1) Ein Morgen wie für sie gemacht
Schon beim Öffnen der Terrassentür wusste Uschi, dass dies ein besonderer Sommertag werden konnte.
Die Luft war warm, aber nicht schwer. Zwischen den Blättern des Apfelbaums bewegte sich eine sanfte Brise, und über dem Garten lag helles, weiches Licht.
Lara trat neben sie und atmete tief ein.
„Heute ist es genau richtig.“
Uschi nickte. „Nicht zu heiß. Nicht zu kühl.“
Im Pool zog Stinkerle bereits ruhig seine erste Bahn. Waschbär saß am Rand und ließ die Füße im Wasser kreisen. Niemand sprang, rief oder baute eine Rutsche auf.
Das Känguru lag in seiner Hängematte, gut eingecremt und vollständig im Schatten.
„Die klimatische Mitte ist erreicht“, verkündete es.
„Wir machen Yoga“, sagte Lara.
Das Känguru hob eine Pfote. „Auch eine Form der inneren Mitte.“
Uschi und Lara sahen sich an.
„Wir gehen ein bisschen weiter nach hinten“, sagte Uschi.
Dort war das Känguru noch zu hören, aber nicht mehr ganz so deutlich.
2) Matten zwischen Blumen und Kräutern
Sie legten ihre Yogamatten auf eine freie Stelle im Gras, nahe beim Lavendel und nicht weit vom Kräuterbeet.
Uschis Matte war in einem sanften Grünton gehalten, Laras etwas dunkler und mit einem feinen Muster am Rand. Daneben stellten sie zwei Wasserflaschen, kleine Handtücher und eine Schale mit Haarbändern.
Lara band ihr Haar hoch.
„So besser.“
Uschi strich ihr Shirt glatt und legte einen leichten Schal ab, den sie am Morgen noch getragen hatte.
„Wir fangen langsam an.“
Sie stellten sich nebeneinander auf die Matten, schlossen die Augen und atmeten.
Die Brise strich über ihre Arme. Vom Kräuterbeet kam der Duft nach Minze und Rosmarin, vom Lavendel eine weiche, warme Note.
Für einige Atemzüge war nichts weiter wichtig.
Nicht der Pool.
Nicht die Küche.
Nicht irgendein Projekt.
Nicht einmal der Hai, der aus respektvoller Entfernung prüfte, ob beide genügend Wasser bereitgestellt hatten.
Dann begannen sie sich zu bewegen.
Langsam. Ruhig. Gemeinsam.
3) Bewegungen ohne Eile
Lara führte einige sanfte Dehnungen an.
Uschi folgte, zunächst vorsichtig, dann immer sicherer. Sie streckten die Arme zum Himmel, beugten sich nach vorn und gingen anschließend in ruhige, lange Positionen.
„Nicht ziehen“, sagte Lara leise. „Nur Raum schaffen.“
Uschi atmete aus. „So?“
„Genau.“
Manchmal mussten beide lachen, besonders als Uschi bei einer Balancehaltung kurz zur Seite schwankte und Lara beinahe mitnahm.
„Das war nicht geplant“, sagte Uschi.
„Aber elegant gerettet.“
„Sehr elegant.“
Sie richteten sich wieder auf.
Vom Pool kam ein leises Plätschern. Waschbär wollte offenbar etwas sagen, doch Stinkerle legte ihm eine Pfote auf den Arm und schüttelte den Kopf.
Die beiden Frauen bekamen ihre Ruhe.
Selbst das Känguru beschränkte sich auf einen einzigen Satz:
„Körperliche Selbstbestimmung in fließender Form.“
Danach blieb es überraschend still.
4) Eine Stunde nur für zwei
Mit der Zeit wurde die Yogastunde ruhiger.
Uschi und Lara saßen einander gegenüber, die Beine locker gekreuzt. Sie machten sanfte Übungen für Schultern, Hände und Rücken. Danach lehnten sie sich auf die Matten zurück und sahen in den Himmel.
Über ihnen zogen dünne Wolken langsam weiter.
Lara drehte den Kopf zu Uschi.
„Ich mag solche Tage.“
„Ich auch.“
„Wenn nichts drängt.“
Uschi lächelte. „Und wir einfach etwas Schönes zusammen machen.“
Sie blieben noch eine Weile liegen, die Hände entspannt neben sich, das Gras kühl unter den Matten und die Sonne angenehm auf der Haut.
Es war keine große Veranstaltung. Kein sportlicher Ehrgeiz. Keine komplizierte Abfolge.
Nur zwei Freundinnen, die sich Zeit nahmen.
Für ihre Körper.
Für Ruhe.
Für Nähe.
Und für das angenehme Gefühl, sich im eigenen Tempo bewegen zu dürfen.
5) Frisch unter der Gartendusche
Nach der letzten Entspannung setzten sich beide langsam auf.
„Jetzt Gartendusche“, sagte Uschi.
Lara nickte sofort.
