17. September 2026 Windig Herbst 6 min

Der windige Abend und das kurze Flackern

Der windige Abend und das kurze Flackern

1) Der Wind kommt am Nachmittag

Schon am Nachmittag wurde es draußen unruhig.

Der Himmel blieb hell genug, aber große Wolken zogen schnell über das Haus.

Im Garten bewegten sich die Äste.

Nicht nur ein wenig.

Der Apfelbaum rauschte deutlich.

Die Hängematte des Kängurus schaukelte leer zwischen ihren Befestigungen.

„Heute nicht“, hatte das Känguru entschieden.

Es saß drinnen.

Mit Decke.

Und behauptete:

„Ich habe mich nicht vom Wind vertreiben lassen. Ich habe nur den philosophischen Standort gewechselt.“

Stinkerle sah aus dem Fenster.

„Ist ordentlich.“

Der Hai hatte längst die Wetterstation geöffnet.

„Böen deutlich stärker als gestern.“

Waschbär drückte die Nase ans Fenster.

„Der Garten bewegt sich.“

„Das machen Bäume bei Wind“, sagte der Hai.

„Heute aber besonders.“


2) Das erste Flackern

Gegen Abend saßen einige Tiere im Wohnzimmer.

Kroko war in der Küche.

Der weiße Tiger arbeitete noch im Büro.

Tigerlein hörte etwas über Kopfhörer.

Dann flackerte das Licht.

Einmal.

Kurz.

Wieder normal.

Waschbär sah nach oben.

„Oh.“

Der Hai sah sofort zum Router.

Dann zur Lampe.

Dann Richtung Büro.

„Spannungsschwankung?“

Stinkerle stand bereits auf.

„Kann sein.“

Dann kam ein zweites Flackern.

Diesmal etwas länger.

Der Fernseher wurde kurz schwarz.

Tigerlein nahm die Kopfhörer ab.

„Das war mehr.“

Der Hai war schon unterwegs.


3) Die USV macht genau das, was sie soll

Im Büro piepte es kurz.

Der weiße Tiger sah unter den Tisch.

„USV.“

Der Hai kam herein.

Sehr schnell.

„Hat sie übernommen?“

„Ja.“

Auf dem Display standen die Werte.

Kurz auf Batterie.

Dann wieder Netzbetrieb.

Der Hai starrte darauf.

„Saubere Umschaltung.“

Der weiße Tiger sah ihn an.

„Genau dafür ist sie da.“

„Ich weiß.“

„Du wirkst trotzdem begeistert.“

„Weil es funktioniert.“

Stinkerle kam dazu.

„Server?“

„Laufen.“

„Netzwerk?“

„Auch.“

„Dann alles gut.“

Der Hai nickte.

„Sehr gut sogar.“


4) Stinkerle prüft trotzdem

Stinkerle ging zum Sicherungskasten.

Alles normal.

Keine Sicherung gefallen.

Kein FI ausgelöst.

Keine ungewöhnlichen Geräusche.

Er prüfte kurz die wichtigsten Geräte und war zufrieden.

„Nichts im Haus.“

Der Hai fragte:

„Also Netzseite?“

„Wahrscheinlich kurz draußen was.“

Der weiße Tiger sah aus dem Fenster.

„Bei dem Wind kein Wunder.“

Noch eine Böe fuhr ums Haus.

Man hörte etwas an der Dachrinne klappern.

Waschbär kam in den Flur.

Mit vier Kerzen im Arm.

„Ich bin vorbereitet.“

Stinkerle sah ihn an.

„Es ist wieder Strom da.“

Waschbär nickte.

„Trotzdem.“


5) Waschbär erklärt den Kerzenabend

Im Wohnzimmer stellte Waschbär Kerzen auf.

Uschi kam dazu.

„Vorsichtig mit den Abständen.“

„Ja.“

Der Hai sah skeptisch aus.

„Wir brauchen die gar nicht.“

Waschbär zündete die erste an.

„Doch.“

„Warum?“

„Atmosphäre.“

Lara kam mit einem Tablett herein.

„Ich finde es schön.“

Das Känguru sah auf die Kerzen.

„Elektrische Abhängigkeit überwunden.“

Der Hai rollte mit den Augen.

„Für ungefähr zwei Minuten.“

„Symbolisch.“

Mozart sah das warme Licht an.

„Man könnte den Abend auch einfach so lassen.“

Alle wurden kurz still.

Das war eine gute Idee.


6) Die Elektronik bleibt aus

Der Fernseher blieb aus.

Tigerlein klappte den Laptop zu.

Der weiße Tiger beendete seine Arbeit für den Tag.

Der Hai sah auf sein Tablet.

Dann legte er es ebenfalls weg.

„Nur für heute.“

Waschbär grinste.

