08. Juli 2026 Sonnig Sommer 6 min

Die neue Gartendusche am Pool

Die neue Gartendusche am Pool

1) Die Idee am Poolrand

Am Mittwochmorgen stand der Pool wieder klar und ordentlich im Garten.

Der Hai ging am Rand entlang, prüfte die Wasseroberfläche und nickte zufrieden.

„Wasserwerte stabil. Filteranlage läuft ruhig. Sichttiefe sehr gut.“

Waschbär saß daneben und ließ die Füße über dem Wasser baumeln.

„Dann müssen wir ihn jetzt nur sauber halten.“

Der Hai sah zu ihm. „Korrekt.“

Stinkerle kam mit einem Becher Wasser aus dem Haus. „Vorher abduschen wäre sinnvoll.“

Waschbär richtete sich auf. „Eine Gartendusche.“

„Ja.“

„Direkt hier.“

„Nicht direkt am Rand. Etwas versetzt.“

Der Hai war sofort aufmerksam. „Mit ausreichendem Abstand zum Becken. Rutschfester Untergrund. Geordneter Wasserablauf. Kein Schmutzwasser zurück in den Pool.“

Waschbär sah zu Stinkerle. „Er hat die Idee sehr schnell übernommen.“

„Er hat Anforderungen übernommen“, sagte Stinkerle.

Das Känguru rief aus der Hängematte: „Kaum entsteht eine Dusche, entsteht schon eine Vorschrift!“

„Sonst entsteht Schlamm“, sagte der Hai.

„Auch ein System.“


2) Material aus dem Schuppen

Im Gartenschuppen fanden Waschbär und Stinkerle fast alles, was sie brauchten.

Eine stabile Holzplatte.
Mehrere glatte Latten.
Ein Stück Gartenschlauch.
Eine alte, aber gut erhaltene Brause.
Zwei Metallwinkel.
Eine kleine Ablaufrinne.
Ein paar flache Steine.
Und natürlich die Kiste mit Flohmarktresten.

Waschbär hielt den alten messingfarbenen Griff hoch, den er auf dem Wochenmarkt gekauft hatte.

„Endlich sein großer Moment.“

Stinkerle sah ihn an. „Wofür?“

„Zum Aufhängen des Handtuchs.“

Stinkerle prüfte den Griff. „Geht.“

Waschbär strahlte. „Ich wusste es.“

Sie trugen alles an einen Platz zwischen Terrasse und Pool. Dort war genug Abstand zum Wasser, aber der Weg blieb kurz. Stinkerle maß aus, wo die Bodenplatte liegen sollte.

„Leichtes Gefälle nach hinten“, sagte er.

„Damit das Wasser weiß, wohin es soll“, sagte Waschbär.

„Damit es abläuft.“

„Das meinte ich poetischer.“

Der Hai trat hinzu und sah auf die Konstruktion. „Bitte keine Staunässe neben dem Zitronenbäumchen.“

„Kommt nicht dahin“, sagte Stinkerle.

„Gut.“


3) Bauen mit Wasseranschluss

Stinkerle setzte zuerst den Untergrund. Die flachen Steine kamen unter die Holzplatte, damit sie nicht direkt auf der Erde lag. Die Ablaufrinne führte zu einer kleinen Kiesfläche, wo das Wasser versickern konnte.

Dann entstand der Rahmen.

Zwei senkrechte Pfosten, oben eine Querstrebe, daran die Brause. Der Schlauch wurde ordentlich an der Rückseite befestigt, nicht einfach lose darumgewickelt.

Waschbär wollte noch eine kleine Holztafel anbringen.

„Was soll darauf stehen?“, fragte Stinkerle.

„Vor dem Pool: kurz abduschen. Nach dem Pool: nochmal. Zwischendurch: einfach so.“

„Zu viel Text.“

Am Ende schrieb Waschbär nur:

Kurz duschen. Viel Freude.

Der Hai las es.

„Es fehlt der Hinweis auf Seifenverbot.“

„Wer duscht denn hier mit Shampoo?“, fragte Lara.

Der Hai sah in die Runde.

Waschbär hob beide Pfoten. „Ich nicht.“

„Dann reicht es“, sagte Uschi.

Der Messinggriff kam an die Seite, darunter ein zweiter Haken für Handtücher. Außerdem baute Stinkerle eine kleine Ablage für Brille, Seife – theoretisch – oder andere Dinge, die nicht nass werden sollten.

Odin sah kurz vorbei und sagte: „Gut platziert.“

Das war bereits eine Bauabnahme.


4) Der erste Test

Als alles stand, kam der große Moment.

Stinkerle drehte das Wasser auf.

Zunächst gluckerte der Schlauch.

Dann spritzte die Brause einmal seitlich.

