1) Ein Termin, auf den sich nicht alle gleich freuen
Am Dienstagmorgen legte Odin eine Mappe auf den Küchentisch.
Der Hai sah sofort hin.
„Was ist das?“
„Auto.“
„Welche Unterlagen?“
Odin öffnete die Mappe.
Fahrzeugpapiere.
Kaufvertrag.
Versicherungsbestätigung.
Ausweis.
Alles, was er vorbereitet hatte.
Der Hai wurde sichtbar munter.
„Zulassung?“
„Ja.“
„Landratsamt?“
„Ja.“
„Heute?“
„Ja.“
Der Hai stand sofort auf.
„Ich komme mit.“
Odin sah ihn an.
„Das dachte ich mir.“
Der weiße Tiger kam aus dem Büro.
„Ich auch.“
Odin hob eine Augenbraue.
„Warum?“
„Solidarität.“
Der Hai nickte ernst.
„Und zusätzliche Dokumentenkompetenz.“
Der weiße Tiger sagte:
„Das habe ich nicht gesagt.“
2) Schon der Parkplatz ist interessant
Vor dem Landratsamt war einiges los.
Autos kamen und gingen.
Menschen trugen Mappen.
Einige hielten Kennzeichen in der Hand.
Andere suchten offenbar noch das richtige Gebäude.
Odin parkte.
Der Hai stieg aus und sah sich interessiert um.
„Da drüben Kennzeichenprägung.“
Odin nickte.
„Später.“
„Und dort vermutlich Zulassungsstelle.“
„Ja.“
„Die räumliche Trennung ist interessant.“
Odin schloss das Auto ab.
„Nicht so interessant.“
Der weiße Tiger grinste.
„Für ihn schon.“
3) Nummer ziehen, warten, beobachten
Drinnen gab es den üblichen Ablauf.
Anmelden.
Nummer bekommen.
Warten.
Der Hai setzte sich mit aufrechter Haltung auf einen Stuhl.
Odin daneben.
Der weiße Tiger etwas entspannter.
An der Wand hingen Hinweise.
Kennzeichen.
Gebühren.
Vollmachten.
Zulassungen.
Außerbetriebsetzungen.
Umschreibungen.
Der Hai las alles.
Wirklich alles.
Nach fünf Minuten sagte er:
„Interessant.“
Odin antwortete:
„Nein.“
„Doch.“
Der weiße Tiger sah beide an.
„Ihr seid sehr vorhersehbar.“
4) Endlich am Schalter
Dann wurde ihre Nummer aufgerufen.
Odin ging vor.
Der Hai direkt hinterher.
Der weiße Tiger blieb leicht zurück.
Die Sachbearbeiterin nahm die Unterlagen entgegen.
„Umschreibung auf Sie?“
„Ja.“
„Fahrzeug ist bereits zugelassen?“
Odin erklärte kurz die Situation.
Die Sachbearbeiterin prüfte die Papiere.
Versicherungsbestätigung.
Fahrzeugdaten.
Ausweis.
Halterdaten.
Dann tippte sie.
Der Hai sah fasziniert zu.
„Wird die alte Zulassung dabei automatisch beendet?“
Odin drehte langsam den Kopf zu ihm.
Die Sachbearbeiterin antwortete trotzdem freundlich.
„Mit der Umschreibung wird der neue Halter eingetragen und der Datensatz entsprechend aktualisiert.“
Der Hai nickte.
„Gut.“
Das war erst Frage eins.
5) Der Fahrzeugschein
Dann ging es um den neuen Fahrzeugschein.
Der Hai betrachtete das Dokument, als sei es ein besonders gelungenes Stück Verwaltungsarchitektur.
„Also wird die Zulassungsbescheinigung Teil I neu ausgestellt.“
„Genau“, sagte die Sachbearbeiterin.
„Und Teil II entsprechend ergänzt?“
„Ja.“
„Bleibt die Dokumentennummer dabei—“
Odin sagte:
„Hai.“
Der Hai schwieg kurz.
Dann fragte er:
„Nur noch eine.“
Der weiße Tiger sah zur Decke.
6) Kennzeichenfrage
„Möchten Sie das bestehende Kennzeichen übernehmen oder ein neues?“, fragte die Sachbearbeiterin.
Odin entschied sich.
Kurz.
Praktisch.
Der Hai wollte wissen:
„Wie läuft das bei Wunschkennzeichen genau?“
Odin sah ihn an.
„Wir haben keins.“
„Ich frage grundsätzlich.“
Die Sachbearbeiterin erklärte trotzdem kurz den Ablauf.
Reservierung.
Verfügbarkeit.
Zuteilung.
Der Hai nickte begeistert.
„Sehr logisch.“
Odin murmelte:
„Ja.“
7) Ein Gebäude weiter
Mit den nötigen Unterlagen gingen sie anschließend zur Kennzeichenprägung.
Tatsächlich ein Gebäude weiter.
Der Hai fand das großartig.
„Das ist ein schöner physischer Prozess.“
„Es sind Schilder“, sagte Odin.
„Nein. Es ist die materielle Umsetzung einer behördlich vergebenen Identität.“
Der weiße Tiger musste lachen.
Die Kennzeichen wurden geprägt.
Buchstaben.
Zahlen.
Schwarze Schrift.
Weiße Fläche.
Alles frisch.
Der Hai nahm eines in die Hand.
