1) Regen ohne Unterbrechung
Es begann am Morgen.
Und hörte nicht wieder auf.
Kein Platzregen.
Kein Gewitter.
Nur dieses gleichmäßige:
Rrrrrrrrrr.
Auf dem Dach.
An den Fenstern.
In den Bäumen.
Auf der Terrasse.
Der Garten glänzte.
Das Gras war dunkelgrün und nass.
Die Lichterketten wirkten selbst am Nachmittag gemütlich, obwohl sie noch gar nicht eingeschaltet waren.
Mähschaf stand im Terrassenhafen.
„Nass.“
Von irgendwo jenseits der Hecke kam Raselines Antwort:
„Auch.“
Damit war die Außenlage ausreichend beschrieben.
2) Niemand muss irgendwohin
Odin sah morgens einmal aus dem Fenster.
Dann zu seinem neuen Auto.
Dann wieder zum Regen.
„Heute nicht.“
Waschbär sah ihn an.
„Fährst du gar nicht?“
„Nein.“
„Aber du könntest.“
„Ja.“
„Das ist irgendwie luxuriös.“
Odin setzte sich mit Kaffee hin.
„Genau.“
Niemand musste zum Metzger.
Niemand zum Bauern.
Niemand zu Björn.
Keine Behörde.
Keine Fahrschule.
Kein Auto anschauen.
Keine Reparatur.
Der Montag durfte einfach Montag sein.
3) Laras Lesetag
Lara nahm sich ein dickes Buch.
Setzte sich in ihren Sessel.
Diesmal mit ihrer eigenen Wolldecke.
Sie legte sie demonstrativ über die Beine.
Waschbär sah hin.
„Die ist wieder da.“
„Ja.“
„Höhle ist auch noch da.“
„Ich weiß.“
Im Wohnzimmer stand das inzwischen etwas stabiler gewordene Kissenhöhlensystem.
Eine Küchenkatze schlief darin.
Eine zweite lag halb davor.
Lara begann zu lesen.
Draußen zog Regen in dünnen Bahnen über die Scheiben.
Nach zehn Minuten war sie vollkommen verschwunden.
Nicht körperlich.
Nur im Buch.
4) Mozart schläft einfach
Mozart saß zunächst im Sessel.
Notizbuch auf dem Schoß.
Füller daneben.
Er wollte offenbar etwas schreiben.
Dann hörte man lange nichts.
Waschbär ging vorbei.
Blieb stehen.
Mozarts Kopf war leicht zur Seite gesunken.
Augen zu.
„Schläft er?“
Lara sah kurz auf.
„Ja.“
„Mitten am Tag?“
„Es regnet.“
Waschbär dachte darüber nach.
Das leuchtete ihm ein.
Mozart schlief weiter.
Sehr friedlich.
Das Notizbuch blieb leer.
Manchmal musste selbst ein alter Bär nichts dokumentieren.
5) Uschi backt etwas
In der Küche roch es bald nach Butter.
Dann nach Zimt.
Dann nach Äpfeln.
Uschi hatte beschlossen, dass Regenwetter Gebäck brauchte.
Sie machte einen einfachen, saftigen Apfelkuchen.
Nicht festlich.
Nicht kompliziert.
Einfach genau richtig für Montag.
Kroko kam herein.
Sah in die Schüssel.
„Gut.“
Uschi grinste.
„Du darfst heute mal nichts übernehmen.“
Kroko brummte.
„Ich kontrolliere nur.“
„Nein.“
Er nahm trotzdem ein kleines Apfelstück.
Uschi tat so, als hätte sie es nicht gesehen.
6) Das Känguru schreibt
Das Känguru saß am Esstisch.
Vor ihm ein Notizbuch.
Waschbär blieb stehen.
„Was machst du?“
„Denken.“
„Schreibst du Marx?“
Das Känguru sah beleidigt auf.
„Nein.“
„Was dann?“
„Eigene Gedanken.“
Waschbär wurde sehr interessiert.
„Über was?“
Das Känguru deckte die Seite mit einer Pfote ab.
