19. Juni 2025 Bewölkt Sommer 3 min

Fronleichnam für Fortgeschrittene

Fronleichnam für Fortgeschrittene

Känguru, Katholizismus und Konflikt

„Fronleichnam“, verkündet das Känguru mit erhobenem Zeigefinger, „kommt von fron – dem Herrn – und lichnam, dem Leib. Wir sprechen hier also vom Leib des Herrn! Das ist nicht irgendein Grilldonnerstag!“

„Ich dachte, das ist der mit dem Teppich auf der Straße“, murmelte Waschbär, der gerade versuchte, eine Limettenbowle aus dem Gartenminz-Überfluss zu zaubern.

„Das nennt sich Prozession! Und weißt du eigentlich, dass dieser Feiertag auf eine Vision der heiligen Juliana von Lüttich zurückgeht? Im 13. Jahrhundert!“

„Ich hab Hunger“, sagte Kroko trocken, und schob ein paar marinierte Hähnchenteile auf den Rost.


Der Hai, die Kalender und das Chaos

Der Hai hatte sich eine Klemmbrett-Liste gemacht mit dem Titel:
„Feiertagsübersicht & Rückkehr zum Alltag“
Darin: farbliche Kennzeichnung der freien Tage, berechnete Produktivitätsverluste, und eine Tabelle mit idealen To-dos für die kommenden regulären Wochen.

„Noch dieser Tag“, murmelte er, „und dann ist wieder alles in Ordnung. Keine Feiertagsausreißer mehr. Kein improvisiertes Grillen, keine theologischen Vorträge. Nur Rhythmus. DIN-Rhythmus.“

„Was ist DIN für ein Feiertag?“, fragte das Känguru.

„Nicht DIN – das Deutsche Institut für Normung!“

„Klingt noch langweiliger als Fronleichnam.“

„Ist aber effizienter.“


Uschi deckt den Tisch, Lara schweigt

Uschi breitete eine karierte Tischdecke aus und stellte Salate hin, während Mozart still das Treiben beobachtete und leise ein Kirchenlied summte. Lara trug wie immer ihr flauschiges Shirt und lächelte wissend, sagte aber nichts – sie wusste, dass an Feiertagen Worte ohnehin verloren gingen zwischen Grillzange und Bibelzitat.

„Ein Feiertag ist, was man draus macht“, flüsterte sie dem Tigerlein zu, das mit einem alten Camcorder versuchte, die „Diskussion“ zwischen Känguru und Hai aufzunehmen.


Der Salat der Erkenntnis

Stinkerle hatte versehentlich Räuchertofu mit Hagebuttensenf gemischt.
„Ich nenn’s 'Fronleichnamsfusion'“, sagte er stolz.

„Unessbar“, meinte Kroko.

„Originell“, kommentierte Mozart.

„Heretisch“, befand das Känguru.

Waschbär kicherte und schlug vor, es zu lackieren und als Deko zu verwenden.


Ein Hoch auf das Irdische

Als am Abend die Sonne golden über dem Rasen hing, der Grill leise knackte und sogar der Hai sich ein kleines Stück Cevapcici gönnte (natürlich in gleichmäßige Viertel geschnitten), stießen alle mit selbstgemachter Limonade an.

„Auf den Herrn!“, rief das Känguru.

„Auf die Ordnung!“, der Hai.

„Auf die Bratwurst!“, Kroko.

Mozart hob sein Glas still und sagte dann:
„Vielleicht liegt die Wahrheit ja irgendwo dazwischen. Zwischen Himmel und Grillrost.“

Alle lachten.


Abschluss am Gartentisch

Später am Abend, als die ersten Glühwürmchen über den Beeten tanzten, der letzte Schluck Bowle verteilt und die Diskussionen verraucht waren, legte Lara eine Kassette ein. Darauf: ein altes Volkslied. Leise, friedlich.

„Das ist mein Fronleichnam“, sagte sie.
„Musik, Freunde und ein gut gedeckter Tisch.“

Und selbst das Känguru schwieg.
Zumindest kurz.