1) Eine sehr französische Idee
Am Mittwochmorgen stand Lara in der Küche und betrachtete eine Schale mit frischem Obst.
Pfirsiche.
Beeren.
Ein paar Aprikosen.
Trauben.
Kroko kam dazu.
„Was machen?“
Lara überlegte kurz.
Dann sagte sie:
„Crêpes.“
Kroko nickte sofort.
„Gut.“
„Richtig dünne.“
„Natürlich.“
„Nicht Pfannkuchen.“
Kroko sah sie an.
„Ich weiß, was Crêpes sind.“
Lara lächelte.
„Nur zur Sicherheit.“
Waschbär kam herein.
„Gibt es französisches Frühstück?“
„Eher französischen Nachmittag“, sagte Lara.
Das Känguru rief von draußen:
„Eine temporäre kulturelle Annäherung an die Grande Nation!“
Kroko schloss die Terrassentür.
2) Der Teig muss ruhen
Kroko stellte Mehl, Eier, Milch, etwas Butter und eine Prise Salz bereit.
Lara gab noch etwas Vanille dazu.
„Für die süßen.“
„Wir machen auch herzhafte.“
„Dann teilen wir später.“
Der Hai erschien sofort.
„Wie viele Portionen?“
Kroko sah auf die Schüssel.
„Genug.“
„Das ist keine Zahl.“
Lara grinste.
„Heute kochen wir französisch. Da darf auch Gefühl rein.“
Der Hai war nicht überzeugt.
Der Teig wurde glatt gerührt, bis keine Klümpchen mehr da waren.
Dann stellte Kroko die Schüssel beiseite.
„Jetzt ruhen.“
Waschbär beugte sich darüber.
„Warum?“
Lara erklärte: „Damit sich alles verbindet und der Teig später schöner wird.“
„Also ein Mittagsschlaf für Mehl.“
„Wenn du möchtest.“
Waschbär nickte zufrieden.
„Sehr französisch.“
3) Die erste Crêpe
Am Nachmittag wurde die schwere Pfanne heiß.
Kroko gab nur wenig Butter hinein.
Dann einen kleinen Schöpfer Teig.
Er hob die Pfanne an und ließ den Teig in einem dünnen Film über den Boden laufen.
Lara beobachtete.
„Genau so.“
Waschbär ebenfalls.
„Das ist viel dünner als Pfannkuchen.“
„Das ist der Sinn“, sagte Kroko.
Nach kurzer Zeit löste sich der Rand.
Kroko wendete die Crêpe mit einer schnellen Bewegung.
Waschbär riss die Augen auf.
„Noch mal!“
„Gleich.“
Die erste Crêpe wurde leicht goldbraun und landete auf einem Teller.
Lara nahm ein Stück.
„Très bien.“
Kroko nickte.
Das war genug Lob.
4) Jeder bekommt seine eigene
Bald lagen mehrere warme Crêpes unter einem Tuch.
Nun begann der wichtigste Teil.
„Jeder sagt, was er möchte“, sagte Lara.
Uschi entschied sich für frische Pfirsiche, ein wenig Honig und Joghurt.
„Leicht und frisch.“
Der Hai nahm Zimt und Zucker.
„Einfach. Berechenbar.“
Stinkerle wollte Apfelstücke mit Zimt.
Der weiße Tiger entschied sich für dunkle Schokolade und ein paar Beeren.
Odin sagte:
„Zitrone. Zucker.“
Lara nickte.
„Klassisch.“
Waschbär sah auf alle Zutaten.
„Alles.“
Kroko sah ihn an.
„Nein.“
„Vieles.“
„Besser.“
Das Känguru rief von draußen:
„Ich nehme eine mit Schokolade und revolutionärer Freiheit.“
„Banane dazu?“, fragte Lara.
„Ja.“
Damit war auch das geklärt.
5) Laras französischer Moment
Während Kroko weiterbackte, kümmerte sich Lara um die Füllungen.
Sie schnitt Obst.
Wärmte einige Pfirsichspalten kurz mit Butter und etwas Zucker an.
Presste Zitronensaft aus.
