1) Der Wind kündigt sich an
Schon am Donnerstagmorgen klang der Garten anders.
Nicht nur raschelnd.
Rauschend.
Der Apfelbaum bewegte seine Äste deutlich.
Die Hängematte des Kängurus schwang leer zwischen ihren Befestigungen.
Ein paar trockene Blätter jagten über die Terrasse.
Der Hai stand an der Wetterstation.
„Böen bereits deutlich über dem normalen Bereich.“
Stinkerle sah hinaus.
„Wird noch mehr.“
„Ja.“
Waschbär drückte die Nase ans Fenster.
„Wie viel mehr?“
„Genug.“
Waschbär grinste.
„Gut.“
Der Hai drehte sich langsam zu ihm.
„Nein. Nicht gut.“
2) Der Hai übernimmt
Binnen Minuten hatte der Hai einen Plan.
Natürlich.
„Terrasse zuerst. Dann Garten. Dann Pflanzen.“
Stinkerle nickte.
„Macht Sinn.“
Der Hai teilte Aufgaben zu.
Stühle zusammenstellen.
Leichte Tischdekoration rein.
Werkzeuge aus dem Garten entfernen.
Lose Pflanzgefäße sichern.
Die Hängematte abhängen.
Empfindliche Pflanzen näher ans Haus.
Waschbär bekam eine einfache Aufgabe:
„Alles einsammeln, was wegfliegen könnte.“
Waschbär hob einen kleinen Stein hoch.
„Auch der?“
„Nein.“
„Der könnte rollen.“
„Waschbär.“
„Schon gut.“
3) Die Terrasse wird sturmfest
Stinkerle klappte die leichteren Gartenstühle zusammen.
Der große Tisch blieb draußen, wurde aber gesichert.
Kissen wanderten ins Haus.
Laternen ebenso.
Kleine Dekoration verschwand in Kisten.
Die Hängematte wurde abgenommen.
Das Känguru stand daneben.
„Mein Arbeitsplatz.“
„Heute nicht“, sagte Stinkerle.
„Das ist wetterbedingte Enteignung.“
Der Hai sah es an.
„Es ist Sicherheitsvorsorge.“
Das Känguru nickte.
„So nennt man es.“
Odin ging vorbei.
„Wind.“
„Genau“, sagte der Hai.
Odin half einfach, ohne weiter darüber zu diskutieren.
4) Waschbär testet den Sturm
Kaum war eine Runde erledigt, lief Waschbär wieder nach draußen.
Er stellte sich auf die Terrasse.
Der Wind drückte ihm das Fell nach hinten.
„Oh!“
Uschi rief von drinnen:
„Waschbär!“
„Ich prüfe nur!“
Eine Böe kam.
Waschbär hielt sich am Geländer fest.
„Jetzt stärker!“
Der Hai rief:
„Rein!“
Waschbär kam zurück.
Zwei Minuten später war er wieder draußen.
Stinkerle sah ihn an.
„Warum?“
„Vergleichsmessung.“
„Du bist kein Messgerät.“
„Aber ich merke es.“
Der Hai murmelte:
„Leider.“
5) Die Pflanzen
Uschi und Lara kümmerten sich um die empfindlicheren Pflanzen.
Das Zitronenbäumchen wurde noch näher an die Hauswand gerückt.
Kleinere Töpfe kamen in einen geschützten Bereich.
Ein paar hohe Pflanzen wurden zusammengebunden.
Uschi prüfte alles noch einmal.
„So sollte es gehen.“
Lara sah zum Himmel.
„Ganz schön dunkel.“
Der Wind rauschte durch die Bäume.
Blätter flogen.
Waschbär kam wieder vorbei.
„Jetzt noch stärker.“
Lara lachte.
„Das sagst du seit einer Stunde.“
„Weil es stimmt.“
6) Die Wetterstation läuft auf Hochtouren
Der Hai wechselte ständig zwischen Fenster und Wetterstation.
„Neue Spitzenböe.“
Der weiße Tiger kam aus dem Büro.
„Wie hoch?“
Der Hai nannte den Wert.
Stinkerle pfiff leise.
„Ordentlich.“
„Luftdruck fällt weiter.“
„Mhm.“
„Und der Wind dreht etwas.“
Der Hai war vollkommen in seinem Element.
Diagramme.
Kurven.
Maximalwerte.
Zeitstempel.
