1) Der große Moment
Am Donnerstagmorgen stand Stinkerle bereits neben der Ventilbox.
Der Schlauch lag sauber ausgerollt auf dem Rasen. Die Steuerleitungen waren geprüft, die Regner saßen bündig im Boden, und der Hai hielt den ausgedruckten Gartenplan in beiden Flossen.
„Wir beginnen mit Zone eins“, sagte er.
Waschbär trug vorsichtshalber kurze Kleidung und keine Schuhe.
„Ich bin bereit.“
„Wofür?“, fragte Stinkerle.
„Für den Regen.“
Das Känguru hatte seine Hängematte deutlich weiter von der Rasenfläche weggezogen.
„Ich beobachte aus einem sicheren, trockenen Bereich.“
Uschi und Lara standen unter dem Sonnensegel mit Getränken. Kroko lehnte an der Terrassentür. Odin und der weiße Tiger warteten in etwas Abstand.
Die Küchenkatzen lagen auf ihrer Sonnenloge und ahnten noch nichts.
Stinkerle schloss den Hauptschlauch an.
„Druck langsam aufbauen.“
Der Hai nickte.
„Zone eins öffnen.“
Stinkerle drehte das erste Ventil auf.
Für einen kurzen Moment geschah nichts.
Dann erhoben sich mehrere kleine Regner aus dem Rasen.
Waschbär strahlte.
„Sie wachsen!“
2) Der erste undichte Verbinder
Der erste Regner begann zu sprühen.
Der zweite ebenfalls.
Beim dritten hörte man jedoch ein leises Zischen aus dem Boden.
Stinkerle ging sofort hin.
An einer Stelle bildete sich eine kleine Pfütze. Wasser drückte aus einem Verbinder, der offenbar nicht vollständig dicht saß.
„Ventil zu“, sagte er.
Der Hai blickte auf den Plan.
„Abzweig südliche Rasenzone. Verbindung zwei.“
„Ich sehe es.“
Stinkerle öffnete die Erde vorsichtig wieder, zog den Verbinder nach und prüfte das Rohrende.
„Nicht ganz bis zum Anschlag.“
Waschbär kniete daneben.
„Das Wasser hat einen geheimen Ausgang gefunden.“
„Jetzt nicht mehr.“
Nach dem erneuten Öffnen blieb die Stelle trocken.
Der Hai machte eine Notiz.
„Erste Abweichung behoben.“
Das Känguru rief aus der Hängematte: „Das System zeigt bereits Widerstand gegen zentralisierte Wasserführung!“
„Der Verbinder war locker“, sagte Kroko.
„Auch Widerstand beginnt klein.“
3) Der kaputte Regner
Zone eins lief nun besser.
Dann öffnete Stinkerle das nächste Ventil.
Ein Regner fuhr hoch, drehte sich kurz und begann plötzlich, Wasser in alle Richtungen zu schleudern.
Nicht als feiner Bogen.
Eher als unkontrollierter Springbrunnen.
Ein Strahl traf die Terrasse. Einer schoss gegen die Hauswand. Ein dritter ging direkt auf das Känguru zu.
Das Känguru sprang aus der Hängematte.
„Sabotage!“
Waschbär lief lachend durch die Wasserstrahlen.
„Der ist großartig!“
„Der ist kaputt“, sagte Stinkerle.
Der Hai sah entsetzt auf den Plan.
„Dieser Regner soll einen Halbkreis von neunzig Grad abdecken.“
„Er macht dreihundertsechzig und Chaos“, sagte Kroko.
Stinkerle schloss das Ventil und schraubte den defekten Regner aus.
Das Innenleben war beschädigt.
„Wird getauscht.“
Zum Glück lag ein Ersatzteil im Karton.
Waschbär hielt den kaputten Regner hoch.
„Kann ich den behalten?“
„Nein.“
„Für Kunst?“
„Später.“
4) Regen auf Terrasse und Katzen
Nach dem Austausch wurden alle Zonen nacheinander getestet.
Nun zeigte sich das nächste Problem: Die Düsen waren zwar eingebaut, aber noch nicht genau eingestellt.
Ein Regner sprühte zu weit auf den Weg.
Ein anderer traf den Rand der Terrasse.
Ein dritter bewässerte sehr gewissenhaft einen leeren Liegestuhl.
„Reichweite reduzieren“, sagte der Hai.
Stinkerle drehte an der Einstellschraube.
In diesem Moment traf ein Wasserbogen die Sonnenloge.
Die beiden Küchenkatzen sprangen gleichzeitig auf.
Die getigerte Katze bekam einen feinen Sprühnebel über den Rücken. Die Leopardenkatze wurde an einer Pfote nass.
Beide sahen empört zum Rasen.
Minimaler Positionswechsel: vollständige Aufgabe der Sonnenloge.
Sie liefen zur Terrassentür, dann am Haus entlang und verschwanden ohne Umweg in Richtung Frau Nüsslein.
Tigerlein sah ihnen nach.
„Externe Verlagerung aufgrund technischer Niederschlagsereignisse.“
„Sie kommen später wieder“, sagte Uschi.
Das Känguru zeigte auf die Hecke.
„Klimaflucht im Kleinen.“
„Sie sind leicht nass geworden“, sagte der Hai.
„Jede Flucht beginnt mit einer Zumutung.“
5) Waschbär im künstlichen Regen
Waschbär störte der ungeplante Regen überhaupt nicht.
Er ging mitten über den Rasen, während die Regner liefen, und prüfte mit Stinkerle jeden einzelnen Wasserbogen.
