Der Morgen beginnt… unübersichtlich
„Laut meiner Tabelle ist der heutige Bodenwert nur bei 5,9“, sagte der Hai und klappte sein Klemmbrett auf.
„Aber ich finde ihn viel weicher als gestern“, sagte Uschi und tippte mit dem Fuß gegen den feuchten Rasen.
„Das ist subjektiv“, entgegnete der Hai.
„Wetterlage, Bodentyp, Restfeuchte. Wir brauchen Vergleichswerte.“
„Gefühl lässt sich nicht standardisieren“, warf Lara ein.
„Ich hab sogar geträumt, dass ich über Moos laufe“, murmelte Mozart.
„Träume sind keine Daten“, sagte der Hai.
„Doch!“, rief das Känguru. „In meiner Revolution zählen Träume mehr als Tabellen!“
Waschbärs Galerie & der Riss im Projekt
Im Wohnzimmer hatte der Waschbär seine Zeichnungen aufgehängt.
Fußabdrücke auf verschiedenen Böden, stilisierte Erdfarben, ein Kunstwerk nur aus bunten Kreidepunkten mit der Unterschrift: „Pfote, Holz, Sonne“
„Kunst ist auch ein Messinstrument“, erklärte er.
„Aber es misst, was du nicht in Zahlen ausdrücken kannst.“
„Ich hab den Sandkasten analysiert!“, rief Stinkerle aus dem Garten.
„Wärmeverteilung 31–35 Grad, mit leichtem Windverlust an der Westkante!“
Der Hai warf die Hände in die Luft.
„Das ist doch alles… anarchisch!“
„Wundervoll, meinst du!“, lachte das Känguru.
Tigerlein moderiert eine kleine Sitzung
Tigerlein schlug eine Versammlung vor – draußen, im Garten, unter der alten Linde.
„Wir tragen alles zusammen“, sagte er.
„Die Zahlen. Die Träume. Die Skizzen. Und eure Barfußgedanken.“
Mozart las ein Gedicht:
„Zwischen Stein und Wiese
Liegt das Jetzt.
Der Boden, den wir spüren,
Kennt keine Eile – nur uns.“
Stille.
Sogar der Hai blinzelte kurz.
Dann sagte er:
„Vielleicht können wir die subjektiven Daten als Zusatzwert notieren. Eine Art... Fußgefühlkoeffizient.“
„Einverstanden“, sagte Uschi sanft.
„Solange niemand meine Lavendel-Empfindungen in Zehnteln bewertet.“
Ein Fußbad für alle
Am Nachmittag bereitete Uschi im Garten kleine Schüsseln mit warmem Wasser vor.
Darin: Lavendel, Rosenblätter, ein Hauch Zitronenschale.
Alle Tiere setzten sich in einer Reihe und tauchten ihre Füße ein.
Der Hai legte sein Klemmbrett zur Seite.
Das Känguru lehnte sich zurück.
Mozart summte ein Lied, das niemand kannte.
Und das Mähschaf fuhr sachte vorbei, brummte kurz – und blieb mit allen vier Rädern genau auf einer der Barfuß-Messzonen stehen.
„Selbst die Maschinen wollen dazugehören“, murmelte Lara.
So endete der zweite Tag des Barfuß-Barometers mit einem Konsens, den niemand messen konnte:
dass gemeinsames Spüren mehr bewegt als jeder Wert.
Am Abend stand im Wohnzimmer ein neues Schild – gemalt vom Waschbär, geschrieben von Mozart:
„Gefühl: 10.
Wissenschaft: 8,7.
Gemeinschaft: unbezahlbar.“