„Sehr sauber.“
Odin sagte:
„Natürlich.“
8) Zurück zu den Plaketten
Dann wieder zurück.
Die neuen Kennzeichen wurden vorgelegt.
Die Plaketten kamen drauf.
Zulassungsplakette.
HU-Plakette entsprechend.
Der Hai beobachtete jeden Handgriff.
„Die Plakette ist damit zugleich Nachweis und Manipulationsschutz?“
Die Sachbearbeiterin nickte.
„Im Prinzip ja.“
Der Hai war zufrieden.
„Sehr gut.“
Odin sah ihn an.
„Du klingst, als hättest du das System selbst entworfen.“
„Nein. Ich würdige nur gute Struktur.“
Der weiße Tiger sagte:
„Das ist bei dir fast dasselbe.“
9) Umweltplakette und Papierstapel
Dann kam noch die Umweltplakette.
Passend zum Kennzeichen.
Der Hai wollte wissen, ob sie bei einem Kennzeichenwechsel zwingend neu müsse.
Die Antwort bekam er.
Natürlich.
Dann kamen Bescheide.
Gebühren.
Quittungen.
Hinweise.
Odin nahm alles entgegen.
Der Hai sortierte direkt.
„Das hier gehört zu den Fahrzeugunterlagen.“
„Ja.“
„Das hier zur Zahlung.“
„Ja.“
„Und das hier würde ich separat—“
Odin nahm ihm die Papiere ab.
„Ich habe eine Mappe.“
Der Hai war kurz enttäuscht.
10) Zu viele Fragen
Eigentlich waren sie fertig.
Eigentlich.
Aber der Hai hatte noch Fragen.
„Was passiert eigentlich, wenn das Fahrzeug später saisonal zugelassen wird?“
Odin sah ihn an.
„Wird es nicht.“
„Grundsätzlich.“
Die Sachbearbeiterin erklärte es.
„Und bei Halterwechsel innerhalb des gleichen Zulassungsbezirks?“
Auch das wurde beantwortet.
„Und wenn ein Kennzeichen beschädigt—“
Odin sagte:
„Hai.“
Der Hai hob die Pfoten.
„Letzte Frage.“
Der weiße Tiger sagte:
„Das hast du vor sieben Fragen gesagt.“
Die Sachbearbeiterin musste lachen.
11) Draußen endlich fertig
Als sie wieder draußen standen, hielt Odin die Unterlagen fest in der Hand.
Der Hai sah ausgesprochen zufrieden aus.
„Das war ein guter Termin.“
Odin sah ihn an.
„Für dich.“
„Auch für dich.“
„Ich wollte nur das Auto anmelden.“
„Und jetzt ist es korrekt zugelassen.“
Der weiße Tiger nickte.
„Ziel erreicht.“
Sie gingen zum Auto.
Die neuen Kennzeichen kamen dran.
Vorne.
Hinten.
Die Umweltplakette später sauber an die Scheibe.
Der Hai trat einen Schritt zurück.
„Jetzt ist es vollständig.“
Odin sah das Auto an.
„Ja.“
Das stimmte.
12) Zuhause wird natürlich alles noch einmal erklärt
Zurück im Flanellweg standen Waschbär und Stinkerle sofort vor der Tür.
„Und?“
Odin hielt die Mappe hoch.
„Fertig.“
Waschbär sah auf die Kennzeichen.
„Neu!“
Der Hai begann sofort zu erklären.
Umschreibung.
Fahrzeugschein.
Plaketten.
Kennzeichenprägung.
Umweltplakette.
Gebühren.
Waschbär hörte ungefähr bis zum dritten Punkt zu.
Dann fragte er:
„Darf ich die Plakette angucken?“
„Ja.“
Stinkerle sah zu Odin.
„Alles problemlos?“
„Ja.“
Kurze Pause.
„Nur der Hai.“
Der Hai sagte:
„Meine Fragen waren sinnvoll.“
Odin sah ihn an.
„Fast alle.“
Das nahm der Hai als Kompliment.
13) Der perfekte Abschluss
Am Abend lagen alle Unterlagen ordentlich in der Mappe.
Versicherung.
Zulassung.
Kaufvertrag.
Wartung.
Alles zusammen.
Der weiße Tiger sah darauf.
„Jetzt ist es wirklich komplett.“
Odin nickte.
Der Hai saß daneben und wirkte, als hätte er persönlich einen Verwaltungsprozess erfolgreich abgeschlossen.
Waschbär kam mit Tee.
„Feiern wir jetzt die Zulassung?“
Odin sagte:
„Nein.“
Kroko stellte trotzdem Essen auf den Tisch.
Das Känguru sagte:
„Bemerkenswert, wie viel Staat in so einem kleinen Metallgegenstand steckt.“
Der Hai nickte sofort.
„Exakt.“
Odin seufzte.
Mozart schrieb später:
„Manchmal besteht ein neuer Weg nicht nur aus Straßen.
Manchmal führt er zuerst durch Flure,
Wartebereiche,
Nummernanzeigen
und ein Gebäude weiter zu einer Prägemaschine.Dann bekommt ein Auto neue Papiere,
neue Schilder,
Plaketten
und schließlich seinen ganz offiziellen Platz in der Welt.Für Odin war es ein Termin.
Für den Hai war es beinahe ein Feiertag.Vielleicht ist Bürokratie genau dann erträglich,
wenn am Ende alles stimmt,
jede Nummer passt
und man danach einfach einsteigen
und nach Hause fahren kann.“