„Gesellschaft.“
„Also doch Marx.“
„Nein.“
Der Hai rief aus dem Büro:
„Wenn du Marx zitierst, bitte korrekt.“
Das Känguru sagte nichts mehr.
Aber schrieb weiter.
7) Waschbär baut den Regenbeobachtungsposten
Am frühen Nachmittag schleppte Waschbär drei Sofakissen zum großen Fenster.
Dann eine Decke.
Dann ein kleines Tablett.
Dann ein Fernglas.
Stinkerle sah zu.
„Warum brauchst du drinnen ein Fernglas?“
„Für Regen.“
„Der ist direkt vor dem Fenster.“
„Genau deshalb.“
Waschbär baute sich eine Art gepolstertes Nest.
Mit Blick in den Garten.
Er stellte eine Tasse dazu.
Dann ein Notizblatt.
Oben schrieb er:
REGENBEOBACHTUNGSPOSTEN
Darunter:
Status: Regen
Stinkerle nickte.
„Gute Arbeit.“
Waschbär schrieb:
14:07 Uhr: immer noch Regen.
8) Der Hai ist verschwunden
Der Hai war schon seit dem Vormittag ungewöhnlich still.
Nicht weg.
Nur im Büro.
Der weiße Tiger arbeitete an seinem eigenen Tisch und hörte gelegentlich Mausklicks.
Viele Mausklicks.
Dann:
„Hm.“
Dann Tippen.
Dann wieder:
„Hm.“
Schließlich sah der weiße Tiger rüber.
„Was machst du?“
„Versicherungen.“
„Für Odin?“
„Ja.“
„Seit wann?“
„Seit heute früh.“
Der weiße Tiger sah auf die Uhr.
„Natürlich.“
9) Kfz-Versicherungen als Wissenschaft
Der Hai hatte Tabellen.
Natürlich.
Haftpflicht.
Teilkasko.
Vollkasko.
Selbstbeteiligungen.
Jahresbeiträge.
Werkstattbindung.
Schutzbrief.
Auslandsschutz.
Marderbiss.
Grobe Fahrlässigkeit.
Fahrerkreis.
Kilometerleistung.
Zahlungsweise.
Rückstufung.
Der weiße Tiger sah auf den Bildschirm.
„Du vergleichst sehr intensiv.“
„Muss man.“
„Odin fährt wahrscheinlich erst mal wenig.“
„Gerade dann darf der Tarif nicht unnötig teuer sein.“
Das war tatsächlich vernünftig.
Der Hai klickte weiter.
10) Der Schutzbrief wird wichtig
Irgendwann kam Odin herein.
„Was macht ihr?“
Der Hai drehte den Bildschirm.
„Versicherung.“
Odin setzte sich.
Der Hai zeigte drei Angebote.
„Das hier ist am billigsten.“
Odin nickte.
„Und?“
„Nicht gut genug.“
„Warum?“
„Schutzbrief fehlt.“
Odin sah ihn an.
Der Hai erklärte:
„Wenn du irgendwo liegen bleibst, hast du sonst schnell Aufwand. Abschleppen. Pannenhilfe. Weiterfahrt. Eventuell Rücktransport. Das hier deckt das sinnvoll ab.“
Odin nickte langsam.
„Das will ich.“
Der Hai zeigte auf das mittlere Angebot.
„Das hier.“
„Teurer?“
„Etwas.“
„Aber besser?“
„Deutlich.“
11) Fair und solide
Odin las die Zusammenfassung.
Keine unnötigen Extras.
Keine dubiosen Spielereien.
Solide Deckung.
Vernünftige Selbstbeteiligung.
Schutzbrief.
Pannenhilfe.
Ein Tarif, bei dem man nicht das Gefühl hatte, für jede Kleinigkeit extra bezahlen zu müssen.
Odin sagte:
„Fair.“
Der Hai nickte.
„Finde ich auch.“
„Solide.“
„Ja.“
Der weiße Tiger sah beide an.
„Dann haben wir ja einen seltenen Moment vollständiger Einigkeit.“
Der Hai war fast stolz.
Odin sagte:
„Mach fertig.“
„Wirklich?“
„Ja.“
Der Hai begann sofort.
