1) Der Hai zählt alles
Am Montagmorgen stand der Hai vor dem geöffneten Kühlschrank.
Neben ihm lag sein Tablet.
„Vier Liter Milch“, sagte er.
Kroko trank Kaffee.
„Gut.“
„Dazu sechs Becher Schlagsahne.“
Kroko sah hin.
„Auch gut.“
Der Hai tippte etwas ein.
„Nein. Nicht gut.“
Nun kam auch Waschbär dazu.
„Warum ist Sahne schlecht?“
„Die Sahne ist nicht schlecht. Aber mehrere Becher erreichen bald ihr Mindesthaltbarkeitsdatum.“
Er zog einen nach dem anderen aus dem Kühlschrank und stellte sie in einer Reihe auf.
„Dieser zuerst. Dann diese beiden. Die Milch ebenfalls zeitnah.“
Das Känguru rief aus der Hängematte:
„Überproduktion im Kühlsektor!“
„Wir haben einfach zu viel eingekauft“, sagte der Hai.
„Das ist die Definition vieler wirtschaftlicher Krisen.“
Kroko sah auf Milch und Sahne.
Dann dachte er an den Grießbrei vom Samstag.
„Desserts.“
Der Hai blickte auf.
„Mehrere?“
„Viele.“
Waschbär strahlte.
„Das ist die beste Inventur, die wir je hatten.“
2) Ein Plan für alles Süße
Kroko holte Schüsseln, Töpfe und kleine Dessertgläser hervor.
„Wir verbrauchen sinnvoll.“
Der Hai öffnete sofort eine neue Tabelle.
„Ich kann Mengen zuordnen.“
„Nicht für jedes Glas“, sagte Kroko.
„Nur insgesamt.“
Uschi und Lara kamen dazu und sahen die Reihe aus Milch und Sahne.
„Was machen wir?“, fragte Uschi.
Kroko begann aufzuzählen:
„Panna Cotta. Vanillepudding. Schokoladencreme. Grießdessert. Fruchtquark. Vielleicht Milchreis.“
Waschbär hob die Pfote.
„Und etwas mit ganz vielen Farben.“
„Obstsalat hatten wir.“
„Aber diesmal in Schichten.“
Lara öffnete den Obstkorb.
Dort lagen Pfirsiche, Aprikosen, Beeren, einige Kirschen und eine kleine Schale Trauben.
„Damit lässt sich einiges machen.“
Der weiße Tiger kam aus dem Büro.
„Was ist das Ziel?“
„Milch retten“, sagte Waschbär.
Der Hai korrigierte: „Lebensmittel rechtzeitig verbrauchen.“
Der weiße Tiger nickte.
„Klingt sinnvoll.“
3) Panna Cotta für den Abend
Zuerst kam die Panna Cotta.
Kroko erwärmte Sahne mit Vanille und nur so viel Zucker, dass sie nicht zu süß wurde.
Lara bereitete währenddessen eine Fruchtsauce aus Beeren vor.
„Etwas Säure dazu“, sagte sie und gab einen kleinen Spritzer Zitrone hinein.
Der Hai stand daneben.
„Wie viele Portionen?“
„Acht kleine.“
„Dann bleiben noch—“
Kroko zeigte auf den nächsten Sahnebecher.
„Genug.“
Die Panna Cotta wurde in kleine Gläser gefüllt und zum Festwerden in den Kühlschrank gestellt.
Waschbär wollte in eines der Gläser schon Beeren hineinwerfen.
„Später oben drauf“, sagte Lara.
„Warum nicht innen?“
„Weil es dann schöner aussieht.“
Waschbär dachte nach.
„Dann eine Schicht oben und eine geheime Beere unten.“
Lara ließ ihm genau eine.
4) Pudding in mehreren Richtungen
Als Nächstes machte die Gruppe Pudding.
Ein Topf wurde Vanille.
Ein zweiter Schokolade.
Stinkerle rührte die Stärke glatt. Odin half beim Abmessen der Milch. Der Hai kontrollierte die Mengen mit sichtlicher Zufriedenheit.
„Keine Klümpchen“, sagte Kroko.
Waschbär rührte im Schokoladentopf.
„Ich verhindere aktiv Klümpchen.“
„Langsamer.“
„Ich verhindere sie jetzt langsamer.“
Der Vanillepudding bekam später Pfirsichstücke dazu. Auf die Schokoladenvariante kamen Kirschen und ein wenig geraspelte dunkle Schokolade.
Das Känguru erschien kurz in der Küche.
„Gibt es auch eine politisch neutrale Sorte?“
„Vanille“, sagte Kroko.
„Vanille war historisch auch Handelsware.“
„Dann Schokolade.“
„Noch komplizierter.“
Kroko reichte ihm einen Löffel.
„Probieren.“
Das Känguru nahm einen Bissen.
„Ich stelle die Analyse zurück.“
5) Cremes, Grieß und Obst
Der Nachmittag wurde zunehmend süßer.