Sie trugen die Matten zur Terrasse, stellten sie zum Lüften auf und gingen barfuß zur Dusche.
Uschi trat zuerst unter den kühlen Strahl. Das Wasser lief über ihre Schultern und Arme, nahm die Wärme der Bewegung mit und ließ sie hörbar aufatmen.
„Herrlich.“
Lara folgte. Sie löste noch einmal ihr Haar und hielt den Kopf kurz unter die Brause.
Die Sonne glitzerte in den Tropfen.
Waschbär sah vom Pool herüber.
„Ihr seht aus wie eine Werbung für einen sehr friedlichen Sommer.“
„Das ist heute unser Thema“, sagte Lara.
Danach wickelten sich beide in große, weiche Handtücher und gingen ins Haus, um sich umzuziehen.
Als sie zurückkamen, trug Uschi ein leichtes Kleid, Lara einen luftigen Rock mit einem hellen Oberteil. Beide hatten die Haare frisch gerichtet, ein wenig Schmuck angelegt und ihre gepflegten Hände wirkten im Sonnenlicht besonders fein.
Kroko sah kurz auf.
„Schön.“
Uschi lächelte. „Danke.“
6) Früchtetee auf der Terrasse
Lara hatte am Morgen bereits eine Kanne Früchtetee vorbereitet.
Nun war er abgekühlt. Sie gab Pfirsichstücke, einige Beeren und ein paar Eiswürfel hinein. Uschi ergänzte frische Minze aus dem Garten.
Dann setzten sie sich auf die Terrasse.
Nicht an den großen Tisch, sondern an den kleineren Platz unter dem Sonnensegel, etwas abseits vom Pool.
Vor ihnen standen zwei Gläser mit rosigem Früchtetee. Die Minzblätter bewegten sich leicht an der Oberfläche, und die Beeren gaben langsam ihre Farbe ab.
Uschi nahm einen Schluck.
„Perfekt.“
Lara lehnte sich zurück. „Nach Yoga schmeckt alles besser.“
„Vielleicht, weil man langsamer trinkt.“
Sie sprachen über den Garten, über Farben für neue Blumen, über Kleidung, die sie im Sommer gern trugen, und darüber, wie schön es war, einmal einen Tag zu haben, der sich weich anfühlte.
Kein Tier mischte sich ein.
Der Hai ging nur einmal vorbei, sah die Wassergläser auf dem Tisch und war beruhigt.
Das Känguru schlief inzwischen in der Hängematte.
Auch das war hilfreich.
7) Ein Nachmittag in sanften Farben
Später setzte Lara etwas Musik an.
Leise, ruhig und leicht. Nichts, das den Garten beherrschte.
Uschi holte eine kleine Schale mit Pfirsichspalten und Trauben. Beide teilten sie sich, während die Brise durch das Sonnensegel strich.
Im Pool lagen inzwischen Odin und der weiße Tiger nur mit den Füßen im Wasser. Waschbär trieb auf einem Ring. Stinkerle saß am Rand.
Niemand machte viel Lärm.
Die Küchenkatzen lagen auf ihrer Sonnenloge und beobachteten Uschi und Lara mit halb geschlossenen Augen.
Minimaler Positionswechsel: ein wenig näher an die sanfte Musik, ohne erkennbares Interesse zuzugeben.
Lara betrachtete Uschis Nägel.
„Die Farbe passt sehr schön zu deinem Kleid.“
Uschi hielt die Hand ins Licht.
„Meinst du?“
„Sehr.“
Uschi lächelte zufrieden.
Dann sah sie zu Laras Ohrringen.
„Und deine sind heute besonders hübsch.“
Lara strich kurz darüber. „Die trage ich viel zu selten.“
„Dann heute genau richtig.“
Es war diese Art von Gespräch, die niemandem etwas beweisen musste und trotzdem lange im Gedächtnis blieb.
8) Mozarts Satz des Tages
Am Abend wurden die Schatten länger.
Uschi und Lara räumten die Gläser nicht sofort weg. Sie blieben noch sitzen, die Füße entspannt nebeneinander, während der Garten langsam ruhiger wurde.
Das Känguru wachte auf und murmelte: „Ich habe über Freiheit nachgedacht.“
„Du hast geschnarcht“, sagte Stinkerle.
„Unterbewusst.“
Uschi und Lara lachten.
Mozart saß nicht weit entfernt mit seinem Notizbuch. Er hatte die beiden den ganzen Tag immer wieder gesehen: auf den Matten im Gras, unter der Gartendusche, mit Früchtetee und leiser Musik auf der Terrasse.
Dann sagte er:
„Manche Sommertage sind nicht groß,
sondern sanft.
Zwei Matten im Gras,
eine leichte Brise,
gepflegte Hände,
kühles Wasser auf warmer Haut
und ein Glas Früchtetee
zwischen zwei Freundinnen.
Ruhe ist manchmal besonders schön,
wenn man sie nicht allein verbringt,
sondern mit jemandem,
bei dem selbst das Schweigen
weich und vertraut sein darf.“