Der weiße Tiger sah ihn an.
„Du genießt das ein bisschen.“
Der Hai antwortete:
„Ich beobachte.“
„Sehr begeistert.“
Der Hai sagte nichts.
7) Mozart und Odin bleiben ruhig
Mozart saß mit einem Buch im Wohnzimmer.
Der Sturm rauschte draußen.
Ab und zu knackte etwas im Gebälk.
Waschbär kam herein.
„Hast du keine Angst?“
Mozart sah auf.
„Nein.“
„Gar nicht?“
„Das Haus steht schon länger als dieser Sturm.“
Odin saß am Fenster.
„Solange nichts Großes runterkommt, alles gut.“
Der Hai rief aus dem Flur:
„Trotzdem aufmerksam bleiben!“
Odin nickte.
„Klar.“
Dann trank er weiter seinen Tee.
Waschbär sah zwischen allen hin und her.
„Ihr seid zu ruhig.“
Mozart lächelte.
„Und du zu neugierig.“
8) Eine besonders starke Böe
Am Nachmittag kam die stärkste Böe.
Der Garten schien sich für einen Moment komplett zu bewegen.
Der Apfelbaum bog sich.
Ein leerer Pflanztopf kippte um.
Ein paar Blätter wirbelten wie ein kleiner Schwarm über den Rasen.
Das Mähschaf stand sicher im Terrassenhafen.
Raseline war ebenfalls längst in Deckung.
Waschbär rannte zum Fenster.
„DIE WAR STARK!“
Der Hai war bereits an der Wetterstation.
„Ja.“
„Wie stark?“
Der Hai nannte den Wert.
Waschbär war beeindruckt.
„Kann ich raus?“
Alle gleichzeitig:
„Nein!“
9) Alles hält
Gegen Abend wurde der Wind langsam schwächer.
Noch nicht ruhig.
Aber weniger aggressiv.
Stinkerle ging vorsichtig eine Runde.
Der Hai mit ihm.
Natürlich.
Nichts Größeres war passiert.
Ein paar kleine Äste lagen im Garten.
Ein Topf war umgekippt.
Einige Blätter hatten sich gesammelt.
Die gesicherten Möbel standen.
Die Pflanzen ebenfalls.
Uschi sah erleichtert aus.
„Gut gegangen.“
Stinkerle nickte.
„Vorbereitung hat geholfen.“
Der Hai strahlte.
„Genau.“
Das war der Satz des Tages.
10) Der Garten danach
Später standen alle am Fenster.
Der Garten sah etwas wilder aus als am Morgen.
Mehr Blätter.
Ein paar Zweige.
Die Bäume noch immer in Bewegung.
Aber alles war heil.
Waschbär sagte:
„Morgen müssen wir aufräumen.“
Der Hai nickte.
„Ja.“
„Darf ich wieder raus?“
„Morgen.“
Das Känguru betrachtete die abgehängte Hängematte.
„Ich erwarte Wiederherstellung.“
Stinkerle sagte:
„Wenn der Wind weg ist.“
„Akzeptiert.“
11) Ein stürmischer Abend drinnen
Drinnen wurde es gemütlich.
Kroko machte eine heiße Suppe und Brot.
Uschi brachte Tee.
Der Kamin lief.
Der Wind rauschte noch immer um das Haus, aber nun klang er eher wie Hintergrund.
Der weiße Tiger sah zum Hai.
„Zufrieden?“
Der Hai nickte.
„Alles gesichert. Keine Schäden. Messwerte vollständig.“
Waschbär grinste.
„Und der Wind war sehr stark.“
„Ja.“
„Sag ich doch.“
Odin lehnte sich zurück.
Mozart schlug sein Notizbuch auf und schrieb:
„Ein Sturm zeigt manchmal weniger,
wie stark der Wind ist,
als wie gut ein Haus vorbereitet ist.Einer misst Böen,
einer bindet Pflanzen fest,
einer sammelt lose Dinge ein
und ein Waschbär läuft immer wieder hinaus,
um festzustellen,
dass Wind tatsächlich Wind bleibt.Manche beobachten ruhig,
andere organisieren alles bis ins Detail.Und wenn am Abend die Möbel noch stehen,
die Pflanzen heil sind
und der Garten nur ein wenig wilder aussieht,
dann war der Sturm vielleicht genau das:
laut, kräftig –
aber am Ende nur zu Besuch.“