Der Hai wich einen Schritt zurück.

Waschbär nicht.

Er bekam den ersten Schwall direkt ins Gesicht.

Einen Moment lang stand er einfach da, völlig nass.

Dann sagte er: „Funktioniert.“

Stinkerle richtete die Brause nach. Nun fiel das Wasser gleichmäßig nach unten, kühl und klar.

Uschi stellte sich darunter und hielt eine Pfote hinein. „Sehr angenehm.“

Lara probierte ebenfalls. „Das ist perfekt vor dem Pool.“

Der Hai prüfte den Ablauf. Das Wasser lief über die Platte, in die Rinne und dann sauber in die Kiesfläche.

„Kein Rücklauf zum Becken. Keine Pfützenbildung. Akzeptabel.“

Waschbär hob den Kopf. „Akzeptabel?“

„Sehr gut“, korrigierte der Hai.

Stinkerle nickte zufrieden.

Das Mähschaf fuhr in einiger Entfernung vorbei und brummte: „alles gut.“

Raseline antwortete von nebenan.


5) Abduschen wird zur neuen Regel

Natürlich dauerte es nicht lange, bis alle die Gartendusche benutzten.

Waschbär zuerst. Diesmal freiwillig und mit geschlossenen Augen. Dann Stinkerle. Lara stellte sich kurz darunter und ging anschließend direkt in den Pool. Uschi duschte sich Arme und Beine ab und blieb noch einen Moment im kühlen Wasserstrahl stehen.

Kroko kam aus der Küche.

„Muss ich auch?“

Der Hai zeigte auf das Schild.

„Kurz duschen.“

Kroko brummte, stellte sich darunter und wurde sofort ruhiger. „Gut.“

Das Känguru blieb zunächst in der Hängematte.

„Ich lehne Zwangsduschen ab.“

„Du willst später in den Pool“, sagte der Hai.

„Das ist eine private Entscheidung.“

„Dann vorher duschen.“

Das Känguru diskutierte noch zwei Minuten und stand dann unter der Brause.

„Das Wasser ist überraschend überzeugend.“

„Es ist Wasser“, sagte Kroko.

„Auch Wasser kann politisch unterschätzt werden.“

Odin duschte sich später nur kurz die Pfoten und Beine ab, sehr ordentlich, ohne Kommentar. Die Küchenkatzen beobachteten die neue Einrichtung aus sicherer Entfernung. Minimaler Positionswechsel: weiter weg vom Sprühbereich.


6) Abkühlung auch ohne Pool

Am Nachmittag zeigte sich, dass die Dusche nicht nur für den Pool praktisch war.

Die Sonne stand warm über dem Garten, und obwohl es nicht extrem heiß war, wurde die Gartendusche schnell zum kleinen Zwischenstopp.

Uschi kam vom Kräuterbeet und kühlte sich die Arme ab. Lara hielt kurz die Füße darunter. Stinkerle spülte Erde von den Pfoten. Waschbär stellte sich gleich ganz darunter und behauptete, er führe einen „mobilen Regenschauer mit festem Standort“ durch.

Der Hai nutzte die Dusche ebenfalls, aber nur sehr kontrolliert.

„Kurze Abkühlung. Niedriger Wasserverbrauch.“

Das Känguru lag wieder in der Hängematte und sagte: „Infrastruktur wirkt erneut befreiend.“

„Diesen Satz hast du schon bei der Klimaanlage gesagt“, bemerkte Lara.

„Gute Infrastruktur verdient Wiederholung.“

Der Pool blieb den ganzen Tag sauberer als sonst. Weniger Gras, weniger Erde, weniger kleine Spuren vom Garten.

Am Abend zeigte der Hai auf die Wasseroberfläche. „Deutlicher Effekt.“

Waschbär sah hinein. „Der Pool sieht weniger müde aus.“

„Diesmal akzeptiere ich das Bild“, sagte der Hai.


7) Mozarts Satz des Tages

Als die Sonne tiefer stand, hing ein Handtuch am alten Messinggriff, die Holzplatte trocknete langsam, und die Brause glänzte im Abendlicht.

Die Gartendusche wirkte schon jetzt, als hätte sie immer dorthin gehört.

Mozart saß unter dem Apfelbaum und sah zu Waschbär und Stinkerle.

„Manchmal bleibt etwas sauberer,
wenn man vorher kurz innehält.
Ein wenig Wasser auf den Pfoten,
Erde, die nicht mit in den Pool geht,
ein kühler Strahl
zwischen Garten und Becken –
und aus Resten im Schuppen
wird plötzlich ein neuer Sommerort.
Gute Ideen sind oft nicht groß.
Sie stehen einfach dort,
wo man sie jeden Tag braucht.“