16. Februar 2026 Schnee Fasching 6 min

Das Känguru und die Rosenmontags-Sitzung

Das Känguru und die Rosenmontags-Sitzung

1) Wohnzimmer wird Narrenschiff

Schon am Vormittag roch das Haus nach „gleich passiert was“. Waschbär hatte irgendwo eine Kiste mit Luftschlangen gefunden und sie mit der Ernsthaftigkeit eines Kurators über die Türrahmen drapiert: nicht zu viel, nicht zu wenig – ästhetische Übertreibung, wie er es nannte.

Uschi stellte ein Tablett mit Berlinern (aus dem Korb von Björn, den sie natürlich „für später“ eingefroren hatte und nun feierlich auftauen ließ) neben die Teekannen. Kroko brummte, dass Karneval ohne etwas Warmes nicht geht, und stellte eine Schüssel Kartoffelsalat in Reichweite, „damit man nicht nur Zucker atmet“.

Der Hai klebte ein Blatt Papier an die Wohnzimmertür:
„PROGRAMMABLAUF ROSENMONTAG – SITZUNG (intern)“
Darunter in kleiner Schrift: „Konfetti nur kontrolliert.“

„Das ist Kunstfeindlichkeit“, sagte das Känguru.
„Das ist Staubsaugerfreundlichkeit“, sagte der Hai.

Elise fuhr im Flur vorbei, sah die Luftschlangen und drehte – ohne erkennbaren Grund – eine besonders elegante Acht, als würde sie sich warmfahren.


2) Bütt und Bühne: Der Hai als Sitzungspräsident

Der Hai hatte sich – wie immer ungefragt – zum Sitzungspräsidenten erklärt. Er stand mit Klemmbrett und Tablet am Rand, trug eine winzige Pappkappe, die ihm Waschbär aufgesetzt hatte, und sah dabei aus wie ein Beamter, der aus Versehen in einer sehr fröhlichen Behörde gelandet ist.

„Ich eröffne die Sitzung“, sagte er feierlich. „Punkt eins: Begrüßung. Punkt zwei: Büttenrede. Punkt drei: Konfetti—“
„Punkt drei ist Explosion,“ flüsterte Stinkerle und tätschelte seine Erfindung, die auf einem kleinen Rollbrett stand und aussah wie ein zu ernst genommener Partygag.

Mozart saß im Sessel, wie immer das ruhige Zentrum, und trug heute eine kleine Schleife um den Hals – Uschis Werk. Odin war auch da, mit einem Glas Apfelwein, und wirkte, als würde er Karneval grundsätzlich gutheißen, solange es eine gewisse Würde behält.

Die Küchenkatzen hatten ihren Platz vor dem Kamin bezogen, beide exakt gleich weit vom wärmsten Fleck entfernt. Minimaler Positionswechsel: heute lagen sie einen Zentimeter näher an der Glut. Karneval ist schließlich Ausnahmezustand.


3) Das Känguru in der Bütt: Politik mit Pappnase

Dann stieg das Känguru auf die improvisierte Bühne – ein umgedrehter Hocker mit einer Decke drüber. Es trug eine Pappnase und hatte in seinem Beutel… natürlich seine Mao-Bibel, aber auch einen Zettel mit Notizen.

„Liebe Genossinnen und Genossen… äh… Närrinnen und Narren!“ begann es und wartete, bis Lara vom Radio einen kurzen Tusch einspielte.

Die Rede startete harmlos: über Winter, über Schneematsch, über die „gläserne Decke der Hängemattenrechte“. Alle lachten. Selbst der Hai machte ein winziges Hm.

Doch dann wurde das Känguru warm.

„Und dann fragt man sich“, rief es, „warum im Februar immer noch so getan wird, als wäre Kälte alternativlos! Warum wird nicht einfach das Wetter demokratisiert?“
„Das…“, murmelte der Hai, „ist meteorologisch nicht vorgesehen.“
„Genau das ist das Problem!“ rief das Känguru und gestikulierte so wild, dass seine Pappnase kurz verrutschte.

Odin lehnte sich zurück, amüsiert. „Lass es laufen“, sagte er leise zu Mozart.
Mozart nickte. „Manchmal braucht ein Haus auch ein bisschen Übertreibung, damit es sich wieder ehrlich anfühlt.“

Waschbär klatschte begeistert, weil er nicht jedes Argument verstand, aber den Rhythmus liebte. Kroko lachte an den Stellen, wo es um Essen ging. Uschi lachte an den Stellen, wo das Känguru sich selbst zu ernst nahm.


4) Stinkerles Konfettikanone: Version 1.0 „Rosenboom“

„Und jetzt“, sagte der Hai vorsichtig, „Punkt drei. Konfetti. Unter Aufsicht.“
Stinkerle strahlte wie ein Kind mit Werkzeugführerschein. „Keine Sorge. Ich hab alles getestet.“
Waschbär hob eine Augenbraue. „Du sagst das immer.“
„Diesmal stimmt’s“, sagte Stinkerle. „Wahrscheinlich.“

Er stellte die Kanone in Richtung Decke, drehte an einem Regler, und man hörte ein leises Summen. Dann – ein Pfft, gefolgt von einem PFOOM, das in einem normalen Haushalt sofort zur Evakuierung geführt hätte.

Konfetti schoss raus. Nicht nur ein bisschen. Es war, als hätte jemand eine bunte Wolke in die Luft geworfen, die sich entschied, sehr langsam zu fallen und dabei jede Oberfläche persönlich kennenzulernen.

Der Hai riss die Augen auf. „Das ist nicht kontrolliert!“
„Doch!“, rief Stinkerle. „Es fällt gleichmäßig!“
„Es fällt überall!“
„Das ist der Sinn!“

Elise fuhr sofort los, als hätte jemand ihr Leben lang auf diesen Moment gewartet. Sie jagte Konfetti wie Krümel, nur dass Konfetti sich nicht aufsaugen lassen wollte, sondern an ihr klebte wie ein Kostüm.

Die Küchenkatzen blinzelten, bekamen ein Konfettistück auf die Nase und entschieden kollektiv: Wir sind jetzt auch dekoriert.


5) Tusch, Tee und ein bisschen Chaos, das gut tut

Nach der Explosion saßen alle wieder, leicht atemlos, mit Konfetti im Fell und einer Stimmung, die erstaunlich zart war. Das Känguru setzte seine Pappnase wieder richtig auf und sagte: „So sieht gelebte Kultur aus.“

„So sieht gelebte Reinigung aus“, sagte der Hai und sah Elise zu, die tapfer ihre Runden drehte. „Elise wird überlastet.“
Uschi kniete sich hin, zupfte ein paar Konfettischnipsel aus dem Teppich und sagte freundlich: „Heute darf’s das. Es ist Rosenmontag.“

Kroko stellte heißen Kakao hin – ein bisschen absurd zu Karneval, aber bei ihnen passte es. Odin schenkte ein kleines Glas Apfelwein nach. Mozart lächelte in die Runde, als würde er das Haus gerade dabei beobachten, wie es einmal kurz nicht funktionieren muss, um danach wieder umso besser zu funktionieren.

Lara spielte einen letzten Tusch und sagte in Radiostimme: „Meine Damen und Herren, das war die Sitzung. Das Programm wird fortgesetzt mit: Berliner essen, lachen, und später gemeinsames Aufräumen.“

Der Hai nickte. „Das ist ein Plan.“
Das Känguru hob den Brownie-Rest vom Vortag wie ein Mikrofon. „Und morgen machen wir Revolution im Putzwesen!“
„Morgen ist Dienstag“, sagte Uschi. „Morgen trinken wir erstmal Tee.“


6) Mozarts Satz des Tages

Mozart sah, wie Konfetti im Kaminlicht glitzerte, und sagte:

„Manchmal braucht ein Haus
einen Tag, an dem es nicht perfekt sein muss.
Ein bisschen Lärm, ein bisschen Farbe,
ein bisschen Übermut –
damit man danach wieder merkt,
wie schön Ruhe sein kann.
Und wie gut es tut,
gemeinsam zu lachen.“