12) Der Regenbeobachtungsposten meldet Lage
Waschbär erschien in der Tür.
Mit Fernglas.
„Statusmeldung.“
Niemand fragte danach.
„Es regnet immer noch.“
Odin nickte.
„Danke.“
„Stärker als vorhin.“
Der Hai sah kurz zur Wetterstation.
„Minimal.“
Waschbär hob das Fernglas.
„Ich sehe das.“
„Du siehst Tropfen.“
„Genau.“
Dann bemerkte er die Versicherungstabellen.
„Was ist das?“
„Auto.“
Sofort war er da.
„Was ist Schutzbrief?“
Der Hai erklärte es.
Waschbär nickte ernst.
„Dann kriegt Odin Rettung, wenn Auto traurig ist.“
Stinkerle, der gerade hereinkam, sagte:
„So ungefähr.“
13) Apfelkuchen und Verwaltung
Später stellte Uschi den Kuchen auf den Tisch.
Noch warm.
Mit etwas Puderzucker.
Lara legte ihr Buch weg.
Mozart wachte auf.
Das Känguru schloss sein Notizbuch.
Der Hai kam mit einem Ausdruck.
„Versicherung erledigt.“
Odin nahm ein Stück Kuchen.
„Gut.“
Der weiße Tiger sagte:
„Sehr effizient.“
Der Hai setzte sich.
Waschbär fragte:
„Und wenn wir mitten im Wald liegen bleiben?“
Odin sah ihn an.
„Wir fahren nicht mitten in den Wald.“
„Aber wenn.“
„Dann Schutzbrief.“
Waschbär war zufrieden.
14) Ein stiller Nachmittag
Der Regen blieb.
Die Fenster wurden dunkler.
Die Lichterketten gingen irgendwann automatisch an.
Im Garten spiegelten sie sich im nassen Boden.
Der Apfelbaum tropfte.
Auf der Terrasse sammelte sich Wasser.
Drinnen war es warm.
Lara las weiter.
Mozart schrieb nun doch ein paar Zeilen.
Das Känguru blätterte zurück in seinem Notizbuch und ergänzte etwas.
Der Hai sortierte die Versicherungsunterlagen in einen Ordner.
Waschbär lag wieder in seinem Regenposten.
16:52 Uhr: Regen.
Dann:
17:18 Uhr: weiterhin Regen.
15) Niemand vermisst draußen
Beim Abendessen gab es Reste vom Wochenende.
Etwas Brot.
Käse.
Salat.
Ein paar warme Kleinigkeiten.
Kroko machte dazu eine Suppe.
Draußen rauschte es weiter.
Odin sah einmal zum Fenster.
Dann wieder an den Tisch.
„Guter Tag.“
Uschi nickte.
„Sehr.“
Das Känguru sagte:
„Produktiv trotz vollständiger Immobilität.“
Odin sah es an.
„Ich war nie immobil.“
„Heute schon.“
„Freiwillig.“
Das Känguru dachte kurz nach.
„Das ist ein Unterschied.“
16) Ein Montag, der nichts wollte
Später saßen sie alle noch zusammen.
Keine großen Pläne.
Keine Überraschungen.
Kein Besuch.
Nur Regen.
Tee.
Der Rest vom Apfelkuchen.
Ein versichertes Auto vor dem Haus.
Und ein Waschbär, der gegen Abend seinen Beobachtungsposten aufgab, nachdem er seine endgültige Feststellung notiert hatte:
19:41 Uhr: immer noch Regen.
Mozart las es.
Dann schrieb er darunter:
„Manche Tage wollen nichts von uns.
Sie schicken nur Regen ans Fenster,
machen Wege unnötig
und lassen das Haus ein bisschen kleiner und wärmer werden.Einer liest.
Einer schläft.
Einer backt.
Einer denkt.
Einer beobachtet Regen,
der sich seit Stunden nicht verändert.Und der Hai sorgt dafür,
dass selbst ein neues Auto
an einem nassen Montag
ein kleines Stück sicherer wird.Vielleicht ist Ruhe genau dann am schönsten,
wenn niemand irgendwohin muss
und trotzdem alles Wichtige erledigt ist.“