Und stellte kleine Schalen mit Zimt, Zucker, Schokolade, Nüssen und Sahne bereit.
Uschi sah ihr zu.
„Du wirkst sehr in deinem Element.“
Lara lächelte.
„Ein bisschen.“
„Erinnert dich das an Frankreich?“
Lara nickte.
„Ja. An kleine Cafés. An Crêpesstände. An Abende, an denen man eigentlich nur kurz etwas essen wollte und dann sehr lange sitzen blieb.“
Der Hai, der das hörte, kam sofort näher.
„Wo genau?“
Lara sah ihn an.
„Frankreich.“
„Welche Region?“
Lara lächelte nur.
„C’est la vie.“
Der Hai seufzte.
Kroko grinste.
6) Süß, herzhaft und sehr viel Auswahl
Nicht alle Crêpes blieben süß.
Kroko bereitete einige mit Käse, Kräutern und etwas Schinken zu.
Lara machte eine Variante mit Ziegenkäse, Honig und ein paar Trauben.
„Das ist sehr gut“, sagte der weiße Tiger nach dem ersten Bissen.
„Sehr überzeugend?“, fragte Waschbär.
„Sehr.“
Uschi bekam noch eine kleine Crêpe mit Beeren und etwas Vanillecreme.
Stinkerle mochte seine Apfel-Zimt-Version so sehr, dass er eine zweite bestellte.
Der Hai blieb bei Zimt und Zucker.
„Konstante Qualität.“
Kroko sagte: „Du kannst auch was anderes nehmen.“
„Warum sollte ich?“
Das Känguru bekam seine Schokoladen-Bananen-Crêpe.
Es nahm einen Bissen.
„Die französische Küche hat historisch gesehen viele Klassen überwunden.“
Niemand fragte nach.
7) Waschbärs Spezialcrêpe
Waschbär hatte inzwischen eine eigene Idee.
„Ich möchte Pfirsich, Beeren, Schokolade und ein bisschen Zimt.“
Lara nickte.
„Das geht.“
„Und Sahne.“
„Auch.“
„Und ein kleines bisschen Zitrone.“
Kroko sah ihn an.
„Warum?“
„Damit es frischer ist.“
Kroko dachte kurz nach.
„Gut.“
Die fertige Crêpe wurde gefaltet.
Waschbär nahm den ersten Bissen.
Dann den zweiten.
„Sehr gut.“
„Zu viel drauf?“, fragte Stinkerle.
„Nein. Genau genug.“
Natürlich hatte Waschbär nach drei Minuten Schokolade am Fell.
Lara reichte ihm ein Tuch.
„Du schaffst das wirklich jedes Mal.“
„Das gehört zur Erfahrung.“
8) Ein kleines Café am Flanellweg
Am Abend saßen alle auf der Terrasse.
Die letzten Crêpes wurden frisch aus der Pfanne gebracht.
Die Luft war mild.
Auf dem Tisch standen Obstschalen, kleine Teller mit Zucker und Zimt, Schokolade und verschiedene Füllungen.
Es wirkte fast wie ein kleines Café.
Lara sprach etwas mehr Französisch als sonst.
Kroko antwortete mit einzelnen Worten.
Waschbär versuchte es ebenfalls.
„Bon… crêpe.“
Lara lachte.
„Presque.“
Das Känguru hob sein Glas.
„Vive la crêpe.“
„Das geht“, sagte Lara.
Sogar der Hai musste lächeln.
Mozart sah über den Tisch und sagte:
„Manche Gerichte sind einfach,
solange man sie nicht hastig macht.
Ein wenig Teig,
eine heiße Pfanne,
frisches Obst
und die richtige Handbewegung.Dann bekommt jeder etwas anderes:
Zitrone und Zucker,
Schokolade und Beeren,
Apfel und Zimt
oder ein kleines Stück Frankreich
zwischen zwei dünnen, goldenen Schichten.Vielleicht ist genau das das Schöne daran:
dass aus derselben Pfanne
für jeden etwas Eigenes entsteht
und am Ende trotzdem alle
am selben Tisch sitzen.“