufrieden.
Die Küchenkatzen lagen unter dem Tisch und hofften auf Biskuitkrümel. Minimaler Positionswechsel: erst Richtung Torte, dann Richtung schmelzendes Fior di latte, schließlich zurück zur strategisch günstigsten Mitte.
Zwischendurch gingen die Tiere immer wieder in den Pool. Sie kühlten sich ab, kamen zurück, aßen noch einen Löffel Eis und legten sich wieder in den Schatten.
Kroko sah zu Odin. „Gute Idee.“
„Ja“, sagte Odin.
„Du hast das Wochenende gerettet“, sagte Waschbär.
Odin nahm noch einen kleinen Löffel Pistazieneis. „War schon gut.“
Das war sehr Odin: Er brachte Torte, sechs Sorten Eis und eine Kühltasche voller Sommer nach Hause – und tat so, als sei es nur ein gewöhnlicher Einkauf gewesen.
Mozart saß am Rand der Terrasse, betrachtete die leeren Teller, die Eisbecher und den zufriedenen Tiger und sagte:
„Manche bringen vom Weg
nur Brot und Neuigkeiten mit.
Andere packen Kühlakkus ein,
denken an Torte,
Pistazie, Zitrone
und sogar an eine seltsame Sorte
für den Waschbären.
Wer den Sommer sicher
in einer Kühltasche nach Hause trägt,
braucht nicht viel darüber zu sagen.
Es reicht,
wenn am Pool plötzlich alle lächeln.“