1) Höchstwerte
Schon am Vormittag stand die Sonne so klar über dem Flanellweg, als hätte jemand den Himmel frisch geputzt und jede Wolke entfernt.
Der Hai stand vor seiner Wetterstation und sagte mit ernster Stimme: „Neuer Höchstwert.“
Kroko, der im Schatten saß und nicht einmal brummte, sondern nur atmete, hob den Kopf. „Wie hoch?“
Der Hai nannte die Zahl.
Alle schwiegen.
Das Känguru lag nicht in der Hängematte, sondern darunter. „Ich widerspreche dieser Temperatur politisch.“
Uschi fächerte sich mit einem kleinen Heft Luft zu. „Heute wird nichts gearbeitet.“
„Außer Überleben“, sagte Lara.
Die Küchenkatzen lagen auf der Sonnenloge, aber nur im Schattenbereich. Minimaler Positionswechsel: weg von Sonne, hin zu völliger Bewegungslosigkeit.
2) Schatten und Pool
Der Tag wurde offiziell zum Schattentag erklärt. Der verbesserte Sonnenschirm leistete hervorragende Arbeit, das kleine Fähnchen flatterte kaum, weil selbst der Wind offenbar keine Lust hatte.
Uschi und Lara saßen am Poolrand, die Füße im Wasser. Der Hai hatte die Poolwerte geprüft und ausnahmsweise sehr schnell freigegeben.
„Wasserwerte akzeptabel. Nutzung empfohlen.“
„Das klingt fast freundlich“, sagte Lara.
„Es ist heiß“, sagte der Hai. „Ich bin pragmatisch.“
Kroko stellte kühle Getränke bereit und erklärte, das Abendessen werde „kalt oder gar nicht“. Odin saß mit Sonnenbrille im Schatten und sagte nur: „Richtig.“
Mozart schrieb nicht. Er sah auf das Wasser und sagte: „Manche Tage verlangen keine Gedanken, sondern Abkühlung.“
3) Geräusche aus dem Schuppen
Gegen Mittag verschwanden Waschbär und Stinkerle im Gartenschuppen.
„Das ist verdächtig“, sagte der Hai sofort.
„Zu heiß für Verdacht“, murmelte das Känguru.
Aus dem Schuppen kamen Geräusche: Holzschieben, Schrauben, ein dumpfes Klopfen, dann Waschbärs Stimme.
„Das ist keine Rampe, das ist ein Sommerbeschleuniger!“
Stinkerle antwortete: „Es ist eine Rutsche.“
„Eine Wasserrutsche.“
„Wenn sie hält.“
Der Hai stand auf. „Wenn?“
Uschi legte ihm eine Pfote auf den Arm. „Lass sie kurz.“
„Ich lasse sie nicht lange.“
Eine halbe Stunde später kamen die beiden heraus: Stinkerle mit Werkzeug, Waschbär mit einem breiten Grinsen. Hinter ihnen lag eine kleine Konstruktion aus glatten Brettern, alten Kunststoffplatten, einem Stück Gartenschlauch und sehr viel Improvisation.
4) Die Rutsche wird getestet
Stinkerle befestigte die kleine Rutsche am Poolrand. Nicht hoch, nicht gefährlich, eher eine sanfte Schräge direkt ins Wasser. Der Gartenschlauch wurde oben angebracht, sodass ein dünner Wasserfilm über die Fläche lief.
Der Hai prüfte die Konstruktion.
„Kanten abgeschliffen?“
„Ja“, sagte Stinkerle.
„Stabilisiert?“
„Ja.“
„Rutschrichtung eindeutig in den Pool?“
„Das war der Grundgedanke“, sagte Waschbär.
Der Hai rüttelte daran. Die Rutsche hielt.
„Unter Aufsicht nutzbar“, sagte er schließlich.
Waschbär hob beide Pfoten. „Freigabe!“
Natürlich wollte er zuerst. Er setzte sich oben hin, rutschte los, machte ein überraschtes „Uiiii!“ und platschte in den Pool.
Alle lachten.
Sogar Kroko brummte belustigt.
5) Der große Rutschbetrieb
Danach gab es kein Halten mehr.
Stinkerle rutschte als Nächster, sehr kontrolliert und technisch sauber. Lara probierte es lachend, Uschi erst vorsichtig, dann noch einmal mit deutlich mehr Freude. Tigerlein filmte natürlich alles, wobei der Hai darauf bestand, dass niemand während des Rutschens direkt vor die Linse schaute.
„Sicherheitsabstand.“
„Auch für Kameras?“, fragte Tigerlein.
„Besonders für Kameras.“
Das Känguru erklärte zunächst, es werde sich „nicht von einer wasserbetriebenen Holzstruktur dem Pool zuführen lassen“. Fünf Minuten später saß es oben auf der Rutsche.
„Das ist kein Gruppendruck“, sagte es. „Das ist Feldforschung.“
Dann rutschte es los, landete mit einem großen Platsch im Wasser und tauchte sehr würdevoll wieder auf.
„Die Forschung war erfolgreich.“
Odin nutzte die Rutsche nicht. Aber er lächelte hinter seiner Sonnenbrille. Für Odin war das fast ein Sprung vom Zehnmeterbrett.
6) Mozarts Satz des Tages
Am Abend war die Hitze noch immer da, aber sie hatte ihren Schrecken verloren. Die Tiere saßen nass, müde und zufrieden im Schatten. Die kleine Rutsche stand am Poolrand, tropfte leise vor sich hin und sah aus, als sei sie schon immer Teil des Sommers gewesen.
Waschbär betrachtete sie stolz. „Aus Resten gebaut. Für Freude optimiert.“
Der Hai nickte. „Überraschend funktional.“
„Das ist dein schönstes Kompliment“, sagte Lara.
Mozart sah zum wolkenlosen Himmel, dann zum Pool, und sagte:
„Wenn der Himmel keine Wolke schenkt,
muss man sich manchmal
selbst eine Abkühlung bauen.
Aus Brettern, Wasser,
alten Resten
und einer Idee,
die erst fragwürdig klingt.
So wird aus Hitze
ein Platschen.“