„Freiwilliger Stromausfall.“

„Nein. Strom ist da.“

„Freiwilliges Nichtbenutzen.“

„Das trifft es besser.“

Im Wohnzimmer brannten jetzt mehrere Kerzen.

Nicht zu viele.

Uschi hatte sie sinnvoll verteilt.

Lara stellte noch zwei Windlichter auf.

Draußen rauschte der Wind.

Drinnen wurde es stiller.


7) Kroko macht etwas Warmes

Kroko hatte die ganze Sache kaum interessiert.

Er stand am Herd.

„Essen bald.“

Waschbär kam in die Küche.

„Ohne Strom?“

Kroko sah ihn an.

„Herd funktioniert.“

„Aber wir machen Elektronikabend ohne Elektronik.“

„Ich koche.“

Damit war die Sache geklärt.

Es gab eine kräftige Kartoffelsuppe.

Mit Zwiebeln.

Karotten.

Etwas Lauch.

Kräutern.

Dazu Brot.

Und ein wenig von Wolfs Schinken.

Der Duft zog durch das Haus.

Das Känguru sagte:

„Das ist sehr vormodern.“

Kroko antwortete:

„Das ist Suppe.“


8) Geschichten statt Bildschirm

Nach dem Essen blieb niemand am Tisch sitzen, weil ein Film anfangen sollte.

Es gab keinen Film.

Stattdessen saßen alle im Wohnzimmer.

Mozart erzählte eine kleine Geschichte von einem Abend auf Reisen, an dem ebenfalls das Licht ausgefallen war.

Lara erzählte von windigen Herbstabenden in Frankreich.

Uschi sprach von früheren Stürmen am Haus.

Odin hörte zu.

Dann sagte er irgendwann:

„Früher war öfter mal Strom weg.“

Der Hai sah sofort zu ihm.

„Wann?“

Odin nahm einen Schluck Tee.

„Früher.“

Der Hai sah Mozart an.

Mozart grinste.

„Nicht anfangen.“

Der Hai lachte.


9) Das Haus klingt anders

Ohne Fernseher, Computer und Musik fiel plötzlich auf, wie viele Geräusche das Haus selbst machte.

Der Wind am Dach.

Das leichte Knacken im Gebälk.

Die Heizung.

Das Klappern einer Tasse.

Das Rascheln von Papier.

Die Küchenkatzen, die über den Teppich liefen.

Waschbär flüsterte:

„Es klingt größer.“

Mozart nickte.

„Weil weniger dazwischen ist.“

Der Hai hörte eine Weile zu.

„Interessant.“

Das Känguru sagte:

„Technologische Reduktion schafft Wahrnehmungsraum.“

Der Hai sah es an.

„Das war wieder fast sinnvoll.“


10) Noch ein kurzes Flackern

Später flackerte das Licht noch einmal.

Nur ganz kurz.

Die Kerzen bemerkten es nicht.

Die Tiere auch fast nicht.

Im Büro piepte die USV wieder.

Der Hai stand auf.

Dann setzte er sich wieder.

Stinkerle sah ihn an.

„Alles gut.“

Der Hai nickte.

„Sie macht ja ihren Job.“

Das war für ihn fast schon Gelassenheit.


11) Ein Abend, der anders endet

Gegen später wurde der Wind schwächer.

Nicht viel.

Aber genug.

Das Haus blieb ruhig.

Die Kerzen brannten herunter.

Uschi brachte noch Tee.

Kroko holte ein paar kleine Reste vom Nusskuchen.

Der weiße Tiger lehnte sich zurück.

„Eigentlich angenehm.“

Tigerlein nickte.

„Sehr.“

Waschbär sah stolz auf seine Kerzen.

„Meine Idee.“

Der Hai korrigierte:

„Mozarts Idee.“

Waschbär dachte nach.

„Meine Kerzen.“

„Das stimmt.“


12) Kein Problem, aber ein schöner Abend

Später, als die Tiere nach und nach nach oben gingen, war die Stromversorgung längst stabil.

Nichts war kaputt.

Kein echter Ausfall.

Keine Krise.

Nur ein bisschen Wind.

Ein paar kurze Flackerer.

Und ein Abend, der dadurch anders geworden war.

Mozart schrieb:

„Manchmal braucht es keinen langen Stromausfall.
Ein kurzes Flackern reicht.

Dann prüft Stinkerle die Sicherungen,
der Hai freut sich über eine funktionierende USV
und Waschbär stellt Kerzen auf,
obwohl längst wieder alles läuft.

Vielleicht merkt man erst dann,
wie viel ein Haus selbst erzählen kann,
wenn die Bildschirme einmal schweigen.

Der Wind spricht am Dach,
die Tassen klappern leise,
jemand erzählt eine Geschichte,
und plötzlich fehlt nichts.

Der Strom war fast die ganze Zeit da.
Aber für einen Abend
brauchte ihn einfach niemand besonders dringend.“