„Der hier zu weit links.“
„Stimmt.“
„Der dort trifft nur halb das Beet.“
„Düse drehen.“
„Und der hier macht einen schönen Regenbogen.“
„Nicht technisch relevant.“
„Aber schön.“
Stinkerle stellte Winkel und Reichweiten ein. Waschbär stand dabei oft genau dort, wo das Wasser hinsollte.
Innerhalb weniger Minuten war er vollständig nass.
Uschi rief von der Terrasse: „Du kannst auch aus dem Sprühbereich gehen!“
„Dann sehe ich nicht, wo er endet!“
Der Hai hielt den Plan hoch.
„Der Endpunkt ist eingezeichnet.“
Waschbär breitete die Arme aus.
„Aber hier fühlt man ihn.“
Das Känguru hatte inzwischen einen großen Regenschirm aufgespannt.
„Ich lehne Feldversuche am lebenden Tier ab.“
Ein seitlicher Sprühstoß traf trotzdem seine Füße.
Es zog sie empört in die Hängematte.
6) Noch mehr kleine Undichtigkeiten
Bei der Beetzone zeigte sich ein zweiter undichter Verbinder.
Diesmal tropfte es nur leicht, aber der Hai bemerkte es sofort.
„Druckverlust.“
Stinkerle kniete sich hin.
„Sehr gering.“
„Messbar.“
„Trotzdem reparieren wir es.“
Die Erde wurde erneut geöffnet, die Verbindung gelöst, gereinigt und neu eingesetzt.
An einer anderen Stelle saß eine Dichtung schief. Auch sie wurde korrigiert.
Der weiße Tiger half dabei, die Zonen einzeln zu protokollieren.
„Rasen dicht. Beete dicht. Randzone nachgezogen.“
Der Hai verglich die tatsächlichen Reichweiten mit seinen Kreisen auf dem Plan.
„Dieser Regner erreicht den nächsten um ungefähr zwanzig Zentimeter weniger als vorgesehen.“
Kroko sah auf den nassen Rasen.
„Trotzdem alles nass.“
„Aber nicht exakt.“
Stinkerle änderte die Düse minimal.
„Jetzt?“
Der Hai prüfte.
„Neunzehn Zentimeter.“
Alle schwiegen.
„Wir lassen es“, sagte der weiße Tiger.
Der Hai wirkte nicht glücklich.
Aber er schrieb nichts mehr dazu.
7) Alles funktioniert
Nach mehreren Durchläufen war die Anlage endlich so eingestellt, wie sie sollte.
Die Rasenzone bewässerte den Rasen gleichmäßig.
Die Beetzone versorgte Gemüse, Kräuter und Blumen, ohne alles zu überfluten.
Die Randzone erreichte Sträucher und kleinere Pflanzflächen.
Die Terrasse blieb nun trocken.
Die Hängematte ebenfalls.
Das Känguru faltete den Regenschirm wieder zusammen.
„Akzeptabel.“
Waschbär stand tropfend neben Stinkerle.
„Noch einmal alle zusammen?“
„Nein. Zonen nacheinander.“
„Schade.“
Der Hai sah über den Garten.
„Die Überdeckung ist weitgehend gut. Der Wasserauftrag gleichmäßig. Keine sichtbaren Leckagen.“
Stinkerle nickte zufrieden.
„Dann kann morgen die Steuerung dran.“
Uschi brachte Handtücher.
Lara reichte Waschbär eines.
„Du bist nasser als nach dem Pool.“
„Das war technischer Regen.“
„Wasser ist Wasser“, sagte Kroko.
„Nicht emotional.“
8) Wasserspiel im Sonnenuntergang
Am Abend wurde die Anlage noch einmal für einen kurzen Demonstrationslauf eingeschaltet.
Die Sonne stand tief über dem Garten. Das Licht fiel durch die feinen Wasserbögen und machte aus jedem Regner einen kleinen goldenen Fächer.
Alle saßen auf der Terrasse.
Sogar der Hai legte den Plan zur Seite.
Die Wasserstrahlen bewegten sich ruhig über den Rasen. Kleine Tropfen glitzerten in der Luft, und dort, wo die Bögen sich überschnitten, entstanden kurze Regenbogenstücke.
Dann kamen die Vögel.
Zuerst zwei Amseln.
Dann mehrere Spatzen.
Ein Rotkehlchen setzte sich an den Rand einer kleinen Pfütze, und bald hüpften überall Tiere über den feuchten Rasen, tranken aus den Tropfen und pickten in der aufgeweichten Erde.
Uschi lächelte.
„Sie freuen sich.“
Lara nickte. „Nicht nur der Garten.“
Die Küchenkatzen kehrten in diesem Moment von Frau Nüsslein zurück. Sie sahen die vielen Vögel, blieben kurz stehen und setzten sich dann auffallend ruhig auf die Terrasse.
Minimaler Positionswechsel: strategische Beobachtung des Rasens aus sicherer Trockenheit.
Der Hai betrachtete noch einmal einen Regner, dessen Wasserbogen nicht ganz so weit reichte wie im Plan.
Dann sah er die Vögel, den glitzernden Garten und die zufriedenen Tiere.
Er vergaß die Abweichung.
Zumindest für diesen Abend.
Mozart sah über den feuchten Rasen und sagte:
„Kein neuer Regen fällt beim ersten Versuch
genau dorthin, wo man ihn erwartet.
Ein Verbinder tropft,
ein Regner dreht durch,
Katzen werden nass
und ein Waschbär läuft begeistert mitten hinein.
Doch mit Geduld werden aus wilden Strahlen
ruhige Bögen,
aus einem Plan ein funktionierender Garten
und aus Technik plötzlich ein Wasserspiel.
Wenn dann die Vögel kommen,
vergisst selbst der Hai für einen Moment,
dass ein Kreis auf dem Papier
ein paar Zentimeter größer war.“