Uschi machte eine leichte Joghurt-Sahne-Creme mit Aprikosen. Lara bereitete eine Zitronencreme mit Beeren vor.
Kroko kochte außerdem noch einmal Grießbrei, diesmal etwas fester, damit er später kalt in kleinen Gläsern serviert werden konnte.
„Mit Zimt?“, fragte Uschi.
„Für manche.“
„Und Obst.“
„Natürlich.“
Waschbär baute aus Grieß, Beeren und Pfirsich eine mehrfarbige Schicht in einem Glas.
„Das ist mein Sonnenuntergangsdessert.“
Der Hai sah hinein.
„Die Schichten sind nicht gleichmäßig.“
„Sonnenuntergänge auch nicht.“
Stinkerle machte einen einfachen Milchreis mit Vanille und etwas Zitrone, der später mit Kirschen serviert werden sollte.
Der weiße Tiger probierte eine kleine Portion.
„Sehr gut.“
„Das ist noch warm“, sagte Stinkerle.
„Gerade deshalb.“
Bald war fast jede freie Fläche im Kühlschrank mit kleinen Schüsseln und Gläsern belegt.
6) Die Inventur wird erfolgreich kleiner
Am späten Nachmittag kehrte der Hai zu seiner Tabelle zurück.
„Milchbestand: deutlich reduziert.“
Kroko stellte den letzten leeren Sahnebecher in den Recyclingbehälter.
„Sahne auch.“
Der Hai prüfte den Kühlschrank.
„Es sind nur noch Mengen übrig, die problemlos rechtzeitig verbraucht werden.“
Waschbär stand hinter ihm und sah auf die vielen Desserts.
„Und jetzt haben wir ein anderes Inventurproblem.“
Der Hai drehte sich um.
„Welches?“
„Zu viele Desserts.“
Der Hai betrachtete die Gläser.
„Das ist temporär.“
Das Känguru kam herein.
„Ich bin bereit, an der Lösung mitzuwirken.“
Kroko sah es an.
„Nach dem Abendessen.“
„Ich kann vorbereitend probieren.“
„Nein.“
7) Das große Dessertprobieren
Am Abend wurde auf der Terrasse ein langer Tisch gedeckt.
Nicht mit großen Portionen, sondern mit vielen kleinen.
Panna Cotta mit Beerensauce.
Vanillepudding mit Pfirsich.
Schokoladencreme mit Kirschen.
Grießdessert mit Beeren.
Milchreis mit Vanille und Obst.
Aprikosen-Joghurt-Creme.
Zitronencreme.
Uschi stellte zusätzlich frisches Obst dazwischen, damit es trotz allem leicht und sommerlich blieb.
Jeder bekam mehrere kleine Schälchen.
Odin begann mit der Panna Cotta.
„Sehr gut.“
Lara mochte die Zitronencreme am liebsten.
Der weiße Tiger entschied sich für Schokoladencreme und Kirschen.
Stinkerle blieb beim Milchreis.
Waschbär probierte alles durcheinander und erklärte nach fünf Minuten:
„Man kann keine Rangliste machen. Sie haben verschiedene Aufgaben.“
Der Hai war beeindruckt.
„Das ist erstaunlich differenziert.“
Das Känguru nahm einen Löffel Panna Cotta.
„Dieses Dessert ist eindeutig für einen mediterranen Wohlfahrtsstaat geeignet.“
„Du musst nicht jedes Dessert politisch einordnen“, sagte Uschi.
„Heute fällt es mir schwer.“
8) Ein sehr süßer Montag
Später standen nur noch wenige Gläser auf dem Tisch.
Die Küchenkatzen hatten sich während des ganzen Abends auffällig nahe an den Sahneprodukten aufgehalten.
Minimaler Positionswechsel: von der Panna Cotta zur Schokoladencreme, dann strategischer Rückzug, sobald jemand hinsah.
Der Hai schloss zufrieden seine Inventurliste.
„Keine Lebensmittelverschwendung. Bestände wieder im vernünftigen Bereich.“
Kroko lehnte sich zurück.
„Und Desserts gut.“
Uschi nahm noch eine kleine Portion Grieß mit Pfirsich.
„Ich hätte nicht gedacht, dass aus zu viel Milch so ein schöner Tag wird.“
Lara nickte.
„Manchmal muss man nur rechtzeitig merken, was da ist.“
Waschbär hielt sein letztes Schichtdessert gegen das Abendlicht.
„Und dann Farben daraus machen.“
Mozart sah über den Tisch voller leerer Schälchen und sagte:
„Manche Probleme stehen im Kühlschrank
und haben ein Datum auf dem Deckel.
Dann hilft kein Aufschieben,
sondern ein großer Topf,
ein Schneebesen,
Obst in vielen Farben
und genug kleine Gläser für alle.
Aus zu viel Milch wird Pudding,
aus zu viel Sahne Panna Cotta,
und aus einer nüchternen Inventur
plötzlich ein sehr süßer Montag.
Vielleicht ist Vorratspflege manchmal
einfach die Kunst,
rechtzeitig etwas Schönes